500 Deckel ergibt eine Impfung

Kirchberger Schüler sammeln Plastikdeckel, damit Kinder in der Dritten Welt geimpft werden können. Gesammelt wird auch in den Ferien.

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Was haben Plastikflaschendeckel mit Impfungen zu tun? Marion Rösch, die Leiterin der Kernzeitbetreuung in der „Kunterbunten Flohkiste“ der Kirchberger Illertal Werkrealschule mit Grundschule, weiß die Antwort: „500 Kunststoffverschlüsse haben den Gegenwert von einer Impfung gegen Kinderlähmung.“ Und das geht so: Ein einzelner Deckel wiegt etwa zwei Gramm, 500 von ihnen ergeben rund ein Kilogramm Material, dessen Erlös für die Kosten einer Impfung ausreicht.

Marion Rösch las darüber erstmals im Kirchberger Mitteilungsblatt: „Lisa Kuss, die Vorsitzende der Sinninger Wanderfreunde, hatte darauf aufmerksam gemacht und etwas dazu geschrieben“, erinnert sie sich.

„Ich fragte Lisa Kuss, ob wir mitmachen dürfen.“ Als Folge wird nun seit Schuljahresanfang kräftig Wasser, Saft oder Limonade getrunken. Die Deckel der Flaschen werden abgeschraubt und gesammelt. Dabei handelt es sich ausschließlich um Verschlüsse aus Plastik. „Die Getränkehändler sagen, dass sie nicht gebraucht werden“, erklärt Marion Rösch. So könne quasi mit Abfall armen Kindern geholfen werden. „Was gibt es Besseres als das?“

Das denken auch die Schüler. Marion Röschs Enthusiasmus hat vor allem die Erst- bis Viertklässler angesteckt, doch nicht nur sie. Eine richtige Welle der Solidarität ist daraus geworden: „Ich habe alle Klassen informiert und alle machen mit.“ Was für die Kleinen gilt, trifft ebenfalls auf die Lehrer zu. Marion Rösch spricht von einem „Selbstläufer“.

Und so ist schon einiges zusammengekommen. Sechs volle Müllsäcke, was ungefähr 9000 bis 10 000 Deckel entspräche, habe sie schon bei Lisa Kuss abgeben können, zieht die Betreuerin eine erste Erfolgsbilanz. „Sie lagert das Ganze und das Tolle ist, dass ihr ein Nachbar dafür sogar seinen Stadel zur Verfügung stellt.“

Insgesamt, weiß Marion Rösch, betrage die Sammelmenge in ganz Deutschland etwa 20 Millionen Plastikverschlüsse mit einem Gewicht von mehr als 40 000 Kilo. „Da sind schon 12 000 Euro erlöst worden.“ Das Tolle: „Die Bill & Melinda Gates-Stiftung hat das Ganze auf 36 000 Euro aufgerundet.“ Umgerechnet seien das wiederum zirka 120 000 Polio-Impfungen.

Das Sammelfieber, das in der Schule umgeht, reicht von Rektorin Tanja Jovanovic bis hin zu Grundschülern wie Greta, Annika oder Carla. Jede von ihnen hat ihr eigenes Sammelsystem entwickelt. „Daheim haben wir ein Schüsselchen für unsere leeren Deckel“, sagt Greta. Die ganze Familie mache mit – auch Oma und Opa würden kräftig mithelfen.

Annika wiederum hat eine Tüte an die Pinnwand in der Küche geheftet: „Da werden dann die Deckel von jeder Flasche reingeworfen.“ Bei Carla hängt ein Behältnis über dem Herd. „Mein Bruder trinkt viel Saft“, erzählt sie. Überhaupt schraube sie auch die Verschlüsse von Flaschen ab, die auf der Straße lägen.

Dass sie da etwas ganz Wichtiges unterstützen, betonen alle drei Mädchen. „Toll, dass man mit der Aktion armen Kindern helfen kann, damit sie bessere Chancen zum Überleben haben“, fasst Greta zusammen. Schätzungsweise 500 der runden bunten Deckel habe sie schon abgegeben. Auch bei Annika dürften es zwischen 300 bis 400 Stück sein, die von Freunden, Verwandten und natürlich von ihrer Familie stammen.

Weitermachen ist für das Trio Ehrensache – auch wenn jetzt Ferien sind. Marion Rösch wird das Sammelgut über den Sommer bis zum Schulbeginn im Herbst daheim annehmen. „Die Aktion geht auf jeden Fall weiter“, verspricht sie.

Info Initiator der Aktion des Plastikdeckelsammelns ist Rotary in Deutschland – unter www.deckel-gegen-polio.de gibt es im Internet mehr Informationen.

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