Ausbildungskooperation zwischen Forst und Zimmereibetrieb

Die einen fällen Holz, die anderen bearbeiten es. Normalerweise treffen sie sich nicht. Jetzt lernen junge Zimmerleute von jungen Forstwirten - und umgekehrt. Am Dienstag kreischten Sägen im Ringinger Wald.

JOACHIM STRIEBEL |

"Achtung" ruft Moritz Bärtele laut und tritt mit der Motorsäge zurück. Kilian Martin gibt mit der Axt einen Schlag auf den im Fällschnitt steckenden Keil - und die dreißig Meter hohe Fichte kracht mit Getöse auf den Boden. Beifall von Kollegen und Forstwirtschaftsmeister Martin Herrmann. "Ich hatte befürchtet, dass der Baum vielleicht in einem anderen hängen bleiben wird", sagt Bärtele, der zum ersten Mal einen Baum gefällt hat. Der 19-jährige Zimmermannslehrling ist einer von acht Auszubildenden des Holzbauunternehmens Müller aus Blaustein-Dietingen, die drei Tage lang bei angehenden Forstwirten des Landratsamts Alb-Donau-Kreis in die Lehre gehen. Theorie und erste Übungen mit der Motorsäge am Montag, Fällungen am Dienstag im "Roten Hau" bei Ringingen und Informationen rund um den Beruf am heutigen Mittwoch sind der erste Teil der neuen Ausbildungskooperation zwischen "Müllerblaustein" und dem Kreis-Forst. Der zweite Teil folgt im Sommer, dann konstruieren und bauen die acht Forstwirte von der Ausbildungsstelle Ringingen gemeinsam mit ihren Zimmerer-Kollegen in Dietingen einen Holzsteg für einen Fischweiher.

Moritz Bärtele hatte bei seiner Premiere im Wald großen Respekt vor dem großen Baum und ist durchaus ein bisschen stolz, als alles gut geklappt hat. Kilian Martin (21), der nach dem Abitur im zweiten Lehrjahr als Forstwirt steht und später Forstwirtschaft studieren möchte, ist zufrieden mit der Arbeit von Moritz Bärtele und den anderen Zimmerern. "Die haben ja auch tagtäglich mit Sägen zu tun."

Eines hat Ann-Nika Rothe, 21-jährige Auszubildende bei Müller, gleich festgestellt: Die Sägen der Forstwirte sind größer und schwerer als die der Zimmerleute. Bei beiden Berufen komme es aber auf Präzision an. Um einen Baum exakt in die gewünschte Richtung zu fällen, müssten der Fallkerb und der Fällschnitt exakt platziert werden. Fast eine Millimeterarbeit wie bei der Zimmermannskunst. "Bei uns kommt die Motorsäge meist dann zum Einsatz, wenn etwas nicht passt", sagt Hans Eberhardt, technischer Betriebsleiter bei Müller. Er und Ausbildungsmeister Dieter Haueise sind froh, dass ihre Auszubildenden beim Forst alles rund um die Motorsäge lernen und am Ende auch das entsprechende Zertifikat ausgehändigt bekommen. Dr. Jan Duvenhorst vom Fachdienst Forst, Naturschutz freut sich, dass die angehenden Forstwirte im Holzbaubetrieb etwas übers Konstruieren lernen werden. Denn auch im Wald müssten beispielsweise Ruhebänke und Einrichtungen für Waldspielplätze gezimmert werden. Gestern gings im Wald zum Abschluss auch ums Pflanzen: Damit den Forstwirten und Zimmerleuten in Zukunft das Material nicht ausgeht.

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