100 Quadratmeter Freiheit auf der Schwäbischen Alb

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Sind glücklich auf dem Campingplatz Heidehof in Machtolsheim: Kurt und Biggi Völkel vor ihrer Parzelle. Sie sind Dauercamper und kommen auch im Winter immer wieder auf den Platz.  Foto: 

Auf der Schwäbischen Alb hat das Glück eine Nummer: die 771. Auf Parzelle 771 des Campingplatzes Heidehof bei Laichingen-Machtolsheim haben sich Kurt und Birgitta („auf dem Platz nennt man mich Biggi“) Völkel ihr kleines Paradies geschaffen: ein Campingwagen, zwei kleine Holzhütten und ein überdachter Sitzplatz, insgesamt nicht mehr als 40 Quadratmeter Wohnfläche. Klein aber ausreichend. „Je weniger Platz man hat, desto weniger muss man putzen“, sagt Biggi Völkel grinsend.

Seit über 20 Jahren kommt das Ehepaar auf den Campingplatz auf der Schwäbischen Alb, inzwischen sind beide über 60 und im Ruhestand. Seitdem sind sie häufiger auf der Parzelle 771 in Machtolsheim zu finden als in der heimischen Wohnung in Stuttgart-Vaihingen. Auf der Alb fühlt sich das Ehepaar deutlich wohler als in der Großstadt. „Hier ist die Luft viel besser und die Umgebung deutlich ruhiger“, sagt Biggi Völkel. Ihr Mann schätzt vor allem die vielen Vögel, die in den Wäldern rund um den Campingplatz leben. Jeden Morgen steht er um kurz vor sechs Uhr auf und geht erst einmal „in die Pampa“ um Milane, Habichte und Wanderfalken zu beobachten. Danach geht es wieder auf die Parzelle – zum Frühstück mit Ehefrau Biggi. „Urlaub eben“, sagt der 63-Jährige.

Mit Campingurlaub im klassischen Sinne hat das Reich der Familie Völkel aber nicht mehr viel zu tun. Bewegt wurde ihr Wohnwagen schon seit vielen Jahren nicht mehr, die Holzhütten stehen fest an ihrem Platz, der Weg zur Eingangstüre ist längst gepflastert. Auch innen hat die Hütten-Wohnwagen-Kombination vieles von einer ganz normalen Wohnung. Die Wände sind mit Holz vertäfelt, auf dem Boden hat Kurt Völkel Laminat verlegt. Fernseher, Musikanlage, Telefon, Herd und Spüle – alles findet auf den 40 Quadratmetern Wohnfläche seinen Platz. Nur eine Spülmaschine haben die Völkels nicht.

Aber ist es im Winter nicht viel zu kalt, um zu campen? „Wenn man daheim nicht heizt, ist es dort auch kalt“, antwortet Kurt Völkel. Drei Heizkörper, die mit Gas betrieben werden, sorgen dafür, dass die Hütten und der Wohnwagen schön warm werden, die Außenwände der Konstruktion sind außerdem mit Steinwolle isoliert. „Da wird es manchmal sogar zu warm“, sagt Kurt Völkel.

Auf dem Campingplatz fühlen sich die beiden Stuttgarter freier als in der Stadt. „Hier gibt es keine Pflichten und kein Muss“, sagt Biggi Völkel. Auf dem Platz mache sogar das Schneeschippen Spaß. Und auch das Sozialgefüge ist dort ein ganz besonderes. Es treffen sich die verschiedensten sozialen Schichten. „Vom Sozialfall bis zum Porschefahrer kam alles schon vor“, sagt Herbert Kuttner, Geschäftsführer des Campingplatzes. Auf dem Platz sind aber alle gleich: „Hier ist jeder per Du, da spielt der Professorentitel keine Rolle mehr“, sagt Biggi Völkel.

Unter Campern hilft man sich

Überhaupt scheint der Umgang unter den Campern sehr vertraut, man kennt sich und hilft sich im Notfall. „Da wird auch mal der Nachbar ins Krankenhaus gefahren“, sagt Kurt Völkel. „Wir sind hier eine große Familie“, sagt auch Herbert Kuttner. Für das Ehepaar Völkel ist das ein weiterer Grund, so viel Zeit wie möglich auf dem Campingplatz zu verbringen. Beide empfinden die Nachbarschaft in der Großstadt als anonym, oft wisse man nicht einmal den Namen des Nachbarn. „Da redet niemand mehr miteinander“, sagt Kurt Völkel. Anders auf dem Campingplatz. Da sei immer Zeit für einen Plausch mit den Nachbarn, man grüße sich und frage vor dem Einkaufen, ob der Nachbar etwas brauche.

Die Welt ist eben noch in Ordnung auf Parzelle 771 in Laichingen-Machtolsheim.

Campingplatz

Rund 20 Hektar groß ist der Campingplatz Heidehof in Laichingen-Machtolsheim. 900 Stellplätze stehen für Dauercamper zur Verfügung, davon sind knapp 800 im Moment vermietet. Außerdem sind zwischen 200 und 300 Plätze für Saisonbesucher reserviert. Die Mehrheit der Gäste verbuchen die Betreiber in den Sommermonaten aber auch in den Wochen zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag ist der Platz gut besucht.

Weihnachten

An Heiligabend erwartet der Campingplatz nur wenige Gäste, an den Tagen danach füllt sich der Platz dann aber. „Über Silvester kommen üblicherweise viele Dauergäste“, sagt Geschäftsführer Herbert Kuttner.

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