925 Jahre Gerhausen: Ein Pfad in die Dorfgeschichte

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  • Der Verlauf des Plätzleswegs in Gerhausen. Er ist 3,2 Kilometer lang und führt zu schönen Plätzen in Gerhausen. Zur Eröffnung werden am Sonntag an einigen Orten Szenen aus der Dorfgeschichte gespielt. 1/6
    Der Verlauf des Plätzleswegs in Gerhausen. Er ist 3,2 Kilometer lang und führt zu schönen Plätzen in Gerhausen. Zur Eröffnung werden am Sonntag an einigen Orten Szenen aus der Dorfgeschichte gespielt. Foto: 
  • Grundschule. 2/6
    Grundschule. Foto: 
  • Altes Kirchle. 3/6
    Altes Kirchle. Foto: 
  • Gänsegarten. 4/6
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  • Fischerstechen: 5/6
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  • Apollofalter. 6/6
    Apollofalter. Foto: 
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Gerhausen hat die Merkwürdigkeit, dem Fremden seine Sehenswürdigkeiten sorgfältig zu verbergen. Wer auf der Bundesstraße oder mit der Bahn flüchtig durchreist, wird weder den Schillerstein noch das Kirchle auf dem Wöhrd noch das Rusenschloss entdecken und nichtsahnend weiterfahren.“ So schreibt der frühere Blaubeurer Stadtarchivar Jörg Martin über den Teilort Gerhausen. Steffi Dispan vom Arbeitskreis Dorfleben formuliert es so: „Dass Gerhausen an der B 28 liegt, ist bekannt, dass der Ort an der Blau liegt, dagegen nicht. Wir wollen die Blau erlebbar machen und schöne Plätze miteinander verbinden.“ Im Gerhauser Arbeitskreis Dorfleben, der aus dem von der Stadt Blaubeuren angestoßenen Prozess der Innenentwicklung hervorgegangen ist, haben zehn Bürger den „Plätzlesweg“ entwickelt. Am Sonntag wird er feierlich eröffnet.

Es wurden keine neuen Pfade gebaut. Auf vorhandenen Wegen führt der 3,2 Kilometer lange Plätzlesweg Spaziergänger zu besonderen Orten in Gerhausen. Als „Plätzle“ wurde im Ort traditionell eine Fläche an der Hauptstraße zwischen den Einmündungen zur Kirchgasse und zur Schulstraße bezeichnet. Die Idee, diesen Dorfplatz wieder zu beleben, wurde verworfen: Zu viel Verkehr rollt auf der Bundesstraße durch den Ort, der auf eine Umgehungsstraße wartet.

Schon einige Meter von der B 28 entfernt geht es beschaulicher zu. Etwa an der Grundschule, am Alten Kirchle auf der Blauinsel, am ehemaligen Gänsegarten, im Ried unterhalb der Eisenbahnbrücke, auf dem Frauenberg, im Naturschutzgebiet „Untere Hellebarten“, im Neubaugebiet „Brühl“ und an der so genannten Schafwäsche, wo früher Schafe vor der Schur ins Wasser getrieben wurden. Einige Plätze an der Blau wurden von der Stadt Blaubeuren gerichtet und mit Tischen und Ruhebänken ausgestattet. Mit insgesamt 16 Info-Tafeln, die vom Blaubeurer Grafik-Büro „visuelles“ ansprechend gestaltet wurden, erfahren Spaziergänger, die auf dem Plätzlesweg unterwegs sind, Wissenswertes zu den einzelnen Orten und bekommen so Einblicke in die Dorfgeschichte. Es gibt auch Postkarten. Wer mehr erfahren will, kommt mit einem QR-Code und einem Smartphone zu ausführlichen Informationen im Internet.

Dort finden sich beispielsweise Angaben zum Alten Kirchle auf der Blauinsel, das als Gerhauser Wahrzeichen gilt und ums Jahr 1411 erbaut wurde. Genutzt wurde damals das Gemäuer eines älteren Burgstalls, einer Außenstelle des hoch oben im Rusenschloss residierenden Ortsadels. Dort soll auch Graf Hartmann von Gerohusin gelebt haben. Eigentlich ein Graf von Dillingen, der sich aber wegen der exponierten Lage der Burg, die er in Gerhausen bauen ließ, nach diesem Ort benannte. Der Graf von Gerohusin unterzeichnete am 2. Mai 1092 in Ulm eine Urkunde. Dieses Schriftstück ist die erste urkundliche Erwähnung Gerhausens.

Wie in dem 1992 erschienenen Gerhauser Heimatbuch ausgeführt wird, könnte das Grundwort „-hausen“ darauf hinweisen, dass die Siedlung schon im 6. oder 7. Jahrhundert entstand.

Früher lebten die Menschen in Gerhausen vom Fischfang und von der Landwirtschaft. Auch die Schneckenzucht brachte zeitweise ein Zubrot. Mit dem Aufblühen der Kalk- und Zementindustrie im Blautal fanden die Männer Arbeit in den Werken und Steinbrüchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten viele Gerhauser in Ulmer Industriebetrieben.

Heute leben 2200 Menschen in Gerhausen, das als einziger Blaubeurer Teilort keinen Ortschaftsrat hat, was mit der frühen Eingemeindung im Jahr 1934 zu tun hat. Bürgermeister Jörg Seibold freut sich über den Gemeinschaftssinn im Ort, der sich für ihn auch in den Aktivitäten der Vereine zeigt. Bei der Eröffnung des Plätzleswegs sind die Mitglieder zweier Arbeitskreise aktiv. Außer dem Arbeitskreis Dorfleben gibt es den Arbeitskreis Ortsjubiläum, der zusammen mit der Stadt schon einen Neujahrsempfang, eine Grenzsteinwanderung, einen Neandertaler-Vortrag und eine Kunstausstellung organisiert hat.

Enthüllung Die Einweihung des Plätzleswegs beginnt am Sonntag, 28. Mai, um 13 Uhr mit Ansprachen bei der evangelischen Kirche in der Schulstraße, danach enthüllt Bürgermeister Jörg Seibold dort die erste Info-Tafel. Um 13.30, 14.30 und 15.30 Uhr beginnen in der Schulstraße Theater-Führungen und in der Getreidemühle Söll in der Hauptstraße Besichtigungen des Mühlengebäudes und der Fischtreppe an der Blau. Karten gibt es von 12.30 Uhr an in der Schulstraße. Von 13.30 bis 18 Uhr ist Kaffeeklatsch im „Lamm“, Hauptstraße 42. Landfrauen und Gesangverein backen Kuchen.

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