SPORT IN DER STADT (6/8)
Slackline: Der Balance-Akt auf der Leine
Schritt für Schritt über ein Seil, das zwischen zwei Bäumen gespannt ist: Solche akrobatischen Einlagen sind in deutschen Parks keine Seltenheit mehr. Auch Sebastian Reger und Niklas Rodermund haben ihren Spaß daran. Auf acht9 erzählen sie über ihr Hobby: Slackline.
Ein bisschen Geschichte gefällig?
1960er Jahre: Was machen Kletterer im Yosemite Nationalpark (USA) an Regen- oder Ruhtetagen? Klettern geht nicht, Handys gibt's nicht und auf Pokern hat niemand Bock! Trotzdem wird es im Basislager nicht langweilig. Denn die Klettermaxe balancieren kurzerhand über Absperrketten und -taue an den Parkplätzen. Anfang der 80er Jahre kommen dann zwei kreative Geister, Adam Grosowsky und Jeff Ellington, auf die Idee, Klettermaterial für die Freizeitbeschäftigung zu nutzen: Die Geburtsstunde des Slacken, Slackline oder Slacklining.
Übers Klettern zum Slacken
Im Jahr 2010 liegt die Sportart weltweit im Trend - auch in Ulm. An Sonnentagen ist es eigentlich schon eine Seltenheit, wenn man keine Slackliner in der Friedrichsau oder am Baggersee sieht. Auch Sebastian "Sebo" Reger (26) und Niklas Rodermund (19) frönen dort ihrem Hobby. Meist findet man sie aber im Park an der Furttenbachstraße, weil Niklas direkt um die Ecke wohnt. Wie die Slackline-Pioniere, sind die beiden übers Klettern auf den Trichter gekommen oder besser gesagt aufs horizontale Seil. Sebo ist mittlerweile schon acht Jahre dabei, Niklas hat erst im Frühjahr mit dem Sport angefangen.
Wegen seiner Kletterfähigkeiten fällt ihm das Slacken aber natürlich ein ganzes Stück leichter als Anfängern ohne jede Kenntnisse. "Es sind meist keine Kraftprobleme, die Einsteigern zu schaffen machen, sondern Koordinationsprobleme", spricht Niklas aus Erfahrung. Zum Üben gäbe es aber eine gute Übung am Boden: auf ein Bein stellen, Arme seitlich vom Körper wegstrecken und die Ellenbogen um 90 Grad abklappen, so dass die Unterarme nach oben zeigen und im rechten Winkel zu den Oberarmen stehen. In dieser Haltung ausbalancieren, Kopf gerade halten, einen entfernten Fixpunkt suchen und den Blick darauf fokussieren. Dann versuchen, das Gleichgewicht zu halten. Bei Bedarf mit den Armen weiter ausbalancieren.
Aufstieg und Lauf
Genug geübt, jetzt wird geslacked: Sebo nimmt Anlauf und versucht's mit einem Sprung auf das 30-Meter-Seil. Klappt nicht ganz, da war wohl zuviel Schmackes hinter. Er landet zwar auf dem Seil, kann da aber das Gleichgewicht nicht halten. Na ja, war halt der Vorführeffekt! Dann eben auf die herkömmliche Art (Video 1 / Video 2): Sebo stellt zuerst sein rechtes Bein leicht angeschrägt auf die Slackline, so dass sich das etwa einen Meter hoch gespannte Seil an der Druckstelle ein ganzes Stück nach unten dehnt. Dann zieht er das linke nach und bringt gleichzeit die Arme so in Position, wie zuvor bei der Trockenübung. In Blickrichtung steht nun der linke hinter dem rechten Fuß auf dem Seil. Je nach Belieben kann man aber auch genau andersherum aufsteigen. Mit den Armen balanciert er sein Gleichgewicht aus.
Nun geht's voran - und zwar barfuß: Mit Schuhen würde die ganze Angelegenheit nur noch wackliger.Das Seil befindet sich zwischen dem großen Zeh (dicker Onkel) und dem zweiten Zeh (Zeigezeh). Dann stellt Sebo das hintere linke Bein voran. Dabei schaut er nicht nach unten, sondern hält den Kopf gerade. Sein Fixpunkt ist der Baumstamm am Ende des Seils. Mit den Armen balanciert er weiter aus, während er einen Schritt nach dem anderen macht.
