35 Helfer vom Skiclub Gerhausen beim Weltcup in Ofterschwang

Wenn Lindsey Vonn und Maria Höfl-Riesch beim Weltcup in Ofterschwang um die Stangen tanzen, sind 35 Mitglieder des Skiclubs Gerhausen ganz nah dran: Sie sind Helfer am Start, am Ziel und auf der Piste.

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"Es ist wie im Fahrerlager der Formel 1", sagt Wilfried Berg. "Die anderen müssen hinter der Absperrung bleiben, aber du bist mittendrin." Der frühere Sportwart des Skiclubs Gerhausen war bei den alpinen Skiweltcup-Veranstaltungen der Damen 2006, 2008 und 2009 in Ofterschwang/Allgäu als Helfer mit von der Partie. Einmal war er zuständig für die Eingangskontrolle am Startbereich, wo nur Rennläuferinnen und Trainer mit Akkreditierung durchgelassen wurden, ein anderes Mal meldete er als Funker den Zeitnehmern die ins Ziel fahrenden Läuferinnen, und beim dritten Einsatz war er "Torarbeiter". Eine Selbstverständlichkeit für den Blausteiner, sich auch fürs kommende Wochenende wieder als Helfer zu melden. So wie für etwa 35 weitere Mitglieder des Skiclubs Gerhausen, die schon beim vergangenen Weltcup-Event im März 2009 halfen. 450 Ehrenamtliche sorgen bei den Riesenslalom-Wettbewerben am Freitag und am Samstag und beim Slalom am Sonntag für einen reibungslosen Ablauf.

An einem Sonntagnachmittag trafen sich kürzlich alle im "Ofterschwanger Haus", um die gelben Einsatzjacken abzuholen und sich zum Gruppenfoto aufzustellen. "Wer die Jacke trägt, gehört dazu", sagt Wilfried Berg. "Man fühlt sich integriert bei einer besonderen Sache", ergänzt Vereinskollege Reinhold Gutknecht aus Gerhausen. Freilich ist dies mit Arbeit verbunden. Manchmal mit richtig viel Arbeit. Etwa beim Weltcup-Wochenende 2009, wo die Rennen wegen heftiger Schneefälle zu platzen drohten. In Nachtschichten räumten die Freiwilligen, die lediglich mit freier Verpflegung und der Weltcup-Jacke entlohnt werden, Schnee von der Piste. Um dann am Tag wieder beim Slalom (rund 60 Tore) oder Riesenslalom (rund 50 Tore) neben den roten und blauen Stangen zu stehen. Woanders wären die Wettbewerbe bei solchen Wetterbedingungen abgesagt worden, doch die motivierte Helferschar habe es möglich gemacht, lobt der Präsident des Ofterschwanger Weltcups, Michael Fäßler. "Bei den Damen ist Ofterschwang der beliebteste Weltcup-Ort." Nachdem ein zunächst in Courcherel/Frankreich und dann in Soldeu/Andorra geplanter Riesenslalom wegen Windes abgesagt werden musste, sprang jetzt Ofterschwang auf Bitte des Internationalen Skiverbands ein, und trägt außerplanmäßig schon am Freitag einen Wettbewerb aus. Die Verantwortlichen hoffen, dass das Tauwetter nicht zu stark wird, sehen wegen der guten Schneelage aber keine Gefahr. Notfalls wird die Piste gehärtet mit Salz, das Wasser bindet.

Die meisten der Helfer des Skiclubs Gerhausen sind "Torarbeiter". Jeder ist für ein Tor zuständig und muss bei Bedarf mit Rechen oder Schaufel die von den Läuferinnen aufgewühlte Spur eben ziehen. Es geht darum, auch den letzten der 93 Starterinnen aus 18 Nationen noch gute Bedingungen zu bieten. Die Helfer müssten mit Schaufel und Rechen umgehen können und "ein bisschen ein Auge haben", sagt Peter Pöppel, einer der Chefs im Ressort "Sport" und Spezialist für die Streckenpräparierung. Mit den fleißigen Helfern aus dem Schwabenland ist der Allgäuer zufrieden. "Die machen das wirklich gut, mit viel Spaß am Sport." Beim Weltcup in Ofterschwang spricht man vom "Schwaben-Corner". Das ist der Abschnitt am Beginn des Steilhangs, wo die Gerhauser eingesetzt sind. Gerade im Steilgelände können nur gute Skifahrer arbeiten. Denn die harte Piste erfordert Standsicherheit. "Die Rennläuferinnen fahren auf purem Eis, und das millimetergenau", staunt Wilfried Berg, der diesmal Torrichter ist und an einem oder zwei Toren mögliche Fehler protokolliert.

Bei aller Korrektheit der Helfer und allem sportlichen Ehrgeiz der Damen gibt es entspannte Begegnungen. "Die sind nicht schüchtern oder arrogant und hängen nicht die Stars raus", sagt Berg, der sich in der Pause mit Maria Höfl-Riesch und deren Schwester Susanne unterhalten hat. Reinhold Gutknecht kann ein Erinnerungsfoto vorzeigen mit der Österreicherin Niki Hosp.

Die Skifahrer aus dem Blaubeurer Teilort sind in Ofterschwang längst keine Unbekannten mehr, haben sie doch seit zehn Jahren eine Hütte im Ortsteil Sigiswang unterhalb des Ofterschwanger Horns gepachtet. Dort und auf einer weiteren Hütte übernachten die Gerhauser. Quartiere sind am kommenden Wochenende im ganzen Oberallgäu rar. Rund 30 000 Gäste werden erwartet.

Info Das ZDF überträgt live die Weltcup-Läufe aus Ofterschwang. 17 Kameras sind im Einsatz. Die Sendungen beginnen am Freitag um 10.10 und 13.10 Uhr, am Samstag um 9.53 und 14.17 Uhr und am Sonntag um 10.18 und 14.02 Uhr.

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