Daumen hoch für Trabis

Lonsee.  Das Trabantteam Ulm um Bernd Godau veranstaltet am Wochenende ein Trabi-Treffen bei Lonsee. 50 Oldtimer werden erwartet.

"Wessis lieben VW, wir Ossis Trabant." Bernd Godau aus Ettlenschieß, Mitglied im Ulmer Trabantteam mit derzeit rund 20 Mitgliedern, will mit seinem Oldtimer aus dem Jahr 78 auch zeigen, dass er stolz ist, ein Ossi zu sein.

"Bis auf einen kommen alle unsere Mitglieder aus der früheren DDR", sagt er. Viele davon werden am Wochenende auf dem Salachberg bei Lonsee erwartet, wenn das Trabantteam ein Treffen veranstaltet. Im vergangenen Jahr hatten sich über 50 Teilnehmer angemeldet - nicht gerechnet die Tagesbesucher.

Godau fährt derzeit einen Trabant-Kübel, sprich eine Version, die früher auch militärisch genutzt wurde. Damit fällt er auf. "Da heben selbst Porschefahrer an der Ampel anerkennend den Daumen", erzählt er. "Porsche siehst du ja an jeder Ecke." Diese Einstellung, der Stolz auf den Trabant, ist bei ihm aber erst gewachsen. Als er 1990 nach Geislingen ging, gab er seinen nagelneuen Trabant her und kaufte sich "einen alten Wessi-Wagen". Doch schon bald entdeckte er seine alte Liebe wieder, kaufte wieder einen Trabi. Den fährt er jetzt in den Sommermonaten - im Winter bleibt der Wagen in der Garage.

Dank des Internets ist es auch heute kein Problem, einen Trabi zu erstehen, dessen Produktion 1991 eingestellt wurde (siehe Info-Kasten). Ab 100 Euro gibt es Modelle, die sich noch als Ersatzteilelager eignen und ausgeschlachtet werden können. Auch wenn es für den Trabant heute immer noch nagelneue Ersatzteile gibt, wie Godau weiß. Fahrtaugliche Modelle gibt es ab 1000 Euro, für besonders seltene und tadellose Exemplare muss ein Interessent bis zu 7000 Euro hinblättern.

Wer in einen Original-Trabant steigt, weiß, dass er keinen Porsche unterm Hintern hat. Maximal 120 Stundenkilometer fährt der Wagen. Findige Tüftler - und das muss ein Trabi-Besitzer sein, oder zumindest muss er einen Bastler kennen - fanden heraus, dass Motor und technische Anlagen eines Polo in einen Trabant passen. Seitdem gibt es auch Trabis, die bis zu 160 Stundenkilometern schnell fahren. "Bis 90 Sachen ist der Wagen sehr sparsam", weiß der 45-Jährige. Wer das Gaspedal aber nur durchdrückt, muss damit rechnen, dass der Wagen knappe zehn Liter Sprit pro 100 Kilometer schluckt.

Für den Trabant wurde übrigens ein Wohnwagen entwickelt, der nur 390 Kilogramm wiegt. Einige Besucher des Treffens werden so einen Quek-Junior dabeihaben. Schließlich bietet der mit einer Liegefläche von 185 auf 200 Zentimeter ausreichend Platz zum Übernachten.


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Autor: PETER SCHUMANN | 30.07.2010

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