SPORT IN DER STADT (3/8)

Ultimate Frisbee: Die fairste aller Sportarten

Zwei Teams, ein Spielfeld und ein Frisbee: Viele kennen die runde Flugscheibe nur als Werbegeschenk - das Ulm-Teammate nutzt sie für eine relativ unbekannte Sportart: Ultimate Frisbee.

Sieben Mann, nebeneinander aufgestellt in Reih und Glied. Gegenüber das gleiche Bild. Dazwischen mehr als 60 Meter Entfernung. Los geht’s: Team A greift an. Einer hat das Frisbee, die anderen rennen aufs Feld, wo sie vom verteidigenden Team B gedeckt werden. Ein Angreifer sprintet los. Derjenige mit dem Frisbee hat’s bemerkt, wirft die Flugscheibe und der 30-Meter-Pass glückt.

Attacke!!!

Inzwischen ist ein Verteidiger nachgerückt und baut sich vor dem Fänger auf. Sternschritt, Körpertäuschung und ein blitzschneller Wurf aus dem Handgelenk. In kurvenförmiger Bahn fliegt das Frisbee über das gesamte restliche Spielfeld bis in die dahinter liegende Endzone, dem Zielbereich. Ein Mitspieler hat’s gecheckt, ist losgerannt. Mit letzter Kraft hechtet er nach der Wurfscheibe, fängt diese und fällt damit zu Boden. 1:0 für Team A! Denn nur wenn das Frisbee in der Endzone gefangen wird, zählt der Punkt – wie beim Football: Dann darf Team B angreifen. So sieht eine typische Spielszene im Training des Ulm-Teammate aus. Mittwochs um 18 Uhr trifft sich die Mannschaft auf dem Fußballfeld am Bundeswehrkrankenhaus, um dort Ultimate Frisbee zu spielen.

Körpereinsatz ist gefragt...
Frisbee Team in der Friedrichsau
                     ... bei diesem Hecht wird sogar Boris Becker neidisch!

Frauen dürfen immer mitspielen

Heute ist allerdings nur ein Fünf-Gegen-Fünf-Match drin, weil nicht alle da sind. Egal: Zwölf Jungs und ein Mädchen haben sich auf dem satten Grün eingefunden, dehnen sich, machen sich warm und werfen die Frisbee hin und her. Geschlechterunterschiede seien beim Ultimate Frisbee kein Problem, sagt Jork Manske (24) vom Ulm-Teammate: „Es gibt zwar eigene Damenturniere, aber sonst dürfen die Frauen auch bei offiziellen Wettbewerben mit den Männern zusammenspielen.“ Was Mädels noch interessieren dürfte: Ultimate Frisbee gilt als fairste Sportart der Welt. „Fairplay ist die oberste Regel“, sagt Jork. „Der so genannte Spirit of the Game.“

Spieler sind ihr eigener Schiri

Spieler dürfen nicht körperlich attackiert werden und einen Schiedsrichter gibt es erst gar nicht. Fouls kommen natürlich vor, aber das wird von den Beteiligten selbst geklärt: Entweder einigen sich die Kontrahenten oder der Wurf wird wiederholt. Ultimate Frisbee ist der perfekte Schulsport“, sagt Teamkollege Julian Schelling (23): „Nicht nur wegen des Fairnessgedankens und der geringen Verletzungsgefahr, sondern auch, weil man sich viel bewegt, miteinander kommuniziert, taktisches Verständnis erlernt und schnell Fortschritte macht.“

Wurftechnik: Tipps vom Experten

Denn ein guter Wurf hat weniger mit Kraft als mit der richtigen Technik zu tun. Julian, wegen einer Bänderdehnung heute nur moralischer Unterstützer, ruft nach Stefan Grumbein (26). Stes, der beste Werfer im Team, soll’s vormachen. Kein Problem: Der Filigrantechniker ist schon da.

Der richtige Griff für Anfänger

„Für Anfänger ist der richtige Griff das A und O – besonders an der Unterseite“, sagt Stefan und dreht die Frisbee in der Hand. Während oben der Daumen aufliegt, sorgen unten in V-förmiger Stellung der Zeigefinger – ausgestreckt zum Scheibenmittelpunkt – und der Mittelfinger am Rand für Stabilität. Beim Werfen setzt Stefan ein Bein schwungvoll voran und holt gleichzeitig mit dem Wurfarm aus. Das Wichtigste allerdings, um Weite und Richtung zu bestimmen, sei das Abklappen des Handgelenks im richtigen Moment.

Mitspieler werden gesucht

Die gängigsten Wurf-Varianten: Vorhand, Rückhand, Überkopfwurf. Klingt schwer, aber: „Auch als blutiger Anfänger kommst du sehr schnell rein“, sagt Jork. „Wir freuen uns immer über neue Leute, auch über Nicht-Studenten“. Das Ulm-Teammate ist nämlich aus einer Hochschulsportgruppe entstanden. Mittlerweile fährt die Mannschaft aber auch regelmäßig auf Turniere. Dann mal viel Erfolg, liebe Mates!

Unser Fazit:
Deutschlands liebstes Werbegeschenk mal von einer anderen Seite erleben. Ultimate Frisbee macht Spaß, hält fit und ist nicht teuer. Eine gute Frisbee kostet im Handel zwischen 10 und 20 Euro. Auf kleinerem Feld mal was Neues für Parknachmittage mit Freunden.

Hast du auch ein ausgefallenes Hobby? Dann schick uns doch ein paar Fotos oder ein Video an acht9@swp.de



Ultimate Frisbee: Die Regeln in aller Kürze: 


Mannschaften: auf dem Außenfeld sieben gegen sieben, in der Halle fünf gegen fünf.

Spielfeld: offiziell 37 Meter breit und 100 Meter lang. Davon nehmen die Endzonen jeweils 18 Meter, das Hauptfeld 64 Meter ein (lässt sich mit weniger Leuten variieren).

Spielbeginn: Verteidigende Mannschaft wirft Frisbee zu Angreifern rüber (Übergabe).

Spielablauf: Spieler mit Frisbee darf nicht laufen, sondern nur einen Sternschritt (Standbein bleibt immer an einer Stelle) machen. Nach zehn Sekunden muss die Frisbee abgespielt sein (Verteidiger zählt laut an).

Foul: bei Körperkontakt. Disc-Space – Abstand so breit wie Scheibe – muss eingehalten werden.

Punktgewinn: Wenn Angreifer in Endzone das Frisbee fängt (Mannschaft mit Punktgewinn bleibt auf dieser Seite).

Scheibenwechsel: Wenn ein Pass abgefangen oder ein Punkt erzielt wird.

Spielende: offiziell nach 17 Punkten oder einer festgelegten Mindestpunktzahl.

Weitere Infos zum Ultimate Frisbee gefällig?


Wer's genau wissen will: Die Regeln nochmal ausführlich     
In Bild und Ton:  Videos zu den Spielregeln und zum Spielablauf
Die Offiziellen:  Deutscher Frisbee Sport-Verband (DFV)
Tabellen und Ranglisten: Die Ultimateligen
Übersicht behalten: Turniere und Vereine in der ganzen Welt

Alle Folgen der Sportserie gibt's unter www.swp.de/2010/sportinderstadt 


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Autor: CHRISTIAN IPPACH | 24.08.2010

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