Es war einmal ein illustrer schwäbischer Radfahrer...

Bermaringen.  Auf seinem Rad hat Hartmut Bögel aus Blaustein bisher rund 12.000 Kilometer von Kairo nach Kapstadt zurückgelegt. Pünktlich zum ersten WM-Spiel der deutschen Nationalelf möchte er in Durban sein. In loser Folge berichtet Hartmut Bögel über seine Erlebnisse von unterwegs.

25.Mai Albertinia

Es war einmal ein illustrer schwäbischer Radfahrer irgendwo im südlichsten Südafrika mit seinem nachtblauen Fahrrad und einem Bärenhunger unterwegs. Und wie er sich so abmühte mit all seinem schweren Gepäck am Radel und bergauf und bergab und schon wieder bergauf sich strampelte und schnaufte, da kam er zu seiner großen Freude zu einem "Farmstall"(Bauernhofladen und Gaststätte) und beschloss, es sei Zeit für eine ausgiebige Rast. Und was er da dann vorfand, ließ sein Herz höher schlagen und ihm das Wasser im Munde zusammenfließen.

Alles, was er sich in den letzten Stunden an Essbarem so erträumt hatte, fand er nun hier auf wundersame Weise vor: hausgemachte Kuchen und Muffins, getrocknete Früchte und Nüsse aller Art, frisches Obst, selbstgebackenes Brot, hofeigenen Käse und Milch, Cappuccino, mit Schokolade überzogene Früchte und und und... In seinem grenzenlosen gesunden Appetit wählte er von allem etwas aus und nahm zugleich noch eine anständige Portion von allem als Reiseproviant für später mit... (man weiß ja nie!).

Und nicht nur deshalb fand die Besitzerin des Farmstalls großen Gefallen an unserem schwäbischen Radfahrer; ja sie war nahezu beglückt, nun doch endlich einmal Besuch aus dem deutschen Schwabenland zu bekommen und erzählte ihm voller Inbrunst von Engeln, wie sie uns beschützen und begleiten und wie sehr sie daran glaube. Sie bat unseren staunenden Radfahrer, dass er doch bitte nie schneller radeln solle als sein Schutzengel fliegen könne (was nun wiederum mit dem Fahrrad und dem schweren Gepäck nahezu ein Ding der Unmöglichkeit ist). So gestärkt und mit guten Wünschen behaftet verstaute unser Schwabe seine ersteigerten Schätze in seinen Taschen und wollte gerade wieder losstrampeln, als er von einem älteren Ehepaar nach Ziel und Zweck seiner Radreise befragt wurde. Er erzählte in perfektem schwäbischen Englisch von seiner bisherigen Tour und das Pärchen war davon so angetan, dass sie ihn spontan zu sich in ihr Hotel in Knysna für eine Nacht einluden.

Das war schon mehr als perfekt, denn dieses Knysna nun liegt haargenau auf der Strecke und zwei Radtage vorneweg... Welch ein Segen. Freudestrahlend bedankte sich unser Radler bei den beiden. Um sein Glück mit jemandem zu teilen, eilte er zurück in den Farmstall und erzählte mit leuchtenden Augen der Besitzerin von alledem, was ihm gerade widerfahren war und dass doch die Engel wirklich ganze Arbeit geleistet hätten. Milde lächelnd erwiderte die Frau nur, als sei es das Selbstverständlichste überhaupt: "Ich habe es dir doch gesagt, dass dich die Engel begleiten werden!"

Und unser illustrer schwäbischer Radfahrer schwang sich auf seinen geliebten nachtblauen Drahtesel und strampelte abwechselnd vergnügt pfeifend und "Halleluja" jubilierend beschwingt wie selten weiter und winkte allen munter zu, die ihm begegneten...

Gestern nun durfte ich eine Nacht bei Yvonne (eine gute Bekannte von Jos, einem Mitradler) in ihrem prächtigen Holzhaus verbringen und wurde von ihr mit viel frischem Gemüse versorgt. Das Haus ist eine wahre Pracht; komplett aus massiven Rundholzbalken und mit einem Naturstrohdach; ein geniales Raumklima hat es da drin. Mir geht es doch echt so was von gut und heute habe ich doch tatsächlich noch Franz und Carolina auf dem Weg nach Mossel Bay auf der N2 Nationalstraße getroffen. Die beiden sind auch Tour d`Afrique-Radler und haben sich nun ein Auto gemietet, um die Küste zu erkundigen und wir haben beim Abschied in Kapstadt noch zum Spaß gesagt "Bis irgendwo unterwegs", aber kaum geglaubt, dass wir uns wirklich nochmal begegnen werden. Die Freude und das Erstaunen waren dann heute umso größer. Witzigerweise ertappe ich mich entlang der Strecke immer mal wieder dabei, wie ich mich umdrehe auf dem Fahrrad und Ausschau halte nach all den anderen Radler, so als könnten mal eben Ruben, Gisi, Jethro, Gerald, Jos, Gabrielle, Paul, Rainer, Katja, Eric, Simon... auftauchen, um mich ein Stückchen zu begleiten – nach dem Motto "Zusammen ist man weniger allein". Tja, vier Monate gemeinsame Zeit ist prägend und ich denke doch viel an die zusammen verbrachte Zeit und die geteilten Erlebnisse auf dem langen Weg durch Afrika.

So bin ich nun also heute bei Einbruch der Dämmerung in Albertinia eingetroffen, um dort feststellen zu dürfen, dass der Campingplatz geschlossen hat. Da ich nun doch nicht "wild" campen möchte, wenn es denn nicht unbedingt sein muss, habe ich mich entschlossen, mir ein B&B-Zimmer zu nehmen. Und gefunden habe ich eine wunderbare Dame, die mich für sagenhafte 10 Euro in einem schönen Zimmer nächtigen lässt und mich obendrein mit Obst und Tee und Abendessen (leckerem gebratenen Fisch und Salat) aufs Beste verköstigt. Was meint es das Leben doch gut mit mir – Danke!



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Autor: Hartmut Bögel | 28.05.2010

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