Durchbruch zur Blauhöhle

Berghülen.  "Darauf haben wir fünf Jahre hingearbeitet", sagt Jens Freigang, Sprecher der "Arge Blaukarst". Den Forschern ist in der Hessenhauhöhle der Durchbruch zum wasserführenden Blauhöhlensystem gelungen.

Mit Erreichen der 127-Meter-Marke war die Hessenhauhöhle bei Berghülen am 12. März zur tiefsten Höhle der Schwäbischen Alb geworden. Jetzt konnten die Forscher der "Arge Blaukarst" ganz unten mit einem Bohrhammer eine Spalte öffnen und kamen weiter: Auf 200 Meter Länge zwängten sich Jürgen Bohnert, Jens Freigang, Helmut Stopka-Ebeler und Roland Konopac weiter durch den Berg, bis sie schließlich in einen breiten Höhlengang gelangten, den sie "Rauschtunnel" nannten. In der Ferne vernahmen die Männer ein kräftiges Rauschen und folgten dem Gang weitere 50 Meter. In einem zehn Meter breiten und 15 Meter hohen Tunnelgang stießen sie auf einen reißenden Höhlenfluss mit zwei riesigen Seen. Die Freude war groß. "Wir haben das Lachen nicht mehr aus dem Gesicht gekriegt", berichtet Jens Freigang.

In den vergangenen Jahren hatten Forscher an verschiedenen Stellen versucht, ohne Tauchgänge trockenen Fußes über natürliche Schächte in die hinteren Abschnitte des Blauhöhlensystems zu gelangen: der Höhlenverein Blaubeuren im Steebschacht bei Wennenden, die "Arge Blaukarst" in der Seligengrundhöhle bei Seißen und in der Hessenhauhöhle. Nur dort kamen die Forscher bis zum Karstwasserniveau. Jens Freigang hat keinen Zweifel, dass der jetzt entdeckte wasserführende Gang, dem die Forscher den Namen "Nordblau" gaben, ein Ast des Blauhöhlensystems ist. Das Wasser, geschätzt wird eine Schüttung von 300 bis 500 Liter, fließt nach Meinung der Experten zum Blautopf. Das Geologische Landesamt kippte vor Jahren bei einem Färbversuch Flüssigkeit bei Hohenstadt in eine Spalte. Sie kam am Blautopf wieder zum Vorschein. Auf der direkten Linie zwischen Hohenstadt und Blaubeuren liegt die Hessenhauhöhle. Die vier Höhlenforscher stellten bei ihrer Expedition einen unangenehmen Kläranlagengeruch des Wassers fest. Das lässt vermuten, dass der Höhlenfluss mit unterirdischen Zuflüssen aus dem Stadtgebiet von Laichingen in Verbindung steht.

Andreas Kücha, stellvertretender Projektleiter der "Arge Blautopf" - das ist jene Gruppe, die früher tauchend und seit einem Jahr auch über einen gebohrten Schacht die hinteren Abschnitte der Blautopfhöhle erforscht - kann sich gut vorstellen, dass der neu entdeckte Gang der Hessenhauhöhle in bekannte Räume führt, vielleicht in den unter Wasser liegenden "Speleonautengang", die "Halle des verlorenen Flusses" oder den wasserführenden "Blaucanyon". Dazwischen liegen mehrere hundert Meter.

Jens Freigang und seine Kameraden wollen am kommenden Wochenende weiter dem Höhlenbach folgen und die Strecken sogleich vermessen. Ein Team könne in der Höhle pro Tag etwa 250 Meter vermessen. "Aber nur, wenn es die Höhle zulässt", schränkt Freigang ein. Denn es sei keineswegs sicher, dass der Gang geradewegs weitergeht. Aus Erfahrung wissen die Forscher, dass die Albhöhlen immer für Überraschungen gut sind.


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Kommentare (1)

02.04.2011 04:37 Uhr |   Bohnert44

Hartnäckigkeit führt zum Ziel

Herzlichen Glückwunsch zu dieser großartigen Entdeckung.
Viel Erfolg bei den weiteren Forschungen.

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Autor: THOMAS SPANHEL JOACHIM STRIEBEL | 31.03.2011

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