INTERVIEW
Wer kritisch konsumiert, sollte Coca-Cola meiden!
Alle trinken Coca Cola, ohne groß darüber nachzudenken. SollIe man aber, meint die Ulmer Dekanatsjugendreferentin Anja Grießhaber vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Der BDKJ ruft zum Boykott der Firma auf.
Warum boykottiert der BDKJ die „Coca-Cola“-Produkte?
Anja: „Es gibt schon seit einigen Jahren eine große Kampagne im „BDKJ“ die heißt „kritischer Konsum“ und wir möchten als katholische Jugendverbände darauf aufmerksam machen, dass man nicht wahllos und ohne darüber nachzudenken alles konsumiert. Wir möchten, dass man die Augen aufmacht für 'Was konsumiere ich?' und 'Was kaufe ich ein?'. Im Rahmen dieser Kampagne findet der „Coca-Cola“-Boykott statt. Es wird dadurch einfach konkreter.“
Und warum speziell „Coca-Cola“?
Anja: „Bei Coca-Cola gab es einige Anhaltspunkte in den Praktiken und im Umgang mit seinen Mitarbeitern, die der BDKJ so nicht still schweigend hinnehmen wollte und fordert deshalb eine öffentliche Distanzierung von Gewalt gegen Gewerkschafter, die Aufklärung von Mord- und Bedrohungsfällen und die Prüfung aller Anlagen auf ihre Neutralität im Bezug auf Wasserverbrauch und die Verschmutzung von Böden und Grundwasser. Damit will der BDKJ für den kritischen Umgang mit allen Produkten und Dienstleistungen sensibilisieren, für deren Herstellung und Erbringung Menschenrechte verletzt und Umwelt zerstört wird.“
Wie seid ihr bei euren Boykott vorgegangen?
Anja: „Es wurde deutschlandweit in der Hauptversammlung 2007 beschlossen „Coca-Cola“ zu boykottieren, um das dann in den Diözesanverbänden bis in jede einzelne Gruppierung vor Ort in verschiedenen Aktionen und Projekten umzusetzen.“
Wie reagierte der Konzern auf eure Forderungen und hat sich seither etwas geändert?
Anja: „Es gab Gespräche zwischen dem „BDKJ“-Bundesvorstand und „Coca-Cola Deutschland“. Im Rahmen dieses Dialogs konnten erfreulicherweise einzelne Erfolge erzielt werden. Leider ist dennoch festzustellen, dass sich die grundsätzliche Unternehmenspolitik der Coca-Cola Company, auch im Hinblick auf die Umsetzung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt in Kolumbien und Indien nicht wesentlich verändert hat. In Indien ist die Lage so, dass trotz einiger begrüßenswerter technischer Maßnahmen, insbesondere innerhalb der Coca-Cola Abfüllanlagen, sich die Situation nicht ausreichend verändert hat. Die Bevölkerung in den Gebieten von Abfüllbetrieben ist weiter von akutem Wassermangel sowie von der Verschmutzung der Böden betroffen und macht Coca-Cola dafür verantwortlich. Im August 2008 wurde eine weitere Coca-Cola Abfüllanlage aufgrund der Proteste der lokalen Bevölkerung sowie Gerichtsurteilen und Studien zu Umweltverschmutzung und illegaler Landnutzung geschlossen.“
Hintergrund dieser Kampagne ist ja der kritische Konsum. Nach welchen Kriterien richtet ihr euch beim Einkauf für Jugendfreizeiten, etc.?
Anja: „Es gibt vier Schlagworte, die für dieses Thema stehen: regional, saisonal, fair und biologisch. Regional ist klar – wir unterstützen die regionalen Bauern. Wenn wir zum Beispiel auf Ferienfreizeiten oder Kurse fahren, dann schauen wir, ob beispielsweise die Äpfel oder Kartoffeln vom Bauernhof von nebenan bezogen werden können. Prinzipiell sagen wir immer, wir möchten deutsche oder regionale Produkte nutzen. 'Saisonal' heißt eben, dass nur das Obst oder Gemüse eingekauft wird, das es zur Zeit auch gibt, ich muss nicht im Dezember Erdbeeren essen. 'Biologisch': Es gibt ja ganz viele Produkte, wo auf Gentechnik verzichtet wird. Viertens: 'Fair'. Das ist das Beispiel mit der Milch: Wir schauen, dass faire Milchpreise bezahlt werden für die Bauern, die die Milch produzieren. Wir möchten auf unseren Veranstaltungen die Milch verwenden, ausschenken und trinken, für die eben auch ein fairer Milchpreis bezahlt wurde.“
Betrifft das nur den Einkauf für den „BDKJ“ oder hat dich dieser Funke auch schon privat ergriffen?
Anja: „Tatsächlich hat es mich auch schon privat ergriffen (lacht). Nicht voll und ganz, aber ich mache mich ja auch ein bisschen unglaubwürdig, wenn ich immer sage 'Das ist ganz, ganz wichtig.' und daheim habe ich dann Kartoffeln aus Übersee da liegen.“
Wie können sich die jungen Konsumenten für die Wahrung der Menschenrechte und den Erhalt der Natur einsetzen?
Anja: „Wir jungen Menschen sind doch so helle im Kopf, wir müssen es allen anderen auch noch bewusst machen, dass es wichtig ist, die Natur zu schützen, weil wir diese Welt nur einmal haben und wir sollten das Bestmöglichste dafür tun. Dass vieles gerade in eine andere Richtung läuft, weiß jeder, zum Beispiel, dass es einen Klimawandel gibt. Es gibt im Internet auch ganz tolle Seiten, wo man sich informieren kann, zum Beispiel über Kleidung: Wie wird sie produziert? Haben da Kinder an meiner Jeans gearbeitet oder wurde die unter fairen Bedingungen produziert? Das sind Dinge, mit denen auch ich mich ganz offen auseinandersetze und nicht alles kaufe, sondern mir vorher meine Gedanken dazu mache. Meiner Meinung nach sollten das alle jungen und älteren Menschen tun.“
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Autor: Carmen Leimann | 06.07.2010
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