"Wir sagen vielen Dank!"

Ulm.  In den Wochen vor Weihnachten haben wir ihr Schicksal jeweils samstags auf der Aktions-Seite ausführlich erzählt: Wenigstens finanziell konnte den Familien und einem Obdachlosen nun geholfen werden.

Sie sind alle überpünktlich zur Spendenübergabe in das Foyer des Medienhauses in der Frauenstraße gekommen: Marica P. aus dem Alb-Donau-Kreis, das Ehepaar B., Isabella R. und Norbert N. aus Ulm, Rasit O. und Monika I. aus Neu-Ulm. Sie kennen einander nicht, haben jedoch eines gemeinsam: Sie brauchen Hilfe von außen, um ihre schwierige Situation zu entschärfen. Zaghaft laufen unter den Aktion 100 000 und Ulmer helft-Gästen erste Gespräche an. "Ach ja, davon habe ich gelesen. Wie geht es ihrem Sohn?" wird Monika I. gefragt, die Mutter von Luca, der seit vier Jahren im Wachkoma liegt. Dann die bange Frage an die Redakteurin, die zugleich eine Bitte ist: "Sie schreiben aber den Nachnamen nicht voll aus. Das wäre schlimm für unsere Kinder", sagt eine Frau. Ein anderer sagt darauf, "aber zur Not kann man doch stehen".

Aktion 100 000 und Ulmer helft-Organisationsleiter Karl Bacherle macht bei der Scheckübergabe klar, dass die Menschen mit dem Geld auch ihre strapazierte Seele verwöhnen sollen. "Tun sie sich etwas Gutes und denken sie an die vielen Menschen, die ihnen das Geld gerne zur Verfügung gestellt haben, im Glauben, dass ihnen damit geholfen ist", betont er.

Der Mann von Marica P. ist seit vier Jahren ein Pflegefall. Auf der Mutter von neun Kindern lasten mittlerweile rund 30 000 Euro Pflegeschulden. Marica P. öffnet den Umschlag - und atmet erleichtert auf, als sie die Summe entdeckt. Ihr großes finanzielles Problem ist dank der großzügigen Spenden auf einen Schlag deutlich kleiner geworden.

Die Schecks sind schon längst eingesteckt, und die Runde sitzt immer noch beisammen, in nicht enden wollende Gespräche vertieft. Eine Schicksalsgemeinschaft, die schnell verbindende Themen gefunden hat. Monika I. tauscht mit Rasit O. Erfahrungen darüber aus, welche Firma das Familienauto am besten behindertengerecht umbaut. Rasit O., dem das Tragen seines zwölfjährigen behinderten Drillings-Sohnes immer schwerer fällt, sucht Kontakt zu Isabella R. Ihre Tochter ist ebenfalls behindert. Ihr gemeinsames Thema: Beide suchen eine geeignete Wohnung für sich und ihre behinderten Kinder. "Lange kann ich meinen Sohn nicht mehr tragen", sagt Rasit O. mit einer Spur Resignation in der Stimme. Isabella, nur 1,52 Meter klein, tut sich mit ihrer vierjährigen Tochter jetzt schon schwer.

Plötzlich meldet sich der kranke Rentner Siegfried B., der bis dahin nur aufmerksam zugehört hat, zu Wort: "Wir sagen vielen Dank an alle, die uns geholfen haben. Es ist schön, dass es Leute gibt, die für den anderen etwas übrig haben."


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Autor: BIRGIT EBERLE | 04.02.2012

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