Entwickler wollen App für Urgeschichtliches Museum programmieren

Mammuts jagen und den Alltag in der Region vor 40.000 Jahren erleben, das könnte auf mobilen Endgeräten bald möglich sein. Das Entwickler-Studio Scorpius Forge will dafür das Spiel Indian Hunter abwandeln.

STEFAN BENTELE |

Geht es nach den Plänen von Roman Hoffmann, können bald Computerspieler auf der ganzen Welt den Steinzeit-Alltag vor 40.000 Jahren in der Region nachspielen - und sich dabei mit digitalen Nachbildungen der Artefakte auseinandersetzen, die im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren ausgestellt sind.

Als Grundlage für das Vorhaben dient Indian Hunter, ein von Hoffmanns Firma Scorpius Forge entwickeltes Spiel für Smartphones und Tablets. Darin steuert der Spieler einen jungen Indianer, der den Alltag im 18. Jahrhundert auf dem Nord-Amerikanischen Kontinent meistern muss. Der Spieler kann sich in dem Open-World-Spiel in einer Umwelt mit Tieren und Pflanzen frei bewegen und darin auf Jagd gehen, Kräuter Sammeln und die ihm gestellten Aufgaben nach belieben erledigen. Zielgruppe sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Mit der Engine - dem Grundgerüst eines Computerspiels - von Indian Hunter will die jüngst von Blaustein nach Ulm umgezogene Firma künftig Ableger entwickeln. Diesesmal aber sind Geschäftskunden die Zielgruppe für die verschiedenen Projektideen. Hoffmanns Lieblings-Idee ist die App für das Museum in Blaubeuren, mit dem es bereits ein Treffen gab. Angedacht ist, die Räume und die Ausstellungsstücke wie die Venus digital darzustellen. Ein Klick im virtuellen Ausstellungsraum auf die Artefakte, und der Nutzer taucht mit seiner Spielfigur in die Steinzeit und muss dort Aufgaben wie in Indian Hunter erledigen.

Dass es die Software lediglich für mobile Endgeräte gibt, gehört zur Geschäftsstrategie. Schon heute gebe es einen riesigen Markt für 2D-Spiele, aber kaum Firmen, die für mobile Endgeräte 3D-Spiele programmieren. "Hier sind wir als Pioniere vorangegangen", sagt Hoffmann, obwohl die Entwicklungskosten höher und die technischen Herausforderungen größer seien. Er ist sich sicher: Immer mehr Informationen wandern auf Smartphones und Tablets - und dort ließe sich das Wissen ganz anders darstellen. "Ich will Geschichte nicht nur als Textwüste vermitteln", sagt der Geschäftsführer. Der Spieler soll sich Wissen aneignen und dabei das Tempo selbst bestimmen.

Als Außenstehender muss man das nicht als Abgesang oder Angriff auf das klassische Buch verstehen. Schon gar nicht, da Hoffmann sich das Wissen für sein Spiel aus mehreren Werken über die amerikanischen Ureinwohner selbst angelesen hat. Er will dem Kulturgut Computerspiel mehr Tiefe verleihen.

Noch aber ist unklar, ob es je digitale Museumsbesucher in Blaubeuren geben wird. Georg Hiller, Museums-Vorstand, findet die Idee zwar interessant. Das Museum aber habe selbst kein Budget und müsste für so ein Projekt Investoren suchen, weil es um nicht wenig Geld gehe. Eine Entscheidung der Leitung steht noch aus. "Die Realisierung eines solchen Projekts ist ein langer, steiniger Weg", sagt Hiller.

Hoffmann schätzt seine Chancen nicht allzu schlecht. "Ich glaube, dass sie die Software schon ganz gerne hätten", sagt Hoffmann. Und was, wenn doch nichts aus dem Geschäft wird? Es gebe ja noch andere Museen. "Irgendein Mutiger wird kommen." Der sei dann halt der erste und profitiere dann als Pionier auf dem Markt.

Mit Blick auf Blaubeuren spricht Hoffmann allerdings nicht mehr von einem Spiel. "Das ist erstmal eine dreidimensionale Erlebniswelt." Mit seiner Steinzeit-App will er jung wie alt ansprechen und nebenbei historisches und archäologisches Wissen vermitteln. Um eine authentische Umwelt zu erschaffen, sollen später sogar Wissenschaftler der Uni Tübingen an der Software mitarbeiten.

Grafiker und Programmierer

Team Insgesamt arbeiten derzeit 13 Entwickler an Indian Hunter und den weiteren Projekten von Scorpius Forge. Außer für das Urgeschichtliche Museum Blaubeuren gibt es noch Ideen für ein Spiel, in dem die Hauptfigur mehrere Zeitreisen durch Ulm und die Alb-Donau-Region unternimmt und dabei etwa dem Schneider von Ulm begegnet oder am Bau des Ulmer Münsters mitwirkt.

 

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