Buckelrinder als Landschaftspfleger: Zebus beweiden Rasenflächen bei Berghülen

Buckelrinder, genauer Zwergzebus, haben sich in der Landschaftspflege bewährt. In Berghülen pflegt derzeit eine Zebufamilie Magerrasenflächen in einem Pilotprojekt. Bisher funktioniert das Konzept.

SABINE GRASER-KÜHNLE |

Sie wirken exotisch und passen eigentlich so gar nicht in die raue Alblandschaft: Zebus, eine Rinderrasse aus der Familie der Buckelrinder. Und doch kann man sie auf der Alb in Seißen, Blaubeuren und Markbronn immer wieder sehen. Jüngst grast sich eine Zebufamilie, Mutterkuh, Vater Stier und Jungbulle, durch Magerrasen, Schlehenhecken und Disteln im "Treffensbucher Steinwoll", unweit des alten Sportplatzes von Berghülen. Die Tiere gehören dem Seißener Jürgen Hoffmann, der sie Berghülen für die Landschaftspflege quasi ausleiht. Denn die Gemeinden sind für die Pflege ihrer eigenen Flächen verpflichtend verantwortlich, erklärt Bernhard Stich, der Naturschutzbeauftragte im Landratsamt Alb-Donau. Er hat diese natürlichste Form der Landschaftspflege angeleiert. "In Baden-Württemberg gibt es schon viel Erfahrung bei der Beweidung von Ödflächen in schwierigen Hanglagen durch Ziegen, Pferden oder Zebus", weiß er. Für die knapp einen Hektar große Ödfläche in Berghülen sind die Zebus ideal. Denn das gemeindeeigene Areal ist geprägt von zahllosen steilen Hügeln, an denen Magerwiesen und Büsche sowie Hecken, auch die wuchernde dornige Schlehe, wachsen.

25 Jahre lang haben Mitglieder des BUND in regelmäßigen Abständen die Fläche für die Gemeinde mühevoll gepflegt. Dazu mussten teilweise Traktoren und Balkenmäher eingesetzt werden, erinnert sich Konrad Schwarzenbolz vom BUND. Nun übernehmen dies die Zebus. Diese kleinwüchsige asiatische Rasse der afrikanischen Buckelrinder ist besonders hangsicher, sie sind robust und widerstandsfähig gegen zahlreiche verbreitete Rinderkrankheiten und - und auch mit kargem Futter äußerst zufrieden. Besondere Leckerbissen für sie sind außerdem Disteln und Weißdorn. Dies haben Studien der Unis Freiburg und Hohenheim ergeben. Weshalb also nicht auch den auf der Alb weit verbreiteten Schwarzdorn, nämlich die Schlehe, die alles schneller zuwuchert, als Landschaftspflegern lieb ist?

Tatsächlich lieben die Zebus die Schlehe und haben sich auf der Fläche bei Berghülen schon fleißig durch ihr dorniges Gestrüpp gefuttert, hat Jürgen Hoffmann feststellen können. Er kontrolliert regelmäßig, wie es den Tieren, dem tiefschwarzen Stier, der haselnussbraunen Kuh und dem schwarzen Jungrind, geht. Erst jüngst sind die drei ausgerückt. "Kann sein, sie wurden von außerhalb des Zauns mit Gras angelockt, dann zieht es sie raus, weil sie dort gutes Futter vermuten", sagt Hoffmann. Er muss lachen, wenn er sich an den kurzen Freiheitstrip seiner Schützlinge erinnert: "Sie saßen unweit von ihrer Weide friedlich im Gras, als hätten sie nur auf mich gewartet." Flugs waren die drei wieder in der ihnen zugewiesenen Heimat. Tatsächlich wirken die drei Zebus außergewöhnlich zahm. Ruhig blicken sie einem aus ihren großen Augen entgegen, kommen auf Zuruf auch mal näher.

Stich, Schwarzenbolz und Hoffmann sind zuversichtlich, dass die Beweidung mit den Zebus die richtige Form der Landschaftspflege ist. Dennoch läuft sie als Pilotprojekt im Landratsamt und alles wird entsprechend dokumentiert und ausgewertet. Konrad Schwarzenbolz wurde von Bernhard Stich mit der Betreuung dieses Pilotprojekts beauftragt. Was er mit großer Sorgfalt macht. Fast täglich ist er draußen bei den Zebus, fotografiert die Tiere und wie sich die Ödfläche bei dieser Beweidung verändert. Eine Gefahr ist nämlich die Überweidung. Das würde das Aus für die auf Kalkmagerrasen gedeihende typische Pflanzen- und Nutzinsektenvielfalt bedeuten. "Zu wenig tun ist nichts", sagt Stich, "dabei vermoost und verbuscht das Gelände, aber zu viel Beweidung birgt die Gefahr, dass sich Trittpfade und Kothäufung bilden, und dann wächst dort nichts mehr." Bis jetzt ist alles im Lot, Zebus, Landschaft und Menschen sind zufrieden. Wenn in etwa sechs Wochen das Areal abgeweidet ist, dürfen die drei Exoten die Weide wechseln. Nur unweit der jetzigen Stelle verfügt Berghülen über eine weitere Fläche Ödland. "Wir sind froh über diese Form der Landschaftspflege, die uns nichts kostet und sind sehr zuversichtlich, dass alles gut geht", erklärt Verwaltungsangestellter Joachim Tomann. Bernhard Stich ist außerdem auf der Suche nach solch isolierten, nicht zusammenhängenden, Flächen. Denn die drei Zebus brauchen etwa acht Wochen, um einen Hektar Land abzuweiden. Dann muss sich die Landschaft wieder erholen. Der Wechsel von Weide zu Weide ist für die drei Zebus von Hoffmann kein Problem. "Das sind sie gewohnt", meint er. Bernhard Stich wünscht sich sowieso in Zukunft in der Landschaftspflege solcher unzusammenhängender isolierter und öder Hangflächen eine Kombination aus einer Beweidung durch Zebus und Pferde: "Was die einen stehen lassen, fressen die anderen."

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