Blaubeuren: Tauschen Realschule und Gymnasium die Gebäude?
Die Diskussion über den Schulstandort Blaubeuren wird spannend. Die Leiter von Realschule und Werkrealschule schlagen einen Gebäudetausch mit dem Gymnasium vor. Dessen Leiterin ist der Vorschlag neu.
Autor: THOMAS SPANHEL |Kurz vor einer großen Informationsveranstaltung zur Zukunft des Schulstandorts Blaubeuren haben die Freien Wähler bei der Stadt einen Prüfantrag eingereicht. Im Fokus steht ein Vorschlag der Schulleiter der Karl-Spohn-Realschule Gerhausen und der Werkrealschule (Blautopf-Schule) Blaubeuren. Die Rektoren regen den Umzug ihrer Schulen ins Gebäude des Joachim-Hahn-Gymnasiums in Blaubeuren an, denn dann könnten die Schulen enger kooperieren. Das Gymnasium müsste dann in die erweiterten Gebäude der Realschule nach Gerhausen ziehen.
Diese Idee müsse von der Stadtverwaltung unbedingt geprüft werden, bevor Entscheidungen für einen Neubau der Werkrealschule auf dem Gelände der Realschule getroffen werden, sagt Stadtrat Marc Bohnacker von den Freien Wählern gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Seine Fraktion hatte die Schulleitungen der Blautopf- und der Karl-Spohn-Realschule eingeladen, um sich ein umfassendes Bild zu machen. "Wir wollten vermeiden, dass auf der Informationsveranstaltung am nächsten Mittwoch nur über einen Neubau der Werkrealschule in Gerhausen gesprochen wird", sagt Bohnacker.
Als eine neue Heimat für eine kooperierende Werkreal-, Real- und Förderschule in Blaubeuren kämen wohl nur die Räume des Gymnasiums in Frage, meinen übereinstimmend Franz Herre, Rektor der Karl-Spohn-Realschule, und Thomas Hilsenbeck, Rektor der Blautopf-Schule. Denn das Gymnasium liegt unweit der Grundschule. Ein Umzug der Gymnasiasten in ein erweitertes Realschul-Gebäude in Gerhausen dürfte die Stadt etwa ähnlich viel kosten wie ein Neubau der Werkrealschule neben der Realschule, meinen sie. "Mein Appell: Wir sollten die große Chance wahrnehmen und in diesem Fall auf die Kinder schauen und nicht auf jeden Pfennig Mehrkosten", sagt Herre.
Die beiden Schulleiter sehen in ihrem Vorschlag den großen Vorteil, dass der Blaubeurer Schulstandort sehr flexibel bleibt. Grund-, Werkreal-, Real- und Förderschule könnten problemlos kooperieren oder eventuell sogar eine Gemeinschaftsschule aufbauen - egal welche Vorgaben von der Landesregierung kommen.
Aus Sicht der Blautopf-Schule ist es wichtig, dass die Lehrer sowohl in der Werkrealschule als auch in der Grundschule eingesetzt werden können: "Bei weiten Wegen ist eine enge Verzahnung nur schwer möglich", sagt Hilsenbeck zu dem Vorschlag, dass die Werkrealschule nach Gerhausen zieht. Inhaltlich werde es immer wichtiger, Grundschulklassen mit Klassen der weiterführenden Altersstufen zu verzahnen. Ein weiterer Vorteil: Die Schulsozialarbeiter arbeiten an der Blautopf-Schule und könnten schnell zur anderen Schule wechseln.
"In Blaubeuren hätten wir an den Standorten der Blautopf-Schule und des Gymnasiums die Möglichkeit, eine Gemeinschaftsschule ab der ersten Klasse zu verwirklichen", ergänzt Herre. Mit einem solchen Gemeinschaftsschul-Standort in Blaubeuren ließe sich dort sogar ein gymnasialer Zug anbieten, der in neun Klassen zum Abitur führt. Das sei eine Alternative zum G 8-Abitur am Gymnasium. "Die Eltern hätten dann alle schulischen Möglichkeiten in Blaubeuren. Das gibt es sonst nirgendwo in einer vergleichbaren Stadt", kommentiert Herre.
Der stellvertretende Bürgermeister Erich Straub sagte gestern auf Nachfrage, dass die Stadt diesen Vorschlag bereits "ernsthaft prüft". Die Idee habe Charme. Aber es gebe auch noch andere Möglichkeiten. Alles im Zusammenhang mit dem Schulstandort müsse diskutiert werden. Für Heidrun Fleischer, Schulleiterin des Blaubeurer Gymnasiums, ist der Vorschlag neu. Daher wollte sie ihn noch nicht bewerten.




