In Waldreichenbach gastiert das Mittelalter

Waldreichenbach.  Viel "Handgeklapper und freudiges Gegröhle" gab es am Wochenende beim Ritterturnier in Waldreichenbach. Höhepunkte waren die Kämpfe zu Pferd und zu Fuß. Heute ist noch einmal das volle Programm geboten.

Die fünf Kämpen schenken sich nichts. In schwerer Rüstung jagen sie mit dem Pferd über den Turnierplatz, spießen Feuerringe auf, schlagen im vollen Galopp mit dem Schwert Helme von Holzstangen und prügeln sich. Wie kann es anders sein, es geht um eine hübsche Maid. Dass am Ende ein junger Knappe Johannas Hand bekommt, trägt der eigentliche Sieger Heinrich vom Stain mit Fassung. Gäbe es doch "hübsche Frauenzimmer" zuhauf. Lautes "Handgeklapper  und freudiges Gegröhle" - Applaus und Jubel - der Zuschauer verabschieden die "Ritter der schwarzen Lanze", eine 35-köpfige Ritter-Gruppe aus dem Raum Ulm.

Die Vorstellung gehört zum Programm des diesjährigen Ritterturniers in Waldreichenbach. Seit Freitag haben Ritter und Knappen, Edle, Handwerker, Händler, Gaukler, Musikanten und Feuerspucker ihre Zelte auf dem Gelände des ehemaligen Fuggerschen Forsthauses im südlichen Kreis Neu-Ulm aufgeschlagen. Sie scheinen in den Gebräuchen aus der Vergangenheit völlig aufzugehen. Geschlafen wird meist auf Fellen und Teppichen, die Füße sind, wenn überhaupt, mit einfachem Leder bekleidet, die Kleidung ist möglichst aus Stoffen gefertigt, die es schon im Mittelalter gegeben hat, wie Leinen.

Während die meisten nur am Wochenende oder zu Treffen wie dem in Waldreichenbach in ihre Rollen schlüpfen, haben Mutter Maura und Meister Armin aus Ettringen nahe Buchloe einen Großteil ihres Lebens danach ausgerichtet. Praktisch das ganz Jahr über wird nach historischem Vorbild geschreinert, werden kunstvolle Bücher hergestellt und werden Stoffe gewebt. Die alte Handwerkskunst hat auch Vorteile, erklärt Meister Armin einigen Besucher. So sei mit dem einfachen Webkamm gefertigte Kleidung locker und luftig, was bei Hitze gut klimatisiere und bei Kälte wärme.

Marktbummlern wird viel geboten. Handwerker lassen sich über die Schulter schauen, die Teilnehmer erlauben Einblicke in das Lagerleben und geben bereitwillig Auskunft, Essensstände sorgen fürs leibliche Wohl. Plötzlich erhebt sich lautes Geschrei "Haltet den Dieb!", und ein Mann rennt einem Jungen nach, der einen Apfel stibitzt hat. Bald darauf wälzen sich zwei Männer im Staub und stoßen wüste Beschimpfungen aus. Über die Auseinandersetzung wird noch an Ort und Stelle Gericht gehalten.

Heute - Feiertag in Bayern - wird in Waldreichenbach von 11 Uhr an noch einmal das volle Programm geboten, einschließlich einem bunten Programm für Kinder mit Märchenturnier, Gaukeleien, Marionettentheater und Bogenschießen. Die beiden Ritterturniere beginnen um 14.30 und um 17.30 Uhr.


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Autor: FRANZ GLOGGER | 15.08.2011

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