Die Drehung
Frei dem Motto "Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei" ist ein Seil nunmal nicht unendlich. Um nicht jedes Mal absteigen zu müssen, gibt es verschiedene Varianten, um auf diesem umkehren zu können: Bei der offenen Drehung (Video)wendet der Slackliner den hinteren Fuß um 180 Grad und setzt ihn wieder auf das Seil. Kurzfristig stehen sich so beide Hacken parallel gegenüber. Dann dreht er auch den anderen Fuß, so dass beide Füße wieder in die gleiche Richtung zeigen. Bei der Dreisschrittdrehung einwärts (Video) wird zunächst der vordere Fuß quer auf das Seil gestellt (90 Graddrehung), dann der hintere um 180 Grad gewendet und zum Schluss der andere nochmals um 90 Grad gedreht. Umgekehrt funktioniert die Dreischrittdrehung auswärts (Video):Zunächst den hinteren Fuß quer auf das Seil stellen, dann den vorderen um 180 Grad drehen und dann mit dem anderen nachziehen. Der Absprung ist nicht schwer.
Für Anfänger
Hört sich alles kompliziert an, ist aber reine Übungssache. Wer motorisch nicht ganz daneben ist, sollte sich durchaus mal am Slacken versuchen. "Für Einsteiger reicht eine 30-Meter-Leine", sagt Niklas. "Zum Üben reichen geringe Entfernungen, außerdem gibt es für diese Länge noch kostengünstige Ratschen zum Spannen." Für längere Seile benötigt man dann Schlingen und Flaschenzüge, die gut und gerne mal mehrere hundert Euro kosten.
"Anfänger sollten die Seile nicht höher als 60 Zentimeter über den Erdboden spannen, um das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten", fügt Sebo hinzu. Denn gerade für Jungs wird's äußerst schmerzhaft, wenn sie abrutschen und dabei das Seil zwischen den Beinen haben. Und noch ein Tipp von den Experten: "Menschen mit Knieproplemen müssen vorsichtig sein", sagt Sebo. "Ja, gerade bei Anfängern wackelt es ganz schön und das kann ordentlich auf die Kreuzbänder gehen", pflichtet ihm Niklas bei.
Vielseitig und wenig zeitintensiv
Für die beiden aber kein Thema: Sie sehen Slacken als optimalen Ausgleich zum Klettern. "Perfekt für Gleichgewicht, Balance und Körperspannung", sagt Sebo. Und das Beste, es geht schnell! Seil um den Baum legen, festspannen und das Ganze nochmal auf der entgegengesetzten Seite. Für den Aufbau brauchen die beiden nicht länger als fünf bis zehn Minuten, der Abbau geht noch schneller.
Keine Frage also: Ist der Park nicht weit, kostet slacken wenig Zeit!
Hast du auch ein ausgefallenes Hobby? Dann schick uns doch ein paar Fotos oder ein Video an acht9@swp.de
Weitere Infos zum Slacklinen:
So wird's gemacht - von der Picke auf erklärt: hier klicken
Tricks für Anfänger und Fortgeschrittene: hier klicken
Sechs Tipps für Anfänger: hier klicken
Und noch ein cooles Video:
1960er Jahre: Was machen Kletterer im Yosemite Nationalpark (USA) an Regen- oder Ruhtetagen? Klettern geht nicht, Handys gibt's nicht und auf Pokern hat niemand Bock! Trotzdem wird es im Basislager nicht langweilig. Denn die Klettermaxe balancieren kurzerhand über Absperrketten und -taue an den Parkplätzen. Anfang der 80er Jahre kommen dann zwei kreative Geister, Adam Grosowsky und Jeff Ellington, auf die Idee, Klettermaterial für die Freizeitbeschäftigung zu nutzen: Die Geburtsstunde des Slacken, Slackline oder Slacklining.
Übers Klettern zum Slacken
Im Jahr 2010 liegt die Sportart weltweit im Trend - auch in Ulm. An Sonnentagen ist es eigentlich schon eine Seltenheit, wenn man keine Slackliner in der Friedrichsau oder am Baggersee sieht. Auch Sebastian "Sebo" Reger (26) und Niklas Rodermund (19) frönen dort ihrem Hobby. Meist findet man sie aber im Park an der Furttenbachstraße, weil Niklas direkt um die Ecke wohnt. Wie die Slackline-Pioniere, sind die beiden übers Klettern auf den Trichter gekommen oder besser gesagt aufs horizontale Seil. Sebo ist mittlerweile schon acht Jahre dabei, Niklas hat erst im Frühjahr mit dem Sport angefangen.
Wegen seiner Kletterfähigkeiten fällt ihm das Slacken aber natürlich ein ganzes Stück leichter als Anfängern ohne jede Kenntnisse. "Es sind meist keine Kraftprobleme, die Einsteigern zu schaffen machen, sondern Koordinationsprobleme", spricht Niklas aus Erfahrung. Zum Üben gäbe es aber eine gute Übung am Boden: auf ein Bein stellen, Arme seitlich vom Körper wegstrecken und die Ellenbogen um 90 Grad abklappen, so dass die Unterarme nach oben zeigen und im rechten Winkel zu den Oberarmen stehen. In dieser Haltung ausbalancieren, Kopf gerade halten, einen entfernten Fixpunkt suchen und den Blick darauf fokussieren. Dann versuchen, das Gleichgewicht zu halten. Bei Bedarf mit den Armen weiter ausbalancieren.
