DER LITERARISCHE SONNTAG
Verdrängung
Taugt ihr zum Schriftsteller, fließt euch die Poesie einfach so aus der Feder? Dann verfasst einen Beitrag für unsere Rubrik "Der literarische Sonntag". Ob Kurzgeschichten, Gedichte, Essays oder Märchen - schickt uns eine E-Mail mit euren Texten an jungesulm@swp.de
Du sitzt da. Die Hände zu Fäusten zusammengeballt, innerlich kochend sitzt du da und wirfst mit Blicken um dich, die vielleicht nicht töten können, aber es zumindest versuchen. Vollkommen angespannt, kein Körperteil regt sich, doch in deinem Inneren ist sehr wohl Bewegung und deine Gedanken rasen durch dein Gehirn, unglaublich schnell und wirr und kreuz und quer und dieses Gefühl zehrwühlt dein ganzes Sein. Erinnerungen schießen durch deinen Kopf, jede schlimmer als die vorherige. Spott, Hohn, breites Gelächter. Alles, jeder Schmerz, jedes Gefühl wird von dir noch einmal erlebt, von vorne bis hinten und wieder zurück, einmal, zweimal, dreimal, du zählst gar nicht mehr mit.
Du fühlst dich verlassen. Vollkommen alleine, niemand an deiner Seite und langsam beginnst du zu weinen. Die Tränen laufen deine Wangen entlang, ein nicht enden wollender Fluß bricht hervor, strömt ins Tal und hinterlässt in dir ein Gefühl der Leere. Eine Leere, die für dich noch schlimmer ist als all diese Erinnerungen und die Gedanken daran, dass nichts so läuft wie es soll und dass alles so ist, wie es ist. Ohne dich jemals gefragt zu haben ist es einfach so geworden, so geblieben und jetzt zerreibt es dich stetig, mit unglaublicher Disziplin, langsam wie ein riesiges Rad, das dich unter sich begräbt.
Und dann schaust du auf. Schaust auf und siehst mich an, mit einem Blick der mir zeigt, dass du weißt, wie es wirklich ist. Du weißt, dass alles von dir nicht einfach noch einmal erlebt wird, von vorne bis hinten und wieder zurück. Du weißt, dass es nicht so ist, sondern dass du es wieder und wieder erleben willst, ja dass du mit aller Kraft in dich dringst und versuchst es einmal, zweimal, dreimal in deine Gedankenwelt zu zwingen, stets darauf bedacht, bei jedem Mal noch mehr zu leiden. Du weißt, dass du nicht alleine bist. Nein, du bist nicht allein und du willst nicht alleine sein. Aber du versuchst, es zu wollen. Du versuchst es, denn du brauchst diesen Schmerz, dieses Leid, das tief in dir steckt, und du lässt dich davon verzehren. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug, Herzschlag für Herzschlag, alles darauf gerichtet diesen Gedanken, dieses Wissen zu unterdrücken. Dieses Wissen, dass jeder Mensch Fehler hat. Und dieses Wissen, dass die Schuld nicht bei den anderen liegt.
Du fühlst dich verlassen. Vollkommen alleine, niemand an deiner Seite und langsam beginnst du zu weinen. Die Tränen laufen deine Wangen entlang, ein nicht enden wollender Fluß bricht hervor, strömt ins Tal und hinterlässt in dir ein Gefühl der Leere. Eine Leere, die für dich noch schlimmer ist als all diese Erinnerungen und die Gedanken daran, dass nichts so läuft wie es soll und dass alles so ist, wie es ist. Ohne dich jemals gefragt zu haben ist es einfach so geworden, so geblieben und jetzt zerreibt es dich stetig, mit unglaublicher Disziplin, langsam wie ein riesiges Rad, das dich unter sich begräbt.
Und dann schaust du auf. Schaust auf und siehst mich an, mit einem Blick der mir zeigt, dass du weißt, wie es wirklich ist. Du weißt, dass alles von dir nicht einfach noch einmal erlebt wird, von vorne bis hinten und wieder zurück. Du weißt, dass es nicht so ist, sondern dass du es wieder und wieder erleben willst, ja dass du mit aller Kraft in dich dringst und versuchst es einmal, zweimal, dreimal in deine Gedankenwelt zu zwingen, stets darauf bedacht, bei jedem Mal noch mehr zu leiden. Du weißt, dass du nicht alleine bist. Nein, du bist nicht allein und du willst nicht alleine sein. Aber du versuchst, es zu wollen. Du versuchst es, denn du brauchst diesen Schmerz, dieses Leid, das tief in dir steckt, und du lässt dich davon verzehren. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug, Herzschlag für Herzschlag, alles darauf gerichtet diesen Gedanken, dieses Wissen zu unterdrücken. Dieses Wissen, dass jeder Mensch Fehler hat. Und dieses Wissen, dass die Schuld nicht bei den anderen liegt.
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Autor: MORITZ CLAUß (18) | 25.04.2010
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