Atempause für Kögel

Burtenbach.  Mit Mahnwachen wollen der Kögel-Betriebsrat und die IG Metall ihre Forderung nach dem Erhalt des Standorts Burtenbach unterstreichen. Eine Atempause hat der Anhänger-Hersteller immerhin erreicht.

Bleibt Kögel in Burtenbach (Kreis Günzburg)? Der Mietvertrag ist zum 28. Februar gekündigt worden, über eine Verlängerung, beziehungsweise einen Kauf des Geländes wird verhandelt. In einer Betriebsversammlung hat Thomas Heckel, Vorsitzender der Geschäftsführung, gestern den Mitarbeitern von einer Atempause berichtet: Die früheren Eigentümer des Herstellers von Sattelaufliegern hätten Kögel eine Duldungsfrist eingeräumt. Diese dauere bis Mitte März. Darauf hatten sich die Altgesellschafter, die Bank, der das Gelände und die Gebäude gehören, sowie der neue Kögel-Eigentümer, Ulrich Humbaur, am Mittwochnachmittag geeinigt.

Betriebsrat und IG Metall wollen die weiteren Verhandlungen mit Aktionen begleiten, sagte Gewerkschaftssekretär Günter Frey nach der Betriebsversammlung. Nicht mit Demonstrationen, sondern mit Mahnwachen solle auf den Ernst der Lage für das Werk mit etwa 440 Beschäftigten hingewiesen werden. Am vergangenen Samstag hatten etwa 500 Teilnehmer in Jettingen für den Erhalt des Kögel-Standorts demonstriert. Das nur wenige Kilometer von Burtenbach entfernte Dorf war als Kundgebungsort ausgesucht worden, weil dort Hieronymus Graf Wolff Metternich, einer der Kögel-Altgesellschafter, wohnt. Diesen Altgesellschaftern gehört auch die Immobilienfirma, die Werksgelände und Gebäude seit 2007 als Hauptmieter an Kögel weiter vermietet. Zuvor hatten die Altgesellschafter die Immobilie an die Bank Fortis Lease verkauft.

Während die Beteiligten lange vor allem übereinander gesprochen hatten, wird seit Freitag vergangener Woche miteinander verhandelt: auf der einen Seite Ulrich Humbaur, der den im vergangenen Jahr insolvent gegangenen Hersteller von Sattelaufliegern im November übernommen hat, sowie die Kögel-Geschäftsführung; auf der anderen Seite die Altgesellschafter um Metternich sowie die Fortis Lease. Nach Ansicht von Humbaur ist die Miete in Burtenbach viel zu hoch: Die im Mietvertrag vereinbarten Zahlungen könnten von Kögel "nicht dauerhaft erbracht werden". Außer einem niedrigeren Mietangebot sei auch ein "Kaufangebot in zweistelliger Millionenhöhe" vorgelegt worden, teilt Kögel-Geschäftsführer Heckel mit. Dieses Angebot - es soll sich um einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag handeln - sei von der Bank mündlich akzeptiert worden. Eine schriftliche Einwilligung stehe aber noch aus.

Vor diesem Hintergrund war Humbaur vor knapp zwei Wochen mit der Mitteilung an die Öffentlichkeit gegangen, "Kögel wird zur Aufgabe des Standortes Burtenbach gezwungen". Dieser Darstellung widersprach Metternich Anfang der Woche heftig. Gleichzeitig sprach er von Plänen der Altgesellschafter, zusammen mit einem international tätigen Konzern aus der Nutzfahrzeugbranche in Burtenbach Sattelauflieger produzieren zu wollen, falls Kögel das Werk aufgebe.

Tatsächlich ist dann am Dienstag bei Kögel mit Umzugsvorbereitungen begonnen worden. Büroeinrichtungen seien eingepackt worden, der Abbau einer Schweißanlage sei angelaufen, teilte die IG Metall mit. Der Betriebsrat reagierte sofort, erwirkte beim Arbeitsgericht eine einstweilige Verfügung und stoppte den Umzug.

Keineswegs sei daran gedacht, Burtenbach zu verlassen, ließ Kögel gestern wissen. Vielmehr könnten neben dem jetzigen Werksgelände, auf einem Grundstück, das wohl Humbaur gehört, Büro-Container aufgestellt werden. "Darüber hinaus ist die Geschäftsführung kurz davor, ein Mietverhältnis für eine Halle in unmittelbarer Nähe des jetzigen Standortes abzuschließen, um dort, wenn nötig, die Fertigung ortsnah einrichten zu können."

Die neuen und alten Kögel-Eigentümer ringen also nicht nur am Verhandlungstisch, sie bieten sich auch einen Mitteilungswettstreit. Gleichwohl hoffen die Vertreter der Mitarbeiter, dass die Werksfrage möglichst rasch und möglichst zu Gunsten von Burtenbach gelöst wird. IG-Metall-Sekretär Frey: "Dann gibts eine Jubelfeier."


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Autor: THOMAS STEIBADLER | 19.02.2010

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