Illertalklinik: Der Altbau wird saniert

Kreis Neu-Ulm.  Die TCM-Klinik, die in die Illertalklinik zieht, wird die Verluste des Illertisser Krankenhauses nicht reduzieren, sagen Kreisräte. Aber sie stärke den Standort. Die Illertalkinik braucht weitere Verbesserungen.

Die Fakten sind schnell erzählt: Die Klinik für traditionelle chinesische Medizin (TCM) zieht, wie beschlossen, in das alte Gebäude der Illertalklinik. Um das Gebäude nach 45 Jahren zu sanieren, nimmt der Landkreis 1,397 Millionen Euro in die Hand. Auf Sonderwünsche der TCM-Klinik, die derzeit ihren Sitz noch in Ottobeuren hat, entfallen laut Landrat Erich Josef Geßner davon nur 160 000 Euro. Investitionswünsche der TCM, die 200 000 Euro übersteigen, muss die TCM selbst tragen, das sei so vertraglich vereinbart. Esser hätte gern eine detaillierte Auflistung der gesamten knapp 1,4 Millionen Euro Investitionen gehabt, erntete dafür aber nur den Vorwurf, sie misstraue wohl den Angaben des Landrats.

Auch wenn zwischen dem Stiftungsklinikum und den Ottobeurern ein Kooperationsvertrag abgeschlossen und unterzeichnet wurde, arbeitet TCM wirtschaftlich völlig selbstständig und ist im Prinzip ein Mieter im alten Klinikgebäude. Die Jahresmiete beträgt 105 000 Euro, eine ortsübliche Miete, sagte Geßner. Der Mietvertrag wurde langfristig abgeschlossen, bis Ende 2029. Am Gewinn und Verlust dieser Einrichtung, in der chinesische Medizin angewandt werden wird, ist die Illertalklinik nicht beteiligt. Deshalb werde sich auch der Jahresverlust der Klinik durch TCM nur so weit verbessern, wie sich die Mieteinnahmen auswirken.

Um die Verluste von zuletzt 700 000 Euro zu senken, müsse man qualitativ hochwertigere Medizinbereiche anbieten können, sagten Stiftungsdirektor Konrad Hunger und Kreisrat Axel Janischowski (CSU). Einen Bereich, von dem sich Hunger auch eine finanzielle Entlastung erhofft, soll der Landkreis beantragen, beschloss der Krankenhausausschuss: In der Illertalklinik, in der es bereits eine geriatrische Abteilung gibt, die freilich nicht ausreichend ausgelastet ist, soll eine Akutgeriatrie eingerichtet werden (siehe nebenstehenden Bericht). Ob Hungers Hoffnungen auf zusätzliche Einnahmen aus diesem Bereich realistisch sind, blieb in der gestrigen Ausschusssitzung offen. Wenn alle 20 Akutbetten dauerhaft belegt sind, könnte der Gewinn aus diesem Bereich mehrere hunderttausend Euro ausmachen, sagte er. Eine Berechnung mit Ober- und Untergrenze, die Antje Esser (SPD) forderte, konnte er jedoch nicht vorlegen.

Hitzig diskutiert wurde, ob Landrat Erich Josef Geßner (CSU) die Kreisräte früher über die Einquartierung der TCM-Klinik in den Altbau der Illertalklinik hätte informieren müssen. Die Beratungen darüber endeten in einem hochemotionalen Schlagabtausch, in dem CSU-Räte und Geßner der SPD-Kreisrätin Antje Esser vorwarfen, sie wolle in Wahrheit nur die Schließung der Illertalklinik erreichen. Sie wies dies zurück: Nach dem Ausbau der Klinik mit neuer Geburtenstation und der Geriatrie bleibe ihr gar nichts anderes übrig, als sich für den Erhalt der Klinik einzusetzen, weil sonst immens hohe Rückzahlungen an Zuschüssen der bayerischen Landesregierung fällig würden. Aber sie wolle rechtzeitig informiert werden. Esser warf Geßner vor, er habe kein Vertrauen zu den Kreisräten.

Der Landrat wehrte sich mit einer langen Auflistung von Punkten, mit der er auch auf einen schon vor den Beratungen eingereichten SPD-Fragenkatalog antwortete: Weder in der Sitzung am 27. November noch in der am 11. Dezember sei klar gewesen, ob und wann es zu einem Vertragsabschluss mit TCM kommen werde. Erst am 28. Dezember habe der Vertrag unterschriftsreif vorgelegen. Darüber habe er die Kreisräte so schnell wie möglich per Fax oder Mail unterrichtet. Eine vage Information, dass man sich in Verhandlungen befinde, wie Esser sie gern gehabt hätte, hätte nach Geßners Worten wenig bewirkt. Außerdem habe er Bedenken gehabt, dass diese Information schnell an die Öffentlichkeit geraten könnte und die Gefahr bestanden hätte, dass die Verhandlungen mit TCM danach gescheitert wären.

Es sei nicht richtig, dass das Konzept für die Illertalklinik gescheitert sei, sagte Geßner. "Nach wie vor bin ich der Auffassung, dass es durchaus möglich ist, das wirtschaftliche Ergebnis der Illertalklinik deutlich zu verbessern." Aber es stimme schon, dass er in einer Krankenhausausschusssitzung gesagt habe, derzeit hätten die Klinikstiftung und er kein Konzept, wie die Illertalklinik aus den Verlusten herausgeholt werden könnten, konterte Esser. "Wir sollten das Krankenhaus nicht schlechtreden, weil die Mitarbeiter darunter leiden", bat Geßner.


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Autor: WILLI BÖHMER | 09.02.2010

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