Frisiert mit Lachgas und Federgabel

Staig.  Aufheulende Motoren, Benzin geschwängerte Luft und spannende Positionskämpfe. Beim 21. Quickly-Rennen des MC Weihungstal sind Teilnehmer und etliche hundert Zuschauer auf ihre Kosten gekommen.

Einmal im Jahr scheint der große Rennzirkus in Staig-Altheim Halt zu machen. Dann sind am westlichen Ortsrand Boxengasse und Rennturm positioniert, aufheulende Motoren zu hören - und die Luft riecht nach verbranntem Benzin.

So wie gestern: Der Motorradclub (MC) Weihnungstal hatte wieder zum Quickly-Rennen gerufen. Zum 21. Mal holten Besitzer des bis heute am meisten gebauten Motorrads der Welt (siehe Info-Box) ihre Gefährten aus Keller und Schuppen und schoben sie an die Startlinie. 55 Fahrer und Fahrerinnen hatten sich in den fünf Klassen angemeldet. In allen Klassen wurde fair, aber engagiert gekämpft. Die wenigen Stürze gingen samt und sonders glimpflich ab. In jeder Klasse gibt es zwei Läufe à 18 Minuten plus zwei, knapp zwei Kilometer lange Runden.

So sehr jeder Teilnehmer angefeuert wurde, Höhepunkte sind zweifellos die Läufe der "Königsklasse", aufgemotzte Quicklys, bei denen meistens nur noch Rahmen und Lenker vom Original stammen. Favoriten sind bei den meisten Motorenteile von Zündapp. Darauf greift auch Vorjahressieger Hartmut Traub zurück. Hinzu kommen Federgabel und Scheibenbremse eines Mountainbikes. "Das Beste, was ich machen konnte: Sie zieht besser und trotzdem dosierter", erklärte Traub nach dem ersten Lauf. Da schoss er förmlich auf die Kurven zu, während andere Fahrer viel früher an Schwung einbüßten oder mit blockiertem Hinterrad gerade noch den Bogen bekamen.

Der mehrfache Sieger Werner Kreis setzt auf Leistung. Alles mögliche, von Lachgas bis Alkohol, hat er schon in den Vergaser eingeleitet und auf elektronische Zündung umgerüstet. Auch dieses Jahr laufe seine Maschine mit der charakteristischen "Wänneee"-Aufschrift bestens. Nachteil: "Meine 100 Kilo. Das dauert einfach, bis ich wieder in Schwung bin", meinte er grinsend. Zum Sieg werde es wohl nicht reichen, "aber ich mach denen das Leben so schwer wie möglich". Beide mischten im ersten Lauf vorne mit. Traub wurde Vierter, Kreis Fünfter.

Mit mächtigem Dröhnen - alle verzichten zwecks besserem "Durchatmen" der Motoren auf Schalldämpfer - ging es in den entscheidenden Lauf. Gleich in der ersten Kurve kollidierte Traub mit einem Kontrahenten. Als Letzter machte er sich an die Verfolgung. "Alles geben", hatte er sich vorgenommen. Tatsächlich überholte er einen nach dem anderen und schob sich Runde für Runde nach vorne. Hatten sich im ersten Durchgang Stefan Mangold und Hans Rieger an der Spitze noch knallharte Positionskämpfe geliefert, machte Mangolds Maschine nun Zicken.

"Gewinnen wird der, dessen Maschine keine Mucken macht", hatte Kreis angekündigt. Er sollte Recht behalten. Ihm war im ersten Lauf der Gaszug gerissen, nun muckte Mangolds Gerät. Damit war Platz für Alex Harrer, um sich von Platz drei auf eins zu schieben - und Traub vollbrachte gar das Kunststück, nach dem Sturz noch auf Rang zwei zu fahren. Hans Rieger fiel von zwei auf drei zurück, während Kreis Vierter wurde. "Nicht schlecht für meine Gewichtsklasse", freute er sich diebisch.

Riesenfreude auch für Franz Karl aus dem Allgäu. Der 71-Jährige war das erste Mal dabei und wurde in der Originalklasse Dritter. Nach seiner gelungenen Premiere versprach er, seinen Platz nächstes Jahr zu verteidigen.




zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

Sie können noch Zeichen als Text schreiben
Für registrierte Nutzer
Bitte anmelden, um Ihren Kommentar abzuschicken
Für noch nicht registrierte Nutzer
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.








Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:


Autor: FRANZ GLOGGER | 06.09.2010

Google 1+

Türsteherpoltik in Crailsheim in der Kritik

Daheim Geburtstag zu feiern ist ganz schön, aber zum Schluss mit der ganzen Clique noch in die Diskothek zu gehen, hat auch was. Also machte das kürzlich auch die ältere Tochter des Crailsheimer Bürgermeisters Herbert Holl so.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte am Montagabend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Inferno in der Hechinger Altstadt

Hechingen Der größte Altstadtbrand der jüngeren Hechinger Geschichte tobte gestern Abend in der Markt- und Schlossstraße. Dramatische Rettungsszenen spielten sich ab. Neun Menschen wurden verletzt.... mehr

Hechinger Brandruinen qualmen noch

Am Tag nach dem Großbrand in der Hechinger Altstadt qualmt es immer noch aus den Brandruinen. Feuerwehrleute sind auch 20 Stunden nach Ausbruch des Feuers noch mit Löscharbeiten beschäftigt.... mehr

Haussklave erhängt sich bei Sex-Spiel in Neu-Ulmer Bordell

Neu-Ulm Ein 36-jähriger Hausbediensteter hat sich am Montag im Neu-Ulmer Bordell „Lili M.“ bei einem Sex-Experiment offenbar zu Tode stranguliert.... mehr

Ein Raub der Flammen

So einen Brand wie gestern am frühen Abend haben die Hechinger mitten in der Altstadt schon seit vielen, vielen Jahren nicht mehr gesehen. Der Altbaukomplex an der Ecke Marktstraße/Schlossstraße wurde ein Raub der Flammen. Von vier Drehleitern aus schützten die Feuerwehren die Nachbargebäude.... mehr