Gut gerüstet: Kreis hat drei Feuerwehr-Fahrzeuge gekauft

"Wenn was ausläuft, können wir keine Stunde warten", sagt Kreisbrandmeister Harald Bloching. Seit Jahresbeginn gilt ein neues Gefahrgut-Konzept der Feuerwehr im Alb-Donau-Kreis. Drei Autos wurden beschafft.

JOACHIM STRIEBEL | 1 Meinung

Für Brandeinsätze gibt es vorgeschriebene "Eintreffzeiten", also Vorgaben, nach welcher Zeit Feuerwehrleute mit den entsprechenden Löschfahrzeugen vor Ort sein sollen. Das schon seit vielen Jahren. In das Papier "Hinweise zur Leistungsfähigkeit der Feuerwehr" des Landesfeuerwehrverbands und des Innenministeriums wurden nun auch Gefahrguteinsätze aufgenommen. Es gilt eine Eintreffzeit von 30 Minuten. Der Alb-Donau-Kreis reagiert darauf mit einem neuen Konzept, dessen Rückgrat speziell geschulte Feuerwehrleute und drei neue Fahrzeuge an den Standorten Langenau, Blaubeuren und Ehingen bilden. "Wir sind gut gerüstet", sagt Kreisbrandmeister Harald Bloching. Am 1. Januar ist ein neuer Alarmplan in Kraft getreten.

"Wir sind der Kreis mit den meisten Autobahn-Kilometern im Land", sagt Bloching. Die Abschnitte der A 7 und der A 8 gelten als Unfallschwerpunkte. Treten nach einem Unfall Treibstoffe oder andere gefährliche Güter wie Säuren, Laugen oder andere chemische Substanzen aus, müsse die Feuerwehr auch angesichts der sensiblen Trinkwassereinzugsgebiete rasch handeln. Das gelte für die Straßen ebenso wie für die Gefahrgut-Umschlagplätze in Betrieben und Speditionen.

Schon bisher hielt der Alb-Donau-Kreis eigene Fahrzeuge vor - einen in Langenau stationierten Gefahrgut-Gerätewagen und je einen Lkw mit Transportbehältern in Amstetten und in Blaubeuren. Doch diese Fahrzeuge haben 25 bis 30 Jahre auf dem Buckel. Die neuen - es handelt sich um MAN-Dreiachser mit einem Gesamtgewicht von 26 Tonnen - sind etwas größer und zudem flexibler einsetzbar. Die Feuerwehr spricht von einem Wechsellader-System. Das bedeutet, dass jedes der drei Autos nicht nur die jeweils vorgesehene eigene Beladung aufnehmen kann, sondern auch andere genormte Container, etwa mit Atemschutzausrüstungen oder Abstützmaterial, wie sie beispielsweise die Ulmer Wehr vorhält.

Insgesamt hat der Alb-Donau-Kreis rund eine Million Euro für die drei neuen Autos und die Geräte ausgegeben, das Land Baden-Württemberg gab einen Zuschuss von 283 000 Euro. Zur Beladung der beiden in Langenau und Ehingen stationierten Lastwagen gehören Pumpen, Schläuche und weitere technische Geräte zum Auffangen und Abpumpen von Flüssigkeiten sowie zum Abdichten von Behältern, zudem Schutzanzüge, Dekontaminationseinrichtungen und kleinere Auffangbehälter. Das dritte Fahrzeug, das im Blaubeurer Feuerwehrhaus steht, ist mit Edelstahl- und Kunststoffbehältern bestückt, um Flüssigkeiten aufzunehmen und abzutransportieren. Zusätzlich ist es mit einem Kran ausgerüstet, mit dem die Tanks nahe an die Einsatzstelle gehievt werden können. Gerade an Straßen- und Bahnböschungen sei das von Belang, meint Kreisbrandmeister Bloching. Er sieht dort eine weitere Einsatzmöglichkeit für den Kran: Aggregate und hydraulische Geräte zur Befreiung von eingeklemmten Personen können so ohne Mühe zum Unfallfahrzeug gebracht werden. Auch kann ein so genannter "Eisenbahnrettungssatz", ein kleines Schienenfahrzeug der Feuerwehr, damit direkt aufs Gleis gesetzt werden.

Die Standorte der neuen Fahrzeuge im Alb-Donau-Kreis wurden laut Bloching nach geographischen Gesichtspunkten gewählt. Bei Gefahrguteinsätzen rund um Ulm hilft die dortige Feuerwehr, im Bereich Dietenheim wird grenzüberschreitend die Wehr aus dem bayerischen Weißenhorn alarmiert.

Den Umgang mit gefährlichen Gütern und mit den neuen Fahrzeugen haben 30 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Langenau, Blaubeuren und Ehingen jetzt bei einem zweitägigen Kurs an der Landesfeuerwehrschule geübt, einige Männer aus Langenau und Ehingen besuchten gar einen 14-tägigen Lehrgang. 15 Blaubeurer Wehrleute haben in einer viertägigen Ausbildung zudem den vorgeschriebenen Kran-Führerschein erworben.

"Wir sind hervorragend ausgebildet", sagt Harald Bloching. Und mit den neuen Wechsellader-Fahrzeugen, die ganz rasch bestückt werden können, rücke die Mannschaft schneller aus als bisher. Das neue Konzept für Gefahrgutunfälle war Blochings letztes großes Projekt im Alb-Donau-Kreis. Er übernimmt am 18. Januar eine neue Aufgabe im Stuttgarter Innenministerium. Sein Nachfolger als Kreisbrandmeister steht noch nicht fest.

1 Kommentar

05.01.2016 22:51 Uhr

Gefahrgutunfall und Eigenschutz

Exzellent Ausbildung, hohe Motivation und bestes Material zeichnen die Einsatzkräfte in Deutschland aus. Bei über 3.000.000 t Gefahrgut pro Jahr auf deutschen Verkehrswegen sind zwar Zwischenfälle sehr selten - die Einsatzkräfte sehen aber immer nur die Fälle, wo etwas nicht so läuft, wie es soll. Dann stehen sie mit ihrer Kenntnis und ihrem Gerät da und müssen sich gefährden damit der Schaden für die Allgemeinheit minimiert wird. Ein gefährlicher Job der höchste Anerkennung verdient. Ein wichtiges Augenmerk ist daher auch dem Eigenschutz der Einsatzkräfte der Feuerwehren zu schenken. Wenn im Einsatz Unerwartetes passiert muss der Helfer sich sicher sein, dass er gut geschützt ist und das er bei einer versehentlichen Hautberührung mit dem Gefahrgut - auch fern jedem fließenden Wassers und entfernt von Rettungsärzten oder Krankenhaus sofort optimale Hilfe bei seiner Dekontamination erfährt. Wasser steht ausreichend zur Verfügung und auch bei wasserunlöslichen Giften ist mit Deconaid oder anderen Spüllösungen sicher die Haut wieder befreit von unerwünschtem Gift. Wie gesagt: gute Ausbildung, hohe Motivation und das richtige Material - in Deutschland die Regel. Danke für Euren Einsatz.

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