79 Prozent haben eigenen PC
Dietenheim. 100 Besucher informierten sich bei Markus Greski, Multi-Mediabeauftragter der Ulmer Polizei, über die für Kinder gefährliche digitale Welt von "Online-Community", "Second Life", "Avatare" und "Facebook".
Sichtlich überrascht zeigten sich Sofia Wieser, die im Auftrag von Kreisjugendpfleger Thomas Laengerer in der Aula der Werkrealschule Dietenheim rund 100 Besucher begrüßen durfte. Ebenso erstaunt war auch Markus Greski, der Multi-Mediabeauftragte der Polizei in Ulm. Er war im Rahmen des kreisweiten Medienprojekts "Komm spiel mit mir" gleichermaßen von Schule und Volkshochschule (VH) eingeladen worden, über die "Digitale Welt als Chance und Gefahr" zu referieren.
Tagsüber hatte Greski dieses Thema bereits mit Schülern der fünften und sechsten Klasse erörtert. Dass sich die Werkrealschule mit der VH in besonderem Maße bei der Einladung zu dem Vortrag engagiert hat, verdeutlichten Rektor Franz Högenauer und Konrektorin Gabriele Zick im Gespräch mit dem ILLERTAL BOTE: "Wir haben im gesamten Gemeindeverwaltungsverband und sogar mit Rückantwortkarten dafür geworben, dass möglichst viele Eltern das Angebot wahrnehmen."
Eingestiegen war Markus Greski in seine Powerpoint-Präsentation mit einem beeindruckenden Film, der im Auftrag des Alb-Donau-Kreises im Zuge des medienpädagogischen Gesamtprojekts zum Thema Mobbing von Schülern der sechsten Klasse der Dietenheimer Schule per Handy gedreht wurde. Wie Greski erklärte, verstehe er sich nicht zuletzt deshalb als Experte der digitalen Welt, weil er als Vater einer 22jährigen Tochter und eines 18jährigen Sohnes laufend Erfahrungen sammle. Aus diesen Erkenntnissen heraus stellte der Präventionsbeamte eine Forderung in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: "Sie müssen wissen, wo sich ihr Kind aufhält."
Viele Eltern wollen wissen, wo sich ihre Kinder aufhalten und in welchem Freundeskreis sie verkehren. Es sei ihnen aber gleichgültig, in welchen Bereichen der digitalen Welt, sich ihre Kinder und Jugendlichen bewegen. Greskis Tipp: "Ein Computer soll in einem zentralen Raum stehen, in den alle Zugang habe - und: Kinder im Grundschulalter brauchen weder einen eigenen Computer noch einen Internetzugang." Wichtig sei es, die neue Medienwelt gemeinsam mit den Kindern zu entdecken und auch von ihnen zu lernen: "Mit Chatverboten ("Team-Ulm" oder "Facebook") erreichen Sie gar nichts; die Kinder chatten heimlich und haben dann Angst, wenn sie in Gefahr kommen, mit Ihnen darüber zu reden."
Wie Greski beobachte, werde er bei Besuchen in den Klassen sehr oft und sofort auf seine Pistole angesprochen Erstaunlich zu beobachten sei, dass viele über Typ, Geschosskraft und Kaliber bestens informiert sind und sogar darum bitten, gemeinsame Schießübungen mit ihm machen zu dürfen. Dies sei kein Wunder, da statistisch belegt sei, dass 41 Prozent der Jungs und fünf Prozent der Mädchen ihre helle Freude an so genannten "Ballerspielen" haben. Kopfschütteln erzeugten bei einer Vielzahl von Zuhörern die von dem Beamten vorgelegten Statistiken. Danach haben 79 Prozent der 12- bis 19-Jährigen einen eigenen PC, 52 Prozent einen persönlichen Internetzugang und 70 Prozent nutzen Online-Communities (Netzgemeinschaften). In einem Haushalt sind nach einer Studie vier Handys in Benutzung. Immer mehr gelten Handys als Statussymbol. "Da müssen es schon 300 000 Apps sein, auch wenn davon nur eine kleine Menge nutzbar sind", so Greski.
Wie der Beamte aufzeigte, denken Kinder und Jugendliche in diesem Alten nur selten an die Gefahren die im Internet lauern. Lediglich sieben Prozent der weiblichen und nur drei Prozent der männlichen Jugendlichen sei der Verlust der Privatsphäre bewusst. Greski wies auf die Gefahren der Webcams in Laptops oder den Webkameras an Computern hin. Er riet diese abzudecken, weil es Hacker immer wieder gelinge, solche Kameras einzuschalten. Ohne dass dieser Vorgang bemerkt werde, gelangen Bilder so ins Internet.
Nach breiten Ausführungen über gesetzliche Bestimmungen in Deutschland sowie Kontrollmöglichkeiten des Internets, über Persönlichkeitsrechte und dem Hinweis, illegale Webinhalte bei der Polizei anzuzeigen, waren kurzweilige zwei Stunden vergangen.
Kurzweilig auch wegen den üblichen Handyabkürzungen. Nur wenige wussten, dass "ads" nicht nur "Aufmerksamkeitsdefizit", sondern in der Handysprache "Alles Deine Schuld" bedeutet. "COLA" steht im Handy-ABC nicht für ein Erfrischungsgetränk, sondern für "Come later" (ich komme später) und wer "FANTA" schreibt, will keine Orangeade, sondern teilt mit, dass er noch Sprit benötigt (fahre noch tanken). So gesehen machten sich viele Besucher froh gestimmt, teilweise aber auch nachdenklich auf den Heimweg.
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Autor: DIETER GRÄTER | 21.01.2012
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Markus Greski informierte über die Gefahren der digitalen Welt. Foto: Gräter
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