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Centrotherm schafft Sanierung: Gläubiger werden Aktionäre

Das neue Schutzschirmverfahren zur Sanierung von Unternehmen hat sich im Falle Centrotherm bewährt. Die Forderungen der Gläubiger werden in Aktien umgewandelt. Außerdem kommt ein Kapitalschnitt.

Autor: FRANK KÖNIG |
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Der börsennotierte Hersteller von Maschinen zur Produktion von Solarmodulen Centrotherm Photovoltaics AG (Blaubeuren) dürfte eines der ersten Unternehmen sein, das im Rahmen des neuen Schutzschirmverfahrens saniert wurde. Gläubiger und Aktionäre haben am Dienstag in Ulm einem Insolvenzplan zugestimmt, der Centrotherm entschuldet und wieder eigenständig agieren lässt.

Die Gläubiger verzichten in dem Plan, der maßgeblich vom Mannheimer Insolvenzexperten Tobias Hoefer ausgearbeitet wurde, auf 70 Prozent ihrer Forderungen. Sie werden in eine Verwaltungsgesellschaft eingebracht, die 80 Prozent der Centrotherm-Aktien kauft und möglichst bis Ende 2015 verwerten soll. Der Erlös steht zur Befriedigung der Gläubiger zur Verfügung, die außerdem 30 Prozent ihrer Forderungen stunden. Annahmequote: 95 Prozent.

Die Aktionäre wiederum tragen mit einem Kapitalschnitt im Verhältnis 5:1 zur Sanierung des Maschinenbauers bei. Das heißt, aus fünf Aktien wird ein Anteilsschein. Die Altaktionäre halten dann noch die restlichen 20 Prozent des Kapitals. Dabei war auf einen ausreichenden Anteil von Streubesitz zu achten, um die Börsennotierung zu halten.

Die gelungene Rettung nach dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) bildet auch die Grundlage dafür, dass Centrotherm vorhandene Großaufträge in Algerien und Katar ausführen kann. Der Vorstand hofft nach einem weiter schwachen Jahr 2013 mit 148 Mio. Umsatz und 24 Mio. Verlust auf eine danach wieder anziehende Solarkonjunktur. Der zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger erstellte Geschäftsplan sieht für 2014 bereits wieder 372 Mio. Umsatz und 22 Mio. Gewinn vor. 2015 soll der Umsatz 462 Mio. betragen, bei steigender Marge.

Die Firma war 2011 von der Solarkrise erfasst worden und machte bei einem Umsatz von fast 700 Mio. bereits 20 Mio. Verlust. Im Jahr zuvor hatte die operative Umsatzrendite noch 12 Prozent betragen. In einer ersten Reaktion wurden etwa 400 Arbeitsplätze abgebaut. Inzwischen beschäftigt Centrotherm noch 1000 Mitarbeiter, in der Spitze waren es fast 2000 Beschäftigte.

Die Sanierung war auch möglich, weil Centrotherm seit dem Börsengang 2007 stets über eine hohe Liquidität verfügte. Selbst nach dem Antrag waren es 90 Mio. , derzeit sind es 15 Mio. über Plan. „Das ist der Fall, für den das Gesetz geschrieben wurde“, sagte Hoefer. Nach der Versammlung gestern zeigte er sich erleichtert. Der Insolvenzplan biete nur Vorteile: Weder Gläubiger noch Aktionäre würden schlechter gestellt als bei einer Zerschlagung.

Als vom Amtsgericht Ulm bestellter Sachwalter überwachte der Ulmer Anwalt Martin Hörmann die Sanierung. Er nannte den Interessenausgleich beispielhaft. Es sei nach dem Antrag auf das Schutzschirmverfahren im Juli 2012 in wenigen Monaten gelungen, einen international tätigen Konzern fit für die Zukunft zu machen. Bei diesem Prozess hat sich Centrotherm von einer Reihe von Tochtergesellschaften getrennt und will sich auf die Themen Solarzelle und Halbleiter als zweites Standbein konzentrieren. Die Vorstandsmitglieder Dirk Stenkamp, Peter Fath und Thomas Riegler scheiden mit Annahme des Insolvenzplans aus. Zuvor war Robert Hartung als Mitglied der Gründerfamilie in den Aufsichtsrat gewechselt.

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