Hitzige Debatte um Amtschef Dellmensinger

Dellmensingen.  Dellmensingen braucht einen hauptamtlichen Ortsvorsteher. Das beteuerten am Ende der Sitzung alle Räte. Zur Überraschung der Zuhörer, denen noch ganz andere Aussagen in den Ohren klangen.

"Zehn Minuten!" So lange werde der Ortschaftsrat wohl brauchen, um über den künftigen Status des Dellmensinger Ortsvorstehers - haupt- oder ehrenamtlich - zu entscheiden, mutmaßte Ratsmitglied Helmut Braun vor der Sitzung am Mittwoch. Braun lag gehörig daneben. Eineinhalb Stunden hitziger Debatte brauchte es, bis klar war, dass der Posten des Ortsvorstehers wie bisher hauptamtlich und für den gehobenen Dienst ausgeschrieben werden soll.

Die Stelle wird vakant, weil Amtsinhaber Klaus Hägele zum 1. November ins Hauptamt nach Isny wechselt. Die außerordentliche Sitzung des Ortschaftsrats war auf Antrag der CDU-Räte Hans Seemann, Rudolf Scherer und Anton Häuptle zustande gekommen. Begründet wurde dieser mit einem Bericht in der SÜDWEST PRESSE. Darin wurde der 1. September als Termin genannt wird, an dem Ortschaftsrat und Bürgermeister Paul Roth die künftige Stellung des Ortsvorstehers nichtöffentlich beraten. Dadurch sei der Eindruck entstanden, der im Eingemeindungsvertrag zugesicherte hauptamtliche Ortsvorsteher solle hinter verschlossenen Türen durch einen ehrenamtlichen Ortsvorsteher ersetzt werden. Und diesen würden wohl die Freien Wähler stellen, wie Wortmeldungen aus dem Gremium und Reaktionen der gut 40 Zuhörer zeigten.

Ein direkter Vorwurf ging an Reinhard Härle. Der starke Mann der Freien Wähler, hatte in dem Zeitungsbericht Nachteile eines hauptamtlichen Ortsvorstehers benannt. Zum Beispiel, dass gute Amtsinhaber den Posten als Sprungbrett für einen Bürgermeisterstuhl in einer anderen Gemeinde nutzten. Solche Aussagen gehörten nicht in die Öffentlichkeit, sondern im Gremium diskutiert, schimpfte Scherer. Durch die Diskussion sei "ein Fass" aufgemacht worden, das "Dellmensingen ganz verrückt gemacht hat".

Härle bestätigte die Überlegungen. Allerdings hätten er und seine Fraktionskollegen - die Freien Wähler stellen acht der zwölf Ortschaftsräte - nie beabsichtigt, am hauptamtlichen Status zu rütteln. Aber es sei verwerflich, sich keine Gedanken darüber zu machen. "Was ist zum Beispiel, wenn wir einen bekommen, der hier seine Jahre nur absitzt?", meinte er. Bürgermeister Paul Roth hatte schon nach Bekanntwerden von Hägeles Weggang angeregt, über die künftige Besetzung der Stelle nachzudenken.

Nachdem von Beginn an Unruhe geherrscht hatte, ließ der Ortschaftsrat nun Fragen zu. In den vergangenen Tagen hätten einzelne Räte sich über das Thema ganz anders geäußert, war öfters zu hören. Das wiesen die Freien Wähler brüsk von sich. Die Wortmeldungen ergaben schließlich ein klares Bild: Die öffentlichen Äußerungen seien missverständlich gewesen.

Klar auch die Forderung der Zuhörer: Der hauptamtliche Status dürfe auf keinen Fall aufgegeben werden. "Dieses Privileg herzugeben wäre ein doppelter Salto rückwärts", sagte Stadträtin Edith Hauser (CDU). Dann müssten etliche Aufgaben, zum Beispiel das Standesamt, abgegeben werden. Das Misstrauen der Bürger konnten die Freien Wähler bis zuletzt nicht zerstreuen. Am Ende aber doch ein einstimmiger Beschluss: Auf Hägele soll ein hauptamtlicher Ortsvorsteher im gehobenen Dienst folgen.


zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: FRANZ GLOGGER | 06.09.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Ein Raub der Flammen

So einen Brand wie gestern am frühen Abend haben die Hechinger mitten in der Altstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen. Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße wurde ein Raub der Flammen. Von vier Drehleitern aus schützten die Feuerwehren die Nachbargebäude.... mehr