Dellmensinger Räte wollen eigenständige Hauptschule nicht aufgeben

Dellmensingen.  Qualität soll sich durchsetzen. Darauf will der Dellmensinger Ortschaftsrat bauen und die örtliche Hauptschule keiner Werkrealschule angliedern. So lautet die Empfehlung an den Gemeinderat.

Großer Andrang bei der Sitzung des Dellmensinger Ortschaftsrats am Mittwoch. Etwa 40 Eltern, dazu Vertreter des Gemeinderats, wollten dabei sein, wenn der Ortschaftsrat über die Zukunft der örtlichen Hauptschule entscheidet: Soll Dellmensingen Außenstelle einer Werkrealschule (WRS) Erbach werden oder einzügige Hauptschule bleiben? (die SÜDWEST PRESSE berichtete).

Ortsvorsteher Klaus Hägele hatte im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung keinen Beschlussvorschlag vorbereitet. Den Wortmeldungen nach war bald klar: Dellmensingen soll eine Hauptschule bleiben. Das meist genannte Argument war, dass den Schülern dadurch kein Nachteil entsteht, da bis zur 9. Klasse "das Gleiche geboten wird wie an einer WRS neuen Typs", so Reinhard Härle.

Helmut Braun traute zudem dem vom Kultusministerium vorgelegten Tempo nicht. Grundsätzlich sei die Idee, Hauptschüler stärker auf die Berufsfindung auszurichten, richtig, sagte der Rat. Ob die jetzt im Schnellverfahren kreierte WRS das aber leisten kann, bezweifle er. "Für mich ist das ein Prototyp, der sich noch kräftig verändern wird", sagte Braun. Zumindest ein Jahr "zu überbrücken" sei also kein Fehler.

Weitere Argumente pro Hauptschule: Schüler könnten zu jeder Zeit an eine WRS wechseln - und die Befürchtung, das derzeitige musische Konzept der Schule könnte verloren gehen, so Dietmar Koch. Etwas widersprüchlich dabei seine spätere Forderung, "endlich ein vernünftiges Konzept" zu entwickeln. Unterm Strich waren sich die Ortschaftsräte einig, dass Dellmensingen eine so hohe Qualität biete, dass sie "am Markt" bestehen werde, sprich, die eigenen Schüler am Ort bleiben und auswärtige gewonnen werden. Das ist auch zwingend notwendig, denn Dellmensingen erwartet für das Schuljahr 2010/11 sieben eigene Fünftklässler. Elf sind es in Donaustetten/Gögglingen.

Die Ulmer Ortsteile waren bislang dem Schulbezirk von Dellmensingen zugeteilt. Dieser fällt aber zum Schuljahreswechsel. Damit ist offen, ob die Ulmer nach Dellmensingen gehen oder nach Einsingen, der nächsten städtischen WRS. Auch Erbach ist möglich, denn bisherige WRS mit mehr als 16 Schülern pro Jahrgang genießen Bestandschutz und werden WRS neuen Typs, informierte Rektor und geschäftsführender Erbacher Schulleiter Karl Nusser auf Anfrage.

Ausreichend Schüler zu haben ist auch wichtig, um Jahrgangsklassen zu führen. Ansonsten werden so genannte Kombiklassen eingerichtet mit jeweils zwei Jahrgängen. Und nicht zuletzt: Die neu eingeführten drei Wahlpflichtfächer - Voraussetzung für die zehnte Klasse - können laut Angaben des Schulamts nur bei mindestens zwölf Schülern angeboten werden. Dessen ist sich der Ortschaftsrat auch bewusst und baut dabei auf eine Kooperation. Als Partner wurden Oberdischingen und Erbach genannt.

Dass solche Rechnungen nicht aufgehen, glauben Andreas Schilling und Edith Hauser, die als Stadträte in der Sitzung Rederecht hatten. Die meisten Eltern würden ihre Kinder gleich in einer WRS anmelden, was ihnen Fahrten zu Wahlpflichtfächern und einen späteren Schulwechsel erspare. Und Hauser wusste zu berichten, dass Dellmensinger Eltern bereits ihr Kind an einer Laupheimer WRS angemeldet hätten.

Die Entscheidung, Hauptschule bleiben zu wollen, fiel einstimmig. Er soll zunächst für ein Jahr gelten. Das letzte Wort hat am 29. März der Gemeinderat.


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Autor: FRANZ GLOGGER | 19.03.2010

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