Breite Zustimmung zum Rettungskonzept von Centrotherm
Der Maschinenbauer Centrotherm kann die Krise mit Hilfe seiner Gläubiger bewältigen. Der Sanierungsplan, wonach Gläubiger zu Aktionären werden, ist mit großer Mehrheit angenommen worden.
Autor: THOMAS STEIBADLER |"Mit großer Mehrheit" haben Gläubiger und Aktionäre der Centrotherm AG dem Insolvenzplan zugestimmt. Das teilte das Blaubeurer Unternehmen gestern im Anschluss an den Erörterungs- und Abstimmungstermin im Haus der Begegnung in Ulm mit. Damit habe der Maschinenbauer mit noch etwa 1000 Beschäftigten die "die entscheidende Hürde für die Sanierung und Rekapitalisierung" genommen. Sobald der Insolvenzplan vom Amtsgericht Ulm bestätigt und weitere formale Bedingungen erfüllt seien, könne das Insolvenzverfahren aufgehoben werden.
Dieses Verfahren nach dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (Esug/ siehe Infokasten) hat am 12. Juli 2012 begonnen. An diesem Tag nahm Tobias Hofer, Fachanwalt für Insolvenzrecht, die Arbeit bei Centrotherm auf. Der 45-Jährige ist im Vorstand zuständig für den Insolvenzplan und die Sanierung in Eigenverwaltung. Gestern erläuterte er den etwa 100 Gläubigern und Aktionären im Haus der Begegnung, wie Centrotherm die Verlustzone verlassen und wieder profitabel werden kann. Hoefer zufolge bleiben für die Aktionäre Millionenwerte, die Börsennotierung und Wertsteigerungspotentiale ihrer Anteile erhalten. Die Gläubiger hätten gute Chancen, dass alle ihre Forderungen erfüllt würden. Auch könnten alle Arbeitsplätze erhalten werden.
Der Sanierungsplan sieht (wie berichtet) vor, dass die Gläubiger 30 Prozent ihrer Forderungen dem Unternehmen bis Ende 2015 stunden. Die anderen 70 Prozent treten sie an eine Verwaltungsgesellschaft ab. Diese übernimmt 80 Prozent der Centrotherm-Aktien. Somit ist der Großteil der Forderungen erloschen, und die bisherigen Gläubiger sind Anteilseigner. Die Aufgabe der Verwaltungsgesellschaft besteht darin, die Aktien nach Möglichkeit bis Ende 2015 so gewinnbringend wie möglich zu verkaufen. Die Erfüllung des Insolvenzplans wird laut der Mitteilung vom gerichtlich bestellten Sachwalter Martin Hörmann überwacht. Der Gläubigerausschuss werde die Verwertung der Aktien durch die Verwaltungsgesellschaft beobachten. Die Alt-Aktionäre behalten nach einem Kapitalschnitt (aus fünf Aktien wird eine) 20 Prozent der Anteile.
Dank des Insolvenzplans sei das Unternehmen "mittelfristig sicher finanziert". Zudem sei die "strategische, strukturelle und operative Neuausrichtung" vorangetrieben worden, wird Vorstandsvorsitzender Jan von Schuckmann in der Mitteilung zitiert. Centrotherm werde sich auf die zwei Standbeine Produktionstechnik für die Photovoltaikindustrie und Halbleitertechnik konzentrieren. Durch die Bündelung in Blaubeuren sei der Betrieb "wesentlich schlanker, kostengünstiger und effektiver organisiert".
Schlanker wird auch der Vorstand, dem bislang sieben Mitglieder angehören. Dr. Dirk Stenkamp, Dr. Peter Fath und Dr. Thomas Riegler scheiden der Mitteilung zufolge zum 31. Januar aus. Stenkamp, bislang unter anderem für ein Großprojekt in Katar verantwortlich, werde das Unternehmen verlassen. Fath, bisher Technologievorstand, werde Centrotherm "in anderer Funktion verbunden bleiben". Er soll im Nahen Osten und in Nordafrika für die Blaubeurer Kontakte knüpfen und die Vertragsverhandlungen zum Großprojekt in Algerien vorantreiben. Riegler, bisher Finanzvorstand werde als Berater die weitere Restrukturierung begleiten.
Neu im Unternehmen ist der Betriebsrat. Dieser werde "eine Mitwirkung der Mitarbeiter in der neuen Centrotherm" gewährleisten.





