Impressionen aus Äthiopien

Bermaringen.  Er fährt mit dem Rad von Kairo nach Kapstadt: Hartmut Bögel aus Blaustein. Rund 12.000 Kilometer wird er bis nach Südafrika auf dem Sattel verbringen. Pünktlich zur Fußball WM will der Blausteiner sein Ziel erreichen. In loser Folge berichtet Hartmut Bögel über seine Erlebnisse von unterwegs.

Freitag 26.Februar

Vom See Koga ging es in einer einfachen flachen Etappe zum einzigen Badesee Äthiopiens dem Lake Lagano und dort hatten wir einen erholsamen Nachmittag und konnten im See, der vom Sand her eine Farbe hat wie Schwarztee mit Milch, ausgiebig baden und uns im dazugehörigen Cafe fühlen wie richtige Badeurlauber. Unser Camp lag an einem Zelt und einem Badeplatz, der auch von den Einheimischen aufgesucht wird. Der See hat eine Tiefe von 46 Metern und interessant ist, dass die Wasseroberfläche warm und der Grund sehr kalt ist, also Tauchen ist da richtig erfrischend!

Nach den beiden Flachetappen ging es wieder mächtig in die Berge hier im Süden des Landes und wir bewegen uns wieder in Höhen von 2000- 2500 Meter und über jeden Berg und über jeden Hügel geht die Straße. Ein Kräfte raubendes Auf und Ab mit beachtlichen Steigungen und da habe ich doch zu tun und mir mein Lunch- und Abendessen immer redlich verdient - will ich mal behaupten.

Doch eigentlich wollte ich euch heute mal durch eine Siedlung mit hindurchführen und versuchen zu beschreiben was da uns so begegnet:
Schon vor dem jeweiligen Ort begegnen uns viele Menschen, die allerlei Dinge auf die verschiedenste Weise Richtung Ortschaft bewegen. Sei es auf dem Kopf, dem Rücken oder natürlich mit den unzähligen Eselskarren oder den aus Stangen zusammengebundenen Holzschubkarren, deren Rad entweder aus Holz oder aus Eisen ist... Früchte, Tefkorn, Brennholz, Langholz und Heu und Stroh.

Hirten führen ihre Rinder und Ziegen aus dem Ort und füllen die gesamte Straße. Am Ortseingang gibt es riesige Stapel von ewig langen Holzstangen, die vielleicht einen Durchmesser von 10 Zentimetern haben und die zum Haus- und Gerüstbau Verwendung finden und in den nahe gelegenen Wäldern geschlagen werden. Entlang der Dorfstraße weiden überall Kühe, Schafe, Ziegen und Esel und meist friedliche Hunde ziehen dort ihre Runden und schauen ob was für sie übrig bleibt.

Kinder und Jugendliche machen sich in ihrer einfachen Schulkleidung in einem uni Farbton auf den Weg zur Schule und laufen in großen Gruppen und haben natürlich den allergrößten Spaß an uns Radlern und testen ihr gelerntes Englisch. Vor den Häusern brennt oft ein Feuer mit einem Teekessel drauf und wenn das Feuer aus Dung besteht dann raucht es doch recht kräftig. Auch finden sich oft kleine Backstuben die helles Brot oder frittierte Kringel anbieten. Es scheint so, dass nicht alle Kinder zur Schule gehen, zumindest sind mindestens ebenso viele zu sehen die sich an den Tischkickern vergnügen oder beim Tischtennisspielen anzutreffen sind. Die kleinsten Kinder tragen leider viel zu oft erbärmliche Fetzen als Kleider und T-Shirts wo dann Bugs Bunny oder Benjamin Blümchen draufsteht. Einige Kinder sah ich, die in Skioveralls steckten oder mit Tom & Jerry Schlafanzug umherliefen.

Recht schick dagegen sind die jungen Menschen gekleidet. Die hübschen Mädchen haben bunte Schals und Tücher und ihre Augen leuchten darunter hervor. Lange Schlangen bilden sich an den Wasserstellen des Dorfes wo meist Frauen mit gelben 20 Liter-Kanistern warten bis sie an der Reihe sind um an das lebenswichtige Trinkwasser zu gelangen. Ein alltäglicher Gang der wohl auch gerne zum Plausch genutzt wird. Eselskarren stehen auch vor den Wasserstellen und erleichtern den Transport. Im Ort gibt es viele kleinste Läden, zum Teil nur Wellblechhütten wo sowohl Lebensmittel wie auch Kanister und Krimskram angeboten wird.

