100 Jahre Sport in Wain

"100 Jahre Sport in Wain": Dieses Jubiläum in der Weihungsgemeinde wird 2020 mit einer besonderen Aktion gewürdigt. Es erscheint ein Buch, in dem viele Zeitzeugen zu Wort kommen. Autor ist Harald Kächler.

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Ernst Blattert (links) und Harald Kächler engagieren sich für das Buch-Projekt "100 Jahre Sport in Wain".  Foto: 

Fußballvereinsheime, Umkleidekabinen? So was gab es früher nicht. "Im Kuhstall haben wir uns umgezogen zu den Spielen", erinnert sich Rudolf Braunger. Als Dusche tat es ein Eimer mit kaltem Wasser. Lore Obrist, die damals noch Bopp hieß, erzählt von ganz frühen Wainer Turnfesten, als jede Familie ein paar Turnkinder mit nach Hause zum Mittagessen nahm.

Adolf Fuchsschwanz hingegen ist ein Erlebnis in Erinnerung geblieben, das vor vielen Jahren einer Golfpartie im wahrsten Wortsinn im Weg stand: Es war ein Bulle, ganz offensichtlich stinkesauer über derartigen Umtrieb in seinem Hoheitsgebiet.

Keiner der anwesenden Städter wusste, wie dem angsteinflößenden Rindvieh beizukommen war. Wie der frühere Laupheimer Notar doch noch in den Genuss seiner geliebten Runde auf dem Golfplatz Reischenhof kam, das wird in fünf Jahren vermutlich in einem Buch nachzulesen sein, das an "100 Jahre Sport in Wain" erinnert.

Dieses ehrgeizige Projekt treiben zwei Männer voran, die sich augenscheinlich gut verstehen. Beim Pressegespräch berichten sie über eine perfekte Aufgabenteilung und viel Spaß an diesem neuen ehrenamtlichen Engagement: Die Rede ist von Ernst Blattert, zuständig für das Organisatorische, sowie von Harald Kächler, von dem das geschriebene Wort kommt.

Beide sind in Wain keine Unbekannten. Blattert als waschechter Wainer sowieso, der nicht nur viele Jahre Chef der häwa, des größten Arbeitgebers am Ort war, sondern auch TSV-Mitglied seit seinem 15. Lebensjahr und bis jetzt dort noch Funktionär. Blattert ist auch jener Mann, der das Brunnenfest initiierte, den Golfclub vor bald 20 Jahren gründete und dem Verein als Präsident bis heute vorsteht.

Harald Kächler, den Historiker aus der Nachbargemeinde Balzheim, kennt jeder, weil der Gymnasiallehrer das Heimatbuch schrieb und weil aus seiner Feder auch Theaterstücke für und über Wain und die Partnergemeinde Arriach in Kärnten stammen. "Ich habe schon seit jeher eine enge Beziehung zu Wain", sagt Kächler, der auch verwandtschaftliche Bande nach Arriach hat.

Vergangenes Jahr ging die Vorstandschaft des TSV auf ihren 80-jährigen Ehrenvorsitzenden zu mit einem besonderen Anliegen. Das Jahr 2020, wenn der Turn- und Sportverein 100 Jahre alt werde, wolle man nicht einfach so verstreichen lassen.

Das sah Blattert genauso so, aber: "Eine normale Chronik, wie sie jeder Verein zu solchen Jubiläen auflegt, das gibt es mit mir nicht", stellte er gleich mal klar. Etwas Besonderes solle es sein: ein Buch über den Sport in der Gemeinde, verfasst von einem Fachmann, stellte er seine Idee zum Jubiläum vor und fand Gefallen damit.

Auch sein Wunschpartner Harald Kächler zögerte keinen Augenblick. "Ich mache das gern ehrenamtlich, weil die Gemeinde und ihre Vereine meine Arbeit immer anerkennen", sagt er. Und weil neben dem Golfclub auch der 1993 gegründete Tennisclub bei der Geschichte mitmacht, war die Sache recht schnell in trockenen Tüchern.

Der Sport, so weiß der Historiker Kächler, spielte in der Weihungsgemeinde Wain erst später als anderorts eine Rolle. Außer klassischem Schulsport gab es in dem strenggläubigen evangelischen Dorf bis 1920 eigentlich keinerlei sportliche Ertüchtigung, während keine fünf Kilometer weiter in Dietenheim bereits 50 Jahre zuvor ein Turnverein aus der Taufe gehoben worden. Fußball wurde bei den Wainern gar erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein Thema. Denn: "Der Fußball galt als ungehobelt, während das Turnen als edle Sportart angesehen wurde", erzählt der 60-Jährige.

Seit Wochen ist Kächler zusammen mit Blattert unterwegs, um wichtige Zeitzeugen zu interviewen. 50 Männer und Frauen stehen auf der Liste, manche bereits weit in den Achzigern. "Es ist wichtig, zu hören, was diese Menschen zu erzählen haben, bevor das alles verloren geht", meint Kächler. Bisher seien alle Gespräche "höchst interessant", verlaufen. "Man meint, man weiß schon alles. Stimmt nicht. Es gibt immer wieder neue, schöne Anekdoten und Erkenntnisse."

Kächlers Philosophie ist es, den Rückblick auf die Geschichte mit den persönlichen Geschichten der Menschen erlebbar zu machen. So hält er es auch in seinem neuen Buch.

Keine Frage: Die drei Sportvereine bekommen eigene, entsprechend große Kapitel. Viel Platz einnehmen werden darüber hinaus die vielen Fotos von anno dazumal, die Blattert, Kächler und die Zeitzeugen schon jetzt zusammengetragen haben. "100 Seiten werden nicht reichen", schätzt Kächler den Umfang ein - denn noch warten mehr als 20 Zeitzeugen darauf, ihrem aufmerksamen Gesprächspartner aus Balzheim zu erzählen, wie der Sport in Wain früher einmal war.

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