Aufstieg und Lauf
Genug geübt, jetzt wird geslacked: Sebo nimmt Anlauf und versucht's mit einem Sprung auf das 30-Meter-Seil. Klappt nicht ganz, da war wohl zuviel Schmackes hinter. Er landet zwar auf dem Seil, kann da aber das Gleichgewicht nicht halten. Na ja, war halt der Vorführeffekt! Dann eben auf die herkömmliche Art (Video 1 / Video 2): Sebo stellt zuerst sein rechtes Bein leicht angeschrägt auf die Slackline, so dass sich das etwa einen Meter hoch gespannte Seil an der Druckstelle ein ganzes Stück nach unten dehnt. Dann zieht er das linke nach und bringt gleichzeit die Arme so in Position, wie zuvor bei der Trockenübung. In Blickrichtung steht nun der linke hinter dem rechten Fuß auf dem Seil. Je nach Belieben kann man aber auch genau andersherum aufsteigen. Mit den Armen balanciert er sein Gleichgewicht aus.
Nun geht's voran - und zwar barfuß: Mit Schuhen würde die ganze Angelegenheit nur noch wackliger.Das Seil befindet sich zwischen dem großen Zeh (dicker Onkel) und dem zweiten Zeh (Zeigezeh). Dann stellt Sebo das hintere linke Bein voran. Dabei schaut er nicht nach unten, sondern hält den Kopf gerade. Sein Fixpunkt ist der Baumstamm am Ende des Seils. Mit den Armen balanciert er weiter aus, während er einen Schritt nach dem anderen macht.
Die Drehung
Frei dem Motto "Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei" ist ein Seil nunmal nicht unendlich. Um nicht jedes Mal absteigen zu müssen, gibt es verschiedene Varianten, um auf diesem umkehren zu können: Bei der offenen Drehung (Video)wendet der Slackliner den hinteren Fuß um 180 Grad und setzt ihn wieder auf das Seil. Kurzfristig stehen sich so beide Hacken parallel gegenüber. Dann dreht er auch den anderen Fuß, so dass beide Füße wieder in die gleiche Richtung zeigen. Bei der Dreisschrittdrehung einwärts (Video) wird zunächst der vordere Fuß quer auf das Seil gestellt (90 Graddrehung), dann der hintere um 180 Grad gewendet und zum Schluss der andere nochmals um 90 Grad gedreht. Umgekehrt funktioniert die Dreischrittdrehung auswärts (Video):Zunächst den hinteren Fuß quer auf das Seil stellen, dann den vorderen um 180 Grad drehen und dann mit dem anderen nachziehen. Der Absprung ist nicht schwer.
Für Anfänger
Hört sich alles kompliziert an, ist aber reine Übungssache. Wer motorisch nicht ganz daneben ist, sollte sich durchaus mal am Slacken versuchen. "Für Einsteiger reicht eine 30-Meter-Leine", sagt Niklas. "Zum Üben reichen geringe Entfernungen, außerdem gibt es für diese Länge noch kostengünstige Ratschen zum Spannen." Für längere Seile benötigt man dann Schlingen und Flaschenzüge, die gut und gerne mal mehrere hundert Euro kosten.
"Anfänger sollten die Seile nicht höher als 60 Zentimeter über den Erdboden spannen, um das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten", fügt Sebo hinzu. Denn gerade für Jungs wird's äußerst schmerzhaft, wenn sie abrutschen und dabei das Seil zwischen den Beinen haben. Und noch ein Tipp von den Experten: "Menschen mit Knieproplemen müssen vorsichtig sein", sagt Sebo. "Ja, gerade bei Anfängern wackelt es ganz schön und das kann ordentlich auf die Kreuzbänder gehen", pflichtet ihm Niklas bei.
Vielseitig und wenig zeitintensiv
Für die beiden aber kein Thema: Sie sehen Slacken als optimalen Ausgleich zum Klettern. "Perfekt für Gleichgewicht, Balance und Körperspannung", sagt Sebo. Und das Beste, es geht schnell! Seil um den Baum legen, festspannen und das Ganze nochmal auf der entgegengesetzten Seite. Für den Aufbau brauchen die beiden nicht länger als fünf bis zehn Minuten, der Abbau geht noch schneller.
Keine Frage also: Ist der Park nicht weit, kostet slacken wenig Zeit!
Hast du auch ein ausgefallenes Hobby? Dann schick uns doch ein paar Fotos oder ein Video an acht9@swp.de
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Und noch ein cooles Video:
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Autor: CHRISTIAN IPPACH | 27.08.2010
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