70 Leute folgen Aufruf von Pro Vöhringen, um ein Bürgerbegehren zu beginnen

Es war ein Abend der harten Worte aus der Bauchgegend: An die 70 Vöhringer Bürger und Pro Vöhringen empfinden die Pläne für den Bau einer Moschee als unzumutbar. Sie streben ein Bürgerbegehren an.

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Stefan Heiß von Pro Vöhringen hat 70 Interessenten gefunden, die mit ihm ein Bürgerbegehren starten wollen gegen die Moschee-Pläne. Die untere Grafik zeigt den Plan, der der Bauvoranfrage zugrunde liegt.  Foto: 
Gegenstimmen wurden nicht abgefragt. Die meisten Finger gingen ohnehin hoch bei der Frage: „Sollen wir ein Bürgerbegehren beginnen?“ Der Stein des Anstoßes: Die Pläne für eine Moschee in Vöhringen, die als Bauvoranfrage die Zustimmung der Mehrheit im Stadtrat gefunden hatten. Die Anfrage, dies verhindern zu wollen, kam am Dienstagabend von Stefan Heiß, dem Vorsitzenden des Vereins Pro Vöhringen. Krematorium verhindert, den ersten Anlauf für eine Moschee ebenfalls. Sich kritisch in die Diskussion um den Bau des Honold-Logistikzentrums eingemischt. Und zuletzt eine Flüchtlingsunterkunft verhindert.

Für Heiß ist die Reihe der Verhinderungen ein Zeichen des Gewichts der Gruppierung – aber auch der Belastung. „Wenn wir das machen, brauchen wir Hilfe“, sagte er. Die 60 Mitglieder des Vereins könnten es nicht stemmen. Knapp 1200 Unterschriften brauche man für den Erfolg – um einen Bürgerentscheid zu erzwingen.

Und mit welcher Frage? Heiß war daran gelegen, bei der Infoveranstaltung Religion und das Verhältnis Christen-Muslime eher unter dem Deckel zu halten. Nur so viel: Es gebe zwar Religionsfreiheit, „das ist schließlich Gesetz“. Es gehe nicht ums Verhindern. Auch ein Ort fürs Gebet sei den Muslimen zugestanden. Nur: „Wie und Wo?“ Für Heiß ist klar, dass das in dem Gewerbegebiet im Norden der Stadt nicht geht. Zwar gab er zu, dass die jetzige Moschee kleiner ausfallen soll als die vor fünf Jahren verhinderte. Aber: Minarett und Kuppel, „das ist übertriebene Machtsymbolik“. Hier halte sich der türkisch-islamische Verein nicht an die Vorgaben, „wir müssen das ja auch“.

Den beiden Kommunalpolitikern im Versammlungsraum blieb nur, den Kopf zu schütteln: Angesichts des Umstands, dass dieser Vorgang Alltag in Bauausschuss und Stadtrat ist und der Verein der Muslime den korrekten deutschen Verwaltungsweg über eine Bauvoranfrage an Rathaus und Stadtrat gegangen war. Ein 16 Meter hohes Minarett? Eine Kirche würde heute so auch nicht genehmigt. Und außerdem seien Gewerbegebiete da, um damit Arbeitsplätze zu sichern und Steuereinnahmen zu erwirtschaften, so der Tenor aus dem Publikum.

An dem Punkt driftete die Diskussion in Schlagworte der Enttäuschung ab. Dass der Stadtrat ein Minarett zulassen will, empfinden die meisten der 70 Vöhringer an dem Abend als Schlag ins Gesicht. Der Zorn richtete sich von da an gegen Bürgermeister Karl Janson und den Stadtrat. Große Projekte würden in Vöhringen nach Gutsherrenart durchgepeitscht. „Lauter Ja-Sager und Abnicker“, sagt eine Frau aufgebracht. Der Bürger werde bei Entscheidungen nicht mitgenommen, ja regelrecht überfahren.

Die jüngste Bürgermeisterwahl, bei der Amtsinhaber Janson sich klar gegen den Herausforderer Heiß durchgesetzt hatte, kam auch auf. Ein Mann griff in die untere Schubladenreihe der Redewendungen: „Den Heiß wollte man nicht in Vöhringen, da schwimmt dann halt weiter die Scheiße oben.“

Kurz nach 20.15 Uhr dann die Abstimmung: Fast alle der 70 Vöhringer an dem Abend sind dafür, ein Bürgerbegehren anzustoßen. Danach ging es um die Umsetzung. In die Helfer-Liste, die herumgeht, tragen sich gleich an die 18 Leute ein. Viel Arbeit wartet auf sie, um die nötige Anzahl an Unterschriften zusammenzubekommen. Und wo? Am Marktplatz, von Haus zu Haus? „Na ja, im Wirtshaus wird’s leichter sein“, schlug ein Mann vor. Im persönlichen Umfeld. „Und nach der Messe“, fügte eine Frau hinzu.

In zwei Wochen will Pro Vöhringen so weit sein, das Bürgerbegehren vorbereitet zu haben. Vor allem geht es zunächst um die Frage, die man den Bürgern stellen will. Nach den Vorstellungen von Stefan Heiß wird die Ausnahme vom Bebauungsplan auf den Prüfstein zu stellen sein. Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE gibt sich Heiß siegesgewiss – und gestärkt für das Bürgerbegehren.

Seit 34 Jahren gibt es den türkisch-islamischen Verein in Vöhringen, seit 1989 beten die Muslime in der Brucknerstraße. Die Räumlichkeiten dort seien zu klein. Außerdem hätten sie dort zu wenige Parkplätze, wie sich der Vorsitzende Mehmet Yilmaz der SÜDWEST PRESSE gegenüber geäußert hat. Die Pläne seien vor dem Beschluss den Fraktionen vorgestellt worden, und deren Wünsche auch eingeflossen. „Wir haben viel geändert, das wird keine klassische Moschee.“

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