1000 Seiten auf dem Weg zur Wahrheit Gammelfleisch: Experten legen Gutachten vor
Memmingen. Tag neun im Memminger Gammelfleischprozess. Auf der Suche nach der Wahrheit setzt das Landgericht jetzt auf ein 1000 Seiten starkes Gutachten.
Arbeit. Reichlich Arbeit sogar wartet auf die Beteiligten im Memminger Gammelfleischprozess. Vor dem dortigen Landgericht muss sich, wie berichtet, der frühere Geschäftsführer des Illertisser Kühlhauses Kollmer verantworten. Gestern fand in Memmingen Verhandlungstag Nummer neun statt. 1000 Seiten stark ist ein Gutachten, das die Prozessbeteiligten in den kommenden drei Wochen in Augenschein nehmen und auswerten müssen. Das umfangreiche Werk, erstellt von Computer-Fachleuten des Landesamts für Lebensmittelschutz in München, wimmelt nur so von Zahlen. Das Gutachten, so die Hoffnung des Gerichts, soll einen entscheidenden Beitrag zur Wahrheitsfindung leisten. Es soll klären, ob es in dem Illertisser Kühlhaus wirklich Unregelmäßigkeiten im Geschäftsablauf gab, die wiederum auf illegale Machenschaften schließen lassen.
Dem ehemaligen Kollmer-Chef werden schwere Verstöße gegen das Lebensmittelhygiene-Gesetz und Betrug in 15 Fällen vorgeworfen. 2004 soll der heute 45-Jährige laut Anklage mehr als 300 Tonnen ungenießbares Fleisch an Lebensmittelbetriebe im Ausland verkauft haben. Still und heimlich. Der Angeklagte bestreitet sämtliche Vorwürfe.
Er hat allerdings schon vor Wochen eingeräumt, dass in seinem Unternehmen mit einer veralteten elektronischen Datenerfassung gearbeitet wurde. Mit dieser EDV habe man Warenströme "leider nur unzureichend" zurückverfolgen können. Das heißt: Es sei nicht immer klar gewesen, was ein- und ausgebucht wurde. Daten jedoch seien niemals manipuliert worden. Es habe bei Kollmer keine illegalen Praktiken gegeben, die dort verschleiert worden seien.
Der nächste Prozesstag findet am Freitag, 5. März, statt. Dann werden die Daten-Experten vom Lebensmitteschutz ihr Gutachten vor Gericht erläutern. Ob die umfangreichen Ausarbeitungen tatsächlich dazu beitragen, der Wahrheit auf die Spur zu kommen, ist völlig offen.
Info
Das Landgericht Memmingen hat drei weitere Verhandlungstage angesetzt: jeweils freitags 5., 12. und 19. März, 8.30 Uhr. Ob am 19. März ein Urteil gesprochen wird, ist nach Angaben des Gerichts unklar.
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Autor: CARSTEN MUTH | 13.02.2010
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