Ratschlag in aller Ruhe

Ulm.  Die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung hilft nicht nur im Konfliktfall. Das Team ist kompetenter Ansprechpartner rund um Schwangerschaft, Geburt und die Babybetreuung.

Schwangerschaftsberatungsstelle? Wer dieses Wort hört, verbindet es hauptsächlich mit dem Gedanken, dass dort Frauen Hilfe suchen, die sich nicht sicher sind, ob sie ihr Ungeborenes behalten wollen. Doch dem ist nicht so.

Natürlich stehen die neun festangestellten Mitarbeiterinnen und eine Honorarkraft den Frauen zur Seite, die diese schwere Entscheidung vor sich haben. Dies ist aber nur ein Teilbereich: Die Beratungsstelle ist für viele Aspekte rund um das Thema Familie da - von der Empfängnisverhütung über Schwangerschaft, pränatale Diagnostik, Geburt, Familienplanung bis zum unerfüllten Kinderwunsch. Dabei werden nicht nur Frauen, sondern auch Männer und Paare kostenfrei mit Ratschlägen versorgt.

Die Hilfe ist nicht nur pädagogischer Natur. Auch rechtliche, finanzielle und medizinische Fragen, die mit der Schwangerschaft und den ersten drei Lebensjahren eines Kindes zu tun haben, werden beantwortet. "Unser Team setzt sich aus Sozialpädagoginnen, einer Medizinerin, einem Erzieher und Sexualpädagogen zusammen. Auch juristische und seelsorgerische Hilfe können wir vermitteln", sagt Margarita Straub, Diplom-Pädagogin und Leiterin der Beratungsstelle. Rund 2000 Gespräche werden jährlich geführt, für die sich die Mitarbeiterinnen jeweils die nötige Zeit und Ruhe nehmen, die die Ratsuchende benötigt. Apropos Ratsuchende: Rund ein Drittel der Frauen - die Hauptklientel ist zwischen 25 und 35 Jahre alt - wird jeweils vom Partner begleitet. Die Frauen kommen aus Ulm, dem Alb-Donau-Kreis und dem Raum Neu-Ulm.

Die staatlich anerkannte Beratungsstelle existiert seit 35 Jahren und finanziert sich hauptsächlich aus Mitteln des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Ulm und des Alb-Donau-Kreises. Auch Stiftungsgelder und Spenden fließen mit ein, wie zum Beispiel die von der Aktion 100 000 und Ulmer helft. "Das betrifft die Einzelfallhilfe. Bei besonderen Notlagen können wir dank des Spendentopfes schnell reagieren", erzählt Margarita Straub.

Jeder Fall ist anders. Manchmal reicht eine kurze einmalige Beratung, manchmal ist eine längere Begleitung nötig. Wie zum Beispiel im Fall einer jungen Frau, Mitte 20, verheiratet. Sie hatte bereits einen dreijährigen Sohn und war mitten in einer Ausbildung, als sie ungewollt schwanger wurde. Die Familie hatte Schulden, der Ehemann verdiente wenig, außerdem gab es zwischen den Partnern Spannungen. Die Frau entschied sich für das Kind, die Beratungsstelle half, eine Schuldenregulierung zu starten, bei der ein ehrenamtlicher Schuldnerbegleiter eingesetzt wurde. Die schwierige Situation konnte entschärft werden: Man half bei der Baby-Erstausstattung, es gab auch Paargespräche, und nach der Geburt konnte eine sozialpädagogische Familienhilfe vermittelt werden. Heute sind die Kinder zwei und sechs Jahre alt, die Frau hat ihre Ausbildung beendet und arbeitet Teilzeit in ihrem Beruf. Zwar ist die Schuldenregulierung noch nicht abgeschlossen, aber die Situation der Familie insgesamt stabil.

Zum Programm der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung gehören auch Projekte, mit denen das Team nach draußen geht, wie etwa "Eltern auf Probe": Mittels eines "Babysimulators" - einer Puppe, die die Bedürfnisse eines Babys möglichst realistisch zeigt - verdeutlicht es Schülern die Verantwortung, für ein Kind zu sorgen.


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