Alte Spiele neu kennengelernt

Weidenstetten.  Was früher Spaß machte, ist auch heute toll, meinen Elke Ziegler und Susanne Engler. Im Kinderferienprogramm spielten sie mit Kindern im Vor- und Grundschulalter Spiele aus einer Zeit ohne Computer.

"Jakob, wo bist du?". "Herrin" Alyssa ist auf der Suche. Mit verbundenen Augen dreht sich das Mädchen im Kreis, lauscht aufmerksam in die Runde. "Hier", schallt es aus einiger Entfernung zurück. Alyssa bewegt sich einige Schritte in die Richtung der Stimme, ruft erneut. Zwei Antworten später hat sie "Jakob" gefunden - nun dürfen beide ihre Augenbinden ausziehen und einen neuen "Jakob" und einen neuen "Herrn" bestimmen.

Ein unterhaltsames Spiel, bei dem es viel zu lachen gibt. Heute kennen es die wenigsten Kinder; dabei gehörte es noch vor wenigen Jahrzehnten zum Standardrepertoire nachmittäglicher Treffen auf den Straßen der Dörfer. Im Kinderferienprogramm der Gemeinde Weidenstetten erwachte diese Zeit gestern zu neuem Leben: Elke Ziegler und Susanne Engler haben zu alten Kinderspielen eingeladen, zum Zeitvertreib aus Tagen vor Computer und Spielkonsole. Die beiden Mütter wissen, was Kindern heute Spaß macht. Und sie wollen die alten Spiele aus ihrer Kindheit erhalten und weitergeben: Von Sackhüpfen und Eierlauf über "Kettenfange" bis hin zum "Jakob".

"Für die Kinder sind diese alten Spiele toll", weiß Elke Ziegler. Hier sind sie in Bewegung, dürfen sie ihr Können im Wettbewerb mit Gleichaltrigen unter Beweis stellen und trainieren sie Konzentration und Geschicklichkeit. "Es wäre schade, wenn diese Spiele verloren gingen", meint die 45-Jährige, die deshalb bereits zum zweiten Mal zum Spielenachmittag eingeladen hat. Die Kinder kamen auch in diesem Jahr gerne - und sie waren begeistert: Lautstark wurde die eigene Mannschaft beim Sackhüpfen angefeuert, mucksmäuschenstill die Runde des Teamkollegen beim Eierlauf verfolgt. "Schneller, schneller", wagen einzelne zu flüstern. "Nicht so schnell", wispern die anderen gespannt. Denn wer zu viel wagte, verlor wertvolle Zeit im Staffellauf Gruppe gegen Gruppe: Stürzte das Ei vom Löffel, musste die Strecke noch einmal von vorne bewältigt werden. Am Ende konnten die Kinder gar nicht genug bekommen: "Wollt ihr noch eine Runde?", fragte Ziegler eins ums andere Mal. "Jaaaa!", lautete stets die Antwort.

Richtig ins Schwitzen kamen die beiden Gruppen bei "Tag und Nacht", einer Variante des Fangspiels: Eingeteilt in eine Tagmannschaft und eine Nachtmannschaft versuchten die Kinder hier, auf Zuruf den Gegner zu fangen. Einmal jagte die Tagmannschaft die Nachtmannschaft, einmal war es umgekehrt. Außer Atem fanden sich die Teilnehmer danach in der Hallenmitte ein. Müde, aber glücklich. Und sie waren sich einig: Das spielen wir ab sofort auch zu Hause.


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Autor: AMREI GROSS | 03.09.2010

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