Fluchtgefahr: Kühlhaus-Chef im Gerichtsgebäude verhaftet
Memmingen/Neu-Ulm. Der frühere Chef des Illertisser Kühlhauses Kollmer ist in Haft. Der 46-Jährige wurde nach dem Prozess gegen ihn am Freitag verhaftet. Wegen Fluchtgefahr.
Damit hatten die Prozessbeobachter nicht gerechnet. Der ehemalige Geschäftsführer des Illertisser Kühlhauses Kollmer ist am Freitag auf Anweisung des Landgerichts Memmingen verhaftet worden. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das hat Staatsanwalt Andreas Rossa gestern auf Anfrage bestätigt. Grund für die Festnahme im Gerichtsgebäude ist demnach die Befürchtung, der 46-jährige Familienvater könne sich seiner Strafe durch eine Flucht entziehen. Der frühere Kühlhaus-Chef war am Freitag zu drei Jahren Haft wegen schweren Betrugs in insgesamt 15 Fällen verurteilt worden.
Das Gericht unter Vorsitz von Brigitte Grenzstein sah es als erwiesen an, dass der Fleischhändler mehr als 300 Tonnen ungenießbares Fleisch an Lebensmittelbetriebe im Ausland verkauft hat. Der Prozess vor der Großen Strafkammer dauerte vier Monate. Der Angeklagte befand sich während dieser Zeit stets auf freiem Fuß.
Näheres zu den Hintergründen der Verhaftung sagte Staatsanwalt Rossa gestern nicht. Der Verurteilte habe die Möglichkeit, Beschwerde gegen die Inhaftierung einzulegen. Über diese Beschwerde werde dann das Landgericht entscheiden.
Der Neu-Ulmer Strafverteidiger Ingo Hoffmann wollte in Sachen Haftbeschwerde gestern keine Angaben machen. Am vergangenen Freitag hatte er in seinem Plädoyer einen Freispruch für seinen Mandanten gefordert und das Urteil des Schöffengerichts kritisiert. Das Gericht habe die Beweislage nicht ausreichend gewürdigt, sein Mandant niemanden betrogen.
Mehr als 50 Zeugen aus dem In- und Ausland wurden in dem Verfahren gehört. Und in der Tat hatte es lange Zeit danach ausgesehen, als würde dem Gericht der Schuldnachweis nicht gelingen. Immer wieder war von Ermittlungspannen der Zollfahnder die Rede, von einseitigen Ermittlungsmethoden und offenen Fragen.
Ein gut 1000 Seiten starkes Gutachten, erstellt von Computer-Experten des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit aus Erlangen, brachte die Wende in dem komplizierten Wirtschaftsverfahren, das auch Staatsanwalt Rossa in seinem Zuständigkeitsbereich "so noch nicht erlebt hat".
Das Gutachten habe Unregelmäßigkeiten im Geschäftsablauf des Illertisser Kühlhauses offengelegt, hieß es in der Urteilsbegründung. Laut Gericht sind bei Kollmer demnach Daten systematisch manipuliert, Waren umdeklariert und in den Lebensmittelkreislauf geschleust worden. Der heute 46-Jährige habe aus Profitgier gehandelt, sich mit den illegalen Geschäftspraktiken eine dauerhafte Einnahmequelle sichern wollen. Überdies habe der Fleischhändler das Vertrauen von Kunden und Verbrauchern missbraucht und auf diese Weise der Lebensmittelbranche massiv geschadet.
Gegen das Urteil hat Strafverteidiger Hoffmann inzwischen Revision eingelegt. Mit dem Fall Kollmer wird sich also der Bundesgerichtshof in Karlsruhe befassen. Wann das der Fall sein wird, ist unklar. "Das kann Monate dauern", sagte Rechtsbeistand Hoffmann: "Noch liegt auch das Urteil des Landgerichts nicht schriftlich vor."
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Autor: CARSTEN MUTH | 16.03.2010
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Zu drei Jahren Haft ist der ehemalige Chef eines Kühlhaus-Unternehmens in Illertissen vom Landgericht Memmingen verurteilt worden.
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