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Autor: BIRGIT EBERLE, 26.01.2013
Ulm:Wenn die Psyche krank ist, können sogar alltägliche Aufgaben zur Qual werden. Der Reha-Verein für soziale Psychiatrie unterstützt psychisch Kranke auf vielfältige Weise dabei, mit ihrem Leben klarzukommen.
Mit dem Begriff Krankheit verbindet man meist physische Gebrechen, dabei können gerade psychische Störungen gravierende Auswirkungen haben. Sie sind weit verbreitet: Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO leidet weltweit jeder vierte Arztbesucher daran. Deutsche Studien (Quelle: wikipedia) sprechen von etwa acht Millionen Deutschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen. Sie gehören demnach zu den häufigsten Beratungsgründen in allgemeinmedizinischen Praxen.
Psychische Auffälligkeiten haben ein breites Spektrum: Sie reichen von der Essstörung über Ängste und Zwänge bis zu Traumata, die zum Beispiel die Folgen sexuellen Missbrauchs oder von Folter sein können.
"Früher sind die Menschen irgendwo draußen in der Psychiatrie behandelt worden. Das Ziel unseres Vereins ist es, sie im bisherigen Lebensumfeld zu behalten", sagt Heiner Schrottenbaum, Geschäftsführer des Reha-Vereins für soziale Psychiatrie Donau-Alb, der vor 32 Jahren gegründet worden ist.
Ob soziale, medizinische oder berufliche Rehabilitation: Der Verein betreibt in Ulm und Heidenheim diverse Einrichtungen und Dienste, die psychisch Kranken dabei helfen, so weit wie möglich auf eigenen Beinen zu stehen und ein zufriedenes Leben zu führen. Die Hilfe reicht vom Gemeindepsychiatrischen Zentrum (GPZ) in der Bleichstraße bis zum ambulant betreuten Wohnen. Der Verein hat in Ulm und Heidenheim rund 160 Mitarbeiter.
"Die meisten Menschen, die zu uns kommen, werden bereits medizinisch behandelt", sagt Monika Balint Assistentin der Geschäftsführung des Reha-Vereins. Es gehe nun darum, sie individuell zu unterstützen, Defizite auszugleichen und die Wiedereingliederung zu fördern. Ist es im einen Fall damit getan, dass Briefe und Rechnungen des Hilfsbedürftigen in geordnete Bahnen gelenkt werden, werden andere psychisch Kranke im stationären Rahmen rundum versorgt. "Ganz wichtig ist, dass die Menschen ihr Problem akzeptieren", betont Monika Balint. Das sei der erste Schritt, um mit dem Problem leben zu können.
Wer zwanglos mit dem Reha-Verein in Kontakt kommen möchte, besucht die Cafeteria des GPZ. Das unter anderem mit finanzieller Hilfe der Aktion 100 000 umgebaute Zentrum bündelt Angebote von der Tagesstätte für Psychiatrieerfahrene bis zur Beratung durch den Sozialpsychiatrischen Dienst und die Psychiatrische Institutsambulanz der Uniklinik. Die Tagesstätte ist Treffpunkt und Beschäftigungsort zugleich: Zum Gewöhnen an einen geregelten Arbeitsalltag werden kleine Montagearbeiten ausgeführt und wird Nützliches aus Holz gefertigt.
Wie groß die Bandbreite der Hilfe durch den Reha-Verein ist, zeigt das seit Anfang 2011 laufende Projekt in der Gärtnerei Röder. Es integriert psychisch Kranke auch durch die Arbeit mit Pflanzen und das Kerzenziehen ins Berufsleben. Ein Zuschuss der Aktion 100 000 und Ulmer helft sichert das Projekt auch künftig ab.