Durchbruch zum Mörikedom
Blaubeuren. Seit gestern um 16.13 Uhr gibt es einen trockenen Weg zum Mörikedom. Ein Großbohrgerät schaffte nach dreistündiger Arbeit den Durchbruch. Forscher Andreas Kücha seilte sich ab und kam begeistert zurück.
"Es ist phantastisch", sagte Andreas Kücha von der "Arge Blautopf", der am Montag am späten Nachmittag plötzlich in einem Raum stand, in den er bisher nur über den Blautopf und eine 1250 Meter lange Tauchstrecke gelangen konnte. Die Bohrung traf genau jene Stelle, die per Peilung ermittelt worden war. Die Höhlendecke in dem zum Mörikedom führenden Gang "Stairway to heaven" war durch den 120 Zentimeter starken Bohrkopf nicht eingebrochen, wie Andreas Kücha berichtete, der am Seil unten war.
Seit der Mittagszeit arbeitete an der Bundesstraße 28 oberhalb von Blaubeuren ein 100 Tonnen schweres Großbohrgerät. "Wir brauchen einen Gegendruck. Mit einem leichten Gerät wäre das nicht machbar", sagte der Diplom-Geologe Ulrich Hundhausen, dessen Büro im Auftrag der Stadt Blaubeuren die Arbeiten leitet.
Schneller als erwartet hatte Maschinist Alberto Fernandes aus Gerhausen mit seinem Gerät den an dieser Stelle 17,30 Meter mächtigen Fels durchstoßen. Als nächstes wird per Autokran ein Stahlrohr von 102 Zentimetern Außendurchmesser eingelassen und mit Beton fixiert. Dann können Gutachter und Forscher über eine eingebaute Leiter hinabklettern in die dunklen Räume.
"Das ist für uns ein großes Ereignis", sagt Andreas Kücha. Er entdeckte im Februar 2008 vom Mörikedom aus den 270 Meter langen Gang, der zur jetzigen Bohrungsstelle führt. In der dortigen Dunkelheit hatten er, Michael Kühn und Jochen Malmann die Motorgeräusche der auf der Bundesstraße 28 fahrenden Lastwagen gehört.
Gestern standen Kücha und einige seiner Taucher-Kollegen oben neben dem großen Bohrgerät und verfolgten, wie das Loch immer tiefer wurde. Jubel brach aus, als der Durchbruch geschafft war. Der 70.000 Euro teure Forschungszugang soll Gutachtern eine Untersuchung ermöglichen. Die Stadt Blaubeuren will wissen, ob sich dieser Abschnitt des Blauhöhlensystems als Schauhöhle eignet. Für die Forschung in dem kilometerlangen Höhlensystem bietet der Schacht ganz neue Möglichkeiten. Wer hinein darf, wird restriktiv gehandhabt. Der Schacht wird gut verriegelt. "Und auf dem Schlüssel schlafe ich", sagte Bürgermeister Jörg Seibold.
Er würdigt die Leistung der im Blauhöhlengebiet forschenden Gruppen: "Ohne die forscherische Arbeit hätte die Stadt nicht die Möglichkeit, sich das spannende Projekt einer Schauhöhle zu überlegen.
Für die ebenfalls zum Blauhöhlensystem gehörende, vorwiegend trockene Vetterhöhle gibt es bereits ein Gutachten des Büros Hundhausen. Dieses besagt, dass einige Abschnitte, darunter der Höhlensee "Wolkenschloss" für einen Ausbau geeignet wären, es müsste aber als Besucherzugang ein Tunnel gebohrt werden.
Der gestern gebohrte Schacht zum Mörikedom kann übrigens nicht zum Besuchereingang ausgebaut werden: Er liegt nur eine Handbreit neben der Bundesstraße 28.
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Autor: JOACHIM STRIEBEL | 13.04.2010
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Nur drei Stunden lang bohrte die 100 Tonnen schwere Maschine neben der halbseitig gesperrten Bundesstraße 28. Dann war der 17,30 Meter tiefe Schacht zum Gang "Stairway to heaven", der zum Mörikedom führt, geschafft. Foto: Matthias Kessler
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