Kleine Cafes laden zum Verweilen, es gibt Kleider (meist nicht afrikanischen Ursprungs) zu kaufen oder Plastiksandalen und Plastikschlappen und das Schild vom Barberläd zur Rasur und das der Friseurin zum Zöpfe flechten, Musik dröhnt aus einem Geschäft das mit CD`s handelt. Frauen sitzen auf Tüchern, die Babys im Tragetuch und bieten Früchte und Gemüse an. Die kleinen Tuctucs fahren recht keck umher und die Kleinbusse werden übervoll mit Passagieren und Gepäck beladen. Viele halbfertige, angefangene und auch leer stehende Häuser sind zu sehen. Es überwiegt ein Braunton, nur wenige Häuser haben einen farbigen Anstrich.

Ein neuer schneeweißer Landcruiser der UNO kommt entgegen und grüßt mit der Lichthupe. Die Seitenstraßen sind in den kleinen Orten meist ungeteert und nach Regen so wie heute total schlammig. Aus der Kirche wird lautstark das Gebet übertragen und das nicht nur aus den Moscheen, sondern auch aus der christlichen Kirche. Und überall viele viele Menschen die unterwegs sind oder in Gruppen zusammenstehen. Auffällig gerade für uns ist dass auch Jungs und Männer Händchen haltend umherschlendern, das ist hier ganz normal und nicht nur den Mädchen und Frauen oder den Pärchen vorbehalten.

Begrüßt wird indem man sich erst die Hand schüttelt und sich dann mit der rechten Schulter berührt und umarmt. Kinder spielen mit Felgen oder einfachen Ringen die sie mit einem Stab am Laufen halten und halten oft Zuckerrohrstückchen in der Hand aus denen sie den süßen Saft saugen. Eine Fahrt mit dem Fahrrad durch eine solche Ortschaft ist für mich recht abwechslungsreich und meist willkommen. Ich habe dann immer gut zu tun um "alle" zu begrüßen und bisweilen gibt es echt ein richtig großes und lautes Hallo und ich mache die Laola-Welle auf dem Fahrrad.

Natürlich bietet jeder Ort die Chance auf eine kalte Cola und das ist vor allem am Nachmittag sehr willkommen... Nur manchmal habe ich auch keine Lust von wahnsinnig vielen Menschen umringt zu werden wenn ich wo anhalte und verzichte dann sogar auf die Cola. Die größeren Orte haben natürlich auch Restaurants, Saftbars und kleine Hotels und man kann sehr lecker Essen und vor allem den sehr sehr guten äthiopischen Kaffee, aber auch Tee genießen und dazu gibt es Gebäck wenn man will. So ungefähr ist so eine Fahrt durch eine Siedlung hier, ich hoffe ihr könnt euch das nun so ein bisschen vorstellen von wie viel Leben und Eindrücken ich umgeben bin.

Wir sind nun ja schon recht weit im Süden angekommen und hier ist es richtig tropisch. Bananenstauden sind allgegenwärtig und es gibt Mangos, Ananas und Avocados überall zu kaufen. Die Menschen haben zu tun um mit ihren Macheten den dichten Bewuchs zurückzuhalten und es ist bergig, waldig und absolut grün. Die Lehmhäuser mit den Wellblechdächern sind runden Hütten mit Strohdächern gewichen, die Erde ist von braunroter Farbe. Gestern Nacht hatten wir ein Gewitter und Dauerregen und ein riesiger Dunst hängt über den Bergen und abseits der einzigen Teerstraße ist es wahnsinnig schlammig und der klebt dir sofort an den Schuhen. Die Kinder johlen uns ein fast schon ohrenbetäubendes "youyouyouyou" entgegen sobald sie uns erblicken und versuchen neben uns her zu rennen, was ihnen am Berg vorzüglich gelingt. Wir sind ja schließlich nicht umsonst im Lande der großen Läufer wie Bekele oder Haile Gebreselassie...

Und auch heute gibt es dolle Geburtstagsgrüße an Peter in Bermaringen und an Gerd in Ringingen.
Berichte und Fotos gibt es wohl erst wieder aus Morsabit in Kenia wo wir in einer Woche eintreffen werden....hier im Süden Äthiopiens in Yabello hat es keine Internetmöglichkeit.
Alles Gute und regenreiche Grüße aus Yabello, die Regenzeit ist viel zu früh...

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02.03.2010

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