Blaubeurer und Laichinger Mediziner gegen Reform des Bereitschaftsdienstes
Blaubeurer und Laichinger Ärzte wenden sich gegen die Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes: Eine einzige zentrale Notdienstpraxis in Ulm würde zu langen Fahrzeiten für Ärzte und Patienten führen.
Autor: THOMAS SPANHEL |Ärzte aus Blaubeuren und Laichingen lehnen die von der Kassenärztlichen Vereinigung vorgeschlagenen Änderungen beim ärztlichen Bereitschaftsdienst in der Region ab. Denn die vorgesehene Reform würde für die Patienten und Ärzte lange Fahrzeiten und zusätzliche Belastungen bringen, sagen die Ärzte Dr. Sebastian Queck und Dr. Günter Schmid, der eine Kreisbeauftragter, der andere Laichinger Sprecher in Sachen Bereitschaftsdienst.
Wenn ein Kranker gegenwärtig bei einer plötzlichen Blasenentzündung, quälendem Husten oder hohem Fieber einen Arzt in der Nacht oder am Sonn- und Feiertag aufsuchen will, wendet er sich über eine eigene Rufnummer an den regionalen Bereitschaftsdienst. Den organisieren die niedergelassenen Ärzte bisher rund um Blaubeuren und Laichingen in überschaubaren Gebieten. Der Patient kann innerhalb kurzer Zeit die Praxis des diensthabenden Arztes erreichen, bei Bedarf ist der Arzt auch schnell beim Patienten.
Vor allem in den ländlichen Regionen wird es jedoch zunehmend schwieriger, den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu organisieren. Es fehlt an Ärzten. So sind zum 1. Januar die bisher getrennt organisierten ärztlichen Dienstbezirke Ulm und Erbach zusammengelegt worden, berichtet Dr. Norbert Fischer, Kreisbeauftragter Stadt Ulm der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für den Bereitschaftsdienst. Die Zahl der Ärzte in und rund um Erbach war zu niedrig geworden, um die Zahl der Notdienste noch im erträglichen Rahmen zu halten. Mit Ulm zusammen stehen nun an die 300 Ärzte zur Verfügung, die sich den Bereitschaftsdienst aufteilen – dementsprechend selten kommt jeder der Mediziner dran. Bis 2014 soll eine Notfallpraxis am Bundeswehrkrankenhaus oder an der Uni-Klinik entstehen, die dann eine zentrale Anlaufstelle für Patienten bietet. „Junge Ärzte wollen verlässliche Arbeitszeiten“, sagt die KV. Auch die Vergütung soll bei so einem Bereitschaftsdienst künftig verlässlich geregelt werden. Intention der KV ist, durch die Zusammenlegung der Notdienstbezirke von landesweit 400 auf nur noch 70 die Attraktivität des Landarztberufs zu erhöhen.
In den Dienstbezirken Ehingen und Munderkingen hat sich jetzt ein Verein gegründet, der mit knapp 70 Ärzten die Bereitschaftsdienste in diesem Teil des Alb-Donau-Kreises organisiert. Eine eigene Notfallpraxis wurde dafür am Kreiskrankenhaus in Ehingen eingerichtet. Die Ärzte dort wollten nicht riskieren, dass bald nur noch eine Notfallpraxis in Ulm für den gesamten Alb-Donau-Kreis zuständig ist.
Die Ärzte in den Bereichen Blaubeuren und Laichingen, die bisher jeweils mit rund 20 Ärzten den Bereitschaftsdienst organisieren, lehnen aus ähnlichen Gründen Veränderungen ab. „Das Problem sind die langen Fahrzeiten auf die Alb“, erläutert Queck. Von Justingen bis nach Ulm zu einer zentralen Notfallpraxis zu fahren, könne für den Patienten zur Qual werden. Ähnlich unangenehm sei es für die diensthabenden Ärzte, während einer Einsatz-Nacht quer durchs Kreisgebiet Hunderte von Kilometern zurückzulegen und dann am nächsten Tag wieder die eigene Hausarztpraxis zu führen.
„Das Einsatzgebiet sollte bleiben, wie es ist. Das System hat sich bewährt“, sagt Schmid. Er hält nichts davon, das Gebiet auszuweiten. Denn dann bestehe die Gefahr, dass Patienten auf der Alb viel öfter als bisher Rettungsdienst und Notarzt rufen – eine kostspielige Angelegenheit. „Durch die Pläne der KV wird ein kränkelndes System nicht ausreichend verbessert“, ärgert sich Queck. Er kann sich nicht vorstellen, dass durch die neuen Regelungen mehr junge Ärzte aufs Land ziehen. Die Reform des Bereitschaftsdienstes wird trotzdem kommen – wie sie im Detail aussieht, dafür braucht es noch Gespräche. Fischer kann sich vorstellen, dass die Bezirke in Blaubeuren und Laichingen noch einige Jahre wie bisher bestehen bleiben – solange sie genügend Ärzte haben. Klar ist für Fischer, dass nichts geschieht, solange es die Ärzte nicht selbst wollen.
Eine Lösung könnte sein, neben der Praxis in Ulm eine Notfallpraxis in Blaubeuren einzurichten. Dort wären an Sonn- und Feiertagen dann ähnlich wie in Ulm zwei Bereitschaftsärzte im Einsatz – auch Mediziner aus Ulm. Die Einrichtung einer zusätzlichen Notfallpraxis kostet allerdings Geld, das die Ärzte wohl selbst aufbringen müssten.




