Steine wie geschliffene Diamanten
Blaubeuren. Die Arbeiten an der Außenfassade des Kleinen Großen Hauses in Blaubeuren sind abgeschlossen. Die Fassade wartet mit besonderen Quadermalereien auf, die vorgesehenen Kosten wurden unterschritten.
Die neue farbliche Fassung der Außenfassade weist auf das Ende der 12-jährigen Sanierungsarbeiten am Kulturdenkmal Kleines Großes Haus in Blaubeuren hin. Bis zum Frühjahr laufen lediglich noch abschließende Arbeiten im Innern: Elektrik, Bodenbeläge, die Treppe und anschließend die Möblierung, zählt Architekt Markus Gebhardt auf. Dann wird es im Wesentlichen den baulichen Charakter von 1622 zeigen.
Damals erfolgte ein Umbau des Pfarrhauses aus dem 15. Jahrhundert durch den neuen Eigentümer, den Untervogt Salomon Kieser. Dessen Repräsentationsbedürfnis äußerte sich neben baulichen Eingriffen in Architekturmalereien, welche die Restauratoren im Inneren wie an der Außenfassade aufgedeckt haben. Die freigelegten Malereien zeigen eine Formensprache, die charakteristisch ist für den Stil der damaligen Zeit. Über den Portalen im massiven Erdgeschoss finden sich so genannte Roll- und Beschlagwerkmalereien, ebenso an Putzflächen innerhalb des Fachwerks im Obergeschoss, sowie an den Bolenwänden und -decken. Zugunsten eines stimmigen Gesamtbildes wurde teils der fragmentarische Zustand erhalten, teils wurden Stellen ergänzt, erklärt Restaurator Berthold Fischer, der zusammen mit Peter Schimpff die Restaurierungsarbeiten durchgeführt hat.
Stellen schon die Wandmalereien im Inneren eine Besonderheit dar, präsentiert die jetzt abgeschlossene Fassade noch mehr Außergewöhnliches: Ursprünglich war wohl die gesamte Fassade mit Quadermalereien überzogen, wie die Restauratoren entdeckt haben.
In Abstimmung mit dem Denkmalamt haben sie das aufwändige Architekturdekor nurmehr an den Wandflächen des zweistöckigen Erkerturms wiederhergestellt, was jedoch reicht, um einen Eindruck von der ganz eigenen optischen Qualität der Fassade zu geben, die mit malerischen Mitteln Architekturelemente darstellt. Während dies für Blaubeuren bislang ein Einzelfall ist, war es zu jener Zeit in der Reichsstadt Ulm Gang und Gäbe, mit aufgemalten Architekturgliederungen den verputzten Backsteinhäusern einen repräsentativen Charakter zu geben.
Dies war jedoch keineswegs nur ein bloßer Ersatz für Werksteinfassaden mangels örtlicher Natursteinvorkommen: "Was dann die Zieraden anbelangt, da ist es gantz unnötig, dieselbige von Quaderstucken aufzubawen. . .", schreibt der Ulmer Kaufmann und Stadtbaumeister Joseph Furttenbach 1640 in seiner Architekturabhandlung "Architectura recreationis". Mit dieser Aussage verweist er auf die damalige Sichtweise, dass es nicht in erster Linie um das Material an sich ging, vielmehr um die Umsetzung der Idee, wie eine Fassade aussehen sollte.
Ausgehend von theoretischen Vorstellungen, die in der italienischen Baukunst ihre Vorbilder hatten, gestalteten die Handwerker die Fassaden nicht als bloße Steinimitationen, sondern die dargestellten Hausteine haben ihren eigenen dekorativen Wert, wie die Blaubeurer Quadermalereien verdeutlichen: Auf den ersten Blick geben sie so genannte Diamantquader wieder, also Steinquader die in der Art von geschliffenen Diamanten behauen sind.
Die grau-weißen Quader präsentieren sich durch Licht-Schattendarstellung so, wie wenn der für gemeinhin von der Wand herausragende "Diamant" nach innen ginge - die konstruktiven Regeln der Architektur werden so auf den Kopf gestellt, womit diese Blaubeurer Haustein-Darstellung ein gutes Beispiel ist für den eigenen ästhetischen Wert solcher Malereien.
50 000 Euro habe man für die Gestaltung der Außenhaut gebraucht und zusammenbekommen, verweist Christian Sigg vom Vorstand der Bürgerstiftung "Kleines Großes Haus", der das Haus gehört, auf die Kosten, die durch eine Spendenaktion vor allem durch örtliche Unternehmen zusammen gekommen sind. Zudem hätten die beteiligten Handwerker sich mit unentgeltlichem Engagement und Eigenleistung eingebracht, lobt der Stiftungsvorstand. Überhaupt äußert er sich begeistert, dass die Bürger durch Spenden maßgeblich an der Finanzierung des Projekts beteiligt waren, mit insgesamt rund 900 000 Euro der Gesamtsumme von 1,6 Millionen. Mit der wiederum sei die ursprünglich veranschlagte Summe unterschritten worden, die mit 2,5 Millionen angesetzt war, betont Sigg. Für die noch anfallenden Arbeiten rechne man mit etwa 150 000 Euro.
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Autor: PETRA STARZMANN | 05.01.2012
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Die Außenfassade des Kleinen Großen Hauses ist fertig. Foto: P. Starzmann
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