Auf der Suche nach Rauch

Kreis Neu-Ulm.  Aufgabe von Luftbeobachtern ist es, Feuerwehr und Rotes Kreuz vom Flugzeug aus an Unglücksorte zu leiten. Am Samstag haben Beobachter mit Piloten der Luftrettungsstaffel Bayern solche Einsätze geübt.

Um fünf vor elf hebt die Robin DR 400 auf dem Segelflugfeld in Illertissen ab. Pilot Rudi Hinterberger aus Senden hat an diesem Samstag die Aufgabe, Luftbeobachter Johann Mayer zu Burgen, Klöstern und Kirchen der Umgebung zu fliegen. Mayer ist Katastrophenschutz-Sachbearbeiter bei der Regierung von Schwaben. "Zweck der Übung ist, die auf der Karte verzeichneten Objekte in der Realität zu finden und sich daran zu orientieren", erläutert Mayer. Erleichtert wird sein Auftrag durch Hinterbergers Flugwissen. Der 57-Jährige besitzt seinen Pilotenschein seit 22 Jahren. Als Mitglied der Luftrettungsstaffel am Stützpunkt Illertissen absolviert er jedes Jahr mindestens 200 Flugstunden. Hinterberger kennt die Gegend.

Die Navigation stellt bei klarem Sommerhimmel kein großes Problem dar. 150 Kilometer lang ist die Strecke. Das Flugzeug benötigt dafür 50 Minuten. Die Burg in Mindelheim, das Fuggerschloss in Babenhausen, das Kloster in Ursberg und das in Roggenburg sind bald gefunden. "Die Arbeit mit der Karte gehört zum Handwerkszeug", sagt Mayer. Ein Einsatz mit Laptops oder Kleincomputern ist derzeit nicht vorgesehen. Die Geräte könnten in der Luft ausfallen oder gestört werden. Ein Mal pro Jahr nimmt Luftbeobachter Mayer an einer Fortbildungsübung wie dieser teil.

Auch die anderen elf Luftbeobachter, die an der Übung teilnehmen, haben die Navigation in luftiger Höhe gemeistert. Zurück auf dem Illertisser Flugfeld erläutert Wolfgang Höppler vom Fachbereich für Brand- und Katastrophenschutz am Landratsamt Neu-Ulm den Teilnehmern den zweiten Teil der Übung: Die Luftbeobachter sollen aufsteigen, Rauch in Senden, Elchingen und Kellmünz orten und anschließend ein Feuerwehrauto dorthin leiten. "Das Schwierige daran ist, dass das Flugzeug ständig über dem Einsatzfahrzeug kreisen muss", erläutert Wolfgang Höppler. Insbesondere bei Waldbränden sei das Leiten von Feuerwehrfahrzeugen jedoch wichtig, weil freie Zufahrtswege aus der Luft besser zu erkennen sind als vom Boden aus.

Erneut steigen Piloten und Beobachter auf. Alle bis auf einen meistern auch diese Übung. Dietmar Köhn vom Landratsamt Donauwörth beklagt sich: "Wir konnten keinen aufsteigenden Rauch erkennen." Zweimal hätten er und Pilot Werner Mühlhäuser Senden überflogen, aber keinen simulierten Brand - Feuerwehrleute hatten in Metallfässern Flammen entzündet - entdecken können. "Das nächste Mal mehr Zunder geben", bat Köhn bei der abschließenden Besprechung.

Trotz dieser kleinen Panne ist Höppler mit dem Ergebnis der Übung zufrieden. Alle vier Flugzeuge sind sicher zurückgekehrt. Die Zusammenarbeit zwischen Luftrettern, Piloten und Bodenkräften wurde weiter verbessert.

Schon ab Montag wird es für einige Luftbeobachter ernst. Wegen der Trockenheit hat die Regierung von Schwaben im Bereich Donauwörth regelmäßige Luftbeobachtung angeordnet. Waldbrände sollen im Frühstadium erkannt werden, damit sie sich nicht ausbreiten und zur Gefahr werden. Vergangenes Jahr haben die Luftretter acht Waldbrände im Frühstadium erkannt. 8500 Euro hat die Regierung von Schwaben an Startgebühren und Flugbenzin beigesteuert. Die Schäden, die jeder einzelne der Waldbrände angerichtet hätte, wäre wahrscheinlich weit größer gewesen.


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Autor: PATRICK FAUSS | 13.07.2010

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