Börsenkurs zum Frühstück
Region. Zum Hahnenschrei den Börsenkurs für Getreide: Wer als Landwirt gut wirtschaften will, kommt daran nicht mehr vorbei. Einbußen verursacht dieses Jahr besonders die geringere Qualität des Getreides.
Noch vor dem Frühstück hat der Ehinger Landwirt Hans Götz zu tun. Nicht im Stall, sondern am Schreibtisch. Dort erkundigt sich der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Ehingen-Ulm am PC über die Getreidepreise an den Börsen.
Säen, ernten und den Bestand führen, sei das eine. Doch zunehmend kämen Landwirte nicht umhin, den Markt, die Börsennotierungen zu beobachten, herauszufinden, wann und wo die besten Preise erzielt werden. Der Bauer müsse abwägen, ob er sein Getreide jetzt oder nach und nach, in "Tranchen", verkauft, wofür er ein Lager benötige. Planbar sei das Geschäft nicht, meint Götz. Warum derzeit die Getreidepreise ganz gut, die Schweinepreise dagegen im Keller sind, sei nicht nachvollziehbar.
Die Getreideernte in der Region kann in diesem Jahr so zusammengefasst werden: geringerer Ertrag, schlechtere Qualität. Der geringere Ertrag - besonders bei Weizen, weniger bei Wintergerste - wäre noch zu verschmerzen gewesen, denn die Getreidepreise haben sich positiv entwickelt. Von größerer Bedeutung sei die mindere Qualität des Getreides. "Das Wetter hat uns vor eine unlösbare Aufgabe gestellt." Dem späten Frühjahr folgte eine Trockenphase, drei Wochen tropische Temperaturen, so dass das Getreide schnell angereift sei. Ausgerechnet zur Ernte war das Wetter miserabel, auf das gedroschene Getreide fiel weiter Regen.
Wer in diesem Jahr eine ordentliche Weizenqualität liefert, erhält für 100 Kilo zwischen 16 und 19 Euro, für Spitzenqualitäten gibt es bis zu 20 Euro - ein Preis, der im Rekordjahr 2008 gang und gebe war. Götz beziffert die Einbußen der Landwirte im Alb-Donau-Kreis mit 12 bis 15 Prozent im Vergleich zum hervorragenden Vorjahr, mit rund 5 Prozent im Schnitt der Jahre. Das bedeute, dass dem Landwirt einige hundert Euro fehlen. Im Alb-Donau-Kreis arbeiten 2098 Landwirte im Haupt- und Nebenerwerb, im Stadtkreis Ulm 130. Zwischen 10 und 18 Prozent betragen die Verluste bei den rund 760 Bauern im Landkreis Neu-Ulm, sagt Matthias Letzing, der die Günzburger Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbandes führt.
Die Ernte ist regional unterschiedlich ausgefallen. Besonders schlecht sei sie im Raum Langenau gewesen. Das führt Götz darauf zurückführt, dass die Landwirte im dortigen Wasserschutzgebiet "nur verhalten" Düngemittel einsetzen dürfen. Das Korn habe bei dem problematischen Wetter schlechtere Startbedingungen gehabt. Hingegen stehe auf der Ulmer und Laichinger Alb noch viel Getreide. Dort sei die Qualität zu 80 Prozent in Ordnung, das gelte auch - abgesehen von den Hagelschneisen - für die Ehinger Alb.
Die Anbauflächen haben sich in der Region "nicht drastisch" verändert. Überwiegend wird Winterweizen und Mais gesät. Der Mais sei wohl auf dem Vormarsch, doch die Diskussion "Tank oder Teller" stelle sich hier nicht, meint Götz. Der Silomais für die wachsende Zahl der Biogasanlagen werde nicht zu Lasten von Getreide angebaut, sondern auf früheren Rapsflächen. Merklich zurückgegangen ist die Braugerste. Das liege daran, dass die Preise 2009 nicht zufriedenstellend waren. Wer ohne Vertrag arbeite, habe daraufhin lieber Mais gesät.
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Autor: PETRA LAIBLE | 03.09.2010
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Die Maispflanzen stehen noch, ihre Erntezeit kommt in der Region erst noch. Anders als das Getreide haben die Maispflanzen die Witterung bisher gut weggesteckt, damit die Ernte auch gut wird, müsste es zumindest noch eine Woche lang etwas wärmer werden.
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