Bilder aus der Unterwelt

Blaubeuren.  "Trockenen Fußes zum Mörikedom" - so haben die Forscher der Arge Blautopf ihre Beschreibung des Landwegs ins Blauhöhlensystem genannt. Der Film- und Fotovortrag füllte die Blaubeurer Sommerbühne.

"Stairway to heaven", "Wolkenschloss", "Halle des verlorenen Flusses", "Friedhof der Kuscheltiere". Nicht weniger phantastisch als die Namen sind die Aufnahmen aus dem Blauhöhlenystem , die Mitglieder der Arge Blautopf zur Sommerbühne mitgebracht hatten. "Manche Bilder sind erst sechs Tage alt", sagte Andreas Kücha, der zusammen mit Projektleiter Jochen Malmann den ersten Teil der Blautopfshow bestritt. Gigantische Tropfsteinformationen waren zu sehen, ein Sinterfächer in reinem Weiß, das seltene Mineral Aragonit, Detailaufnahmen von so genannten Excentriques, dünnen Gebilden, die wurmförmig und verdreht entgegen der Schwerkraft wachsen.

Michael Kühn und Werner Gieswein kommentierten den brandneuen Film "Die Geschichte einer Bohrung", der zeigt, wie es gelang, ohne zu tauchen in das Höhlensystem hinter dem Blautopf zu gelangen. Nach einigen Probebohrungen war es am 12. April soweit: An der Bundesstraße 28 bei Blaubeuren dran ein riesiger Bohrer durch den an dieser Stelle mehr als 17 Meter mächtigen Fels. Die Frage war aber, ob die Bohrung die angepeilte Stelle getroffen hatte, den "Stairway to heaven" ("Himmelstreppe"), der zum Mörikedom führt. Die Filmaufnahmen zeigen Kücha, wie er sich als erster in den Schacht abseilt und dann in dem Raum steht, der bis dahin nur über eine lange Tauchstrecke zu erreichen war. "Mit dem Zugang ist der Mythos ein bisschen gebrochen, für die Forschung ist das aber der richtige Weg", sagte Michael Kühn.

Inzwischen ist eine Röhre mit Leiter eingebaut, die den Forschern den Zugang erleichtert, trotzdem ist der Weg beschwerlich. "Das ist wie durch Pattex waten", schilderte Werner Gieswein das Gehen auf lehmigem Untergrund.

Die Höhlenforscher haben das Tauchen durch den Blautopf aber nicht aufgegeben. Im Herbst und Winter, bei niedrigem Wasserstand in den Höhlen, schlüpfen sie wieder in die Taucheranzüge. Außerdem sprechen praktische Gründe für den Weg durchs Wasser. "Für unsere 250 Kilo schwere Ausrüstung bräuchten wir sonst einen Kran und Träger", erklärte Andreas Kücha.

Das Hauptaugenmerk der Forscher gilt derzeit dem "Friedhof der Kuscheltiere" - dort wurden Tierknochen gefunden -, der über Land zu erreichen ist. Um die Arbeit weiter zu systematisieren und die Erkenntnisse streng wissenschaftlich aufzuarbeiten, haben die 20 Mitglieder der Arge Arbeitsgruppen gebildet. An mehreren Stellen im Höhlensystem haben sie zum Beispiel so genannte Datenlogger angebracht. Die Geräte messen Wasser- und Gesteinstemperatur, Wasserstand und Windgeschwindigkeit.


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Autor: EVA MENNER | 03.08.2010

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