"Es ist gewaltig, was sich getan hat"

Dietenheim.  Stark bewegt haben die Wochen rund um die Wiedervereinigung im Jahr 1990 auch die Dietenheimer Lokalpolitiker. Der Gemeinderat und SPD-Ortsvereinsvorsitzende Josef Klemm blickt zurück.

"Das Jahr 1990 war für die Deutschen ein aufregendes und spannendes Jahr", bringt Josef Klemm seine Emotionen bezüglich den Vertragsverhandlungen zur Wiedervereinigung und den daraus resultierenden Tag der Deutschen Einheit auf den Punkt, um die markantesten geschichtlichen Einschnitte aus seiner Sicht anschließend doch noch einmal aufzuführen: "Moskau stimmt der Wiedervereinigung zu, die Deutsche Mark wird in der DDR eingeführt, Zwei-plus-Vier-Gespräche und dann gleich Deutsche Einheit: Mit der Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrags haben die Siegermächte aus dem Zweiten Weltkrieg, die UdSSR, die USA, Großbritannien und Frankreich, endgültig einen Schlussstrich unter die deutsche Nachkriegsgeschichte gezogen."

So ist es nicht verwunderlich, dass der SPD-Ortsvereinsvorsitzende den Tag der Deutschen Einheit als zentral betrachtet: "Dieser Tag wird vielen Deutschen - auch mir - bildhaft in Erinnerung bleiben. Diese fröhliche und friedliche Volksfeststimmung um den Reichstag und das Brandenburger Tor mit dem Feuerwerk und der klassischen Musik: Das wird unvergessen bleiben."

Klemm, der seit vielen Jahren im Dietenheimer Gemeinderat die Interessen der Bürger vertritt, verweist bei seinem Blick zurück ins Jahr 1990 auf die langjährigen Versuche und Bemühungen der Annäherung. "Die SPD mit Willy Brandt an der Spitze hat die Weichen frühzeitig gestellt mit dem Slogan ,Wandel durch Annäherung." Allerdings hätte sich Josef Klemm damals nicht vorstellen können, dass es so schnell zur Wiedervereinigung kommen würde. "Das hätte ich nie gedacht." Dass es schlussendlich überhaupt zur Deutschen Einheit gekommen sei, sei vor allem einem Mann zu verdanken: Michail Gorbatschow.

Trotz der großen Freude, die die Wiedervereinigung seinerzeit gebracht habe, gab es aber immer wieder auch Diskussionen innerhalb der SPD gegeben wegen der enormen Finanzierungskosten der Deutschen Einheit. "Es war und ist immer noch ein gehöriger finanzieller Kraftakt, der geleistet wird", betont Josef Klemm.

Diese finanziellen Mittel spiegelten sich aber auch im ehemaligen Ostdeutschland wider. Klemm war 1990, 2000 und auch nochmals danach in Berlin und in Ost-Deutschland. "Es ist gewaltig, was sich dort verändert hat - vor allem am äußeren Erscheinungsbild." So sei die Infrastruktur mit den Straßen und Bauten stark voran geschritten. Am meisten in Erinnerung aus dem Besuch 1990 ist Klemm dabei die schlechte Luft und der Smog rund um die Chemiewerke in Bitterfeld: "Da hat man förmlich riechen und sehen können, dass die Umwelt rücksichtslos geschädigt wurde." Bei seiner Fahrt im Jahr 2000 habe sich das schon deutlich verbessert.

In Berlin gebe es sogar immer noch zahlreiche Baustellen. Orte wie die Friedrichstraße oder der Potsdamer Platz seien kaum wieder zu erkennen. "In einem solchen Licht betrachtet ist Berlin auf jeden Fall eine würdige Hauptstadt."


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Autor: JOHANNES BRAUN | 06.09.2010

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