SPORT IN DER STADT (7/8)

Parkour und die Kunst der Fortbewegung: Die Black Monkeys erzählen

Wenn ihr in Ulm ein paar Jungs über Dächer und von Mauern springen seht, dabei vielleicht noch ein Saltos schlagen, dann ist die Chance groß, dass es sich um die Black Monkeys handelt. Patrick Taub (22) und Toni Castolo (19) über Parkour und die Black Monkeys, zu denen noch Niklas Erb (20) gehört.

Erklärt mal, was ihr macht!
TONI: Parkour ist der Versuch, effizient von A nach B zu kommen.
PATRICK: Du könntest um ein Hindernis drumrumlaufen, aber das wäre nicht der kürzeste Weg.
TONI: Jetzt haben wir allerdings Parkours erklärt, wir machen ja nochmal etwas anderes.

Was denn?
TONI: Wir nennen es „Kunst der Fortbewegung“. Wir bauen zum Beispiel Saltos ein, was ja streng genommen nicht effizient ist.


Wie seid ihr auf die Sportart gekommen?
PATRICK: Ich habe eine Sendung im Fernsehen gesehen. Das hat mich fasziniert und ich habe zu üben angefangen.
TONI: Bei mir war das anders. Wir waren Straßenkinder und irgendwann war es zu langweilig, Fangen zu spielen und wir sind auf Dächern rumgeklettert. Dann kam ein Kumpel aus der Türkei, der den Film „Yamakasi“ gesehen hat. Wir fanden das toll und haben versucht, die Sachen nachzumachen.
PATRICK: So sind wir dann aufeinander getroffen. Sie machten die Yamakasi-Sachen und ich hatte den Hintergrund des Sports ein wenig kennengelernt, weil ich ja den Film gesehen hatte.

Was ist denn der Hintergrund?
PATRICK: Hm, schwierig zu erklären. Es steckt schon eine Philosophie dahinter. Und es ist wichtig, die Sprünge Schritt für Schritt zu üben.
TONI: Das ist wie Treppensteigen, man bewältigt Stufe für Stufe. Mit Mut hat das nichts zu tun, sonst wird es gefährlich. Es hat aber einige Zeit gedauert, bis ich das eingesehen hatte.

Wie übt ihr genau?
PATRICK: Wenn ich zum Beispiel eine Strecke von 10 Fuß habe, die ich überspringen will, übe ich einen 11-Fuß-Sprung. Aber an einer gefahrlosen Stelle. So habe ich einen Puffer, das ist der Trick.
TONI: Irgendwann bekommst Du das nötige Körpergefühl.

Braucht man denn wirklich gar keinen Mut?
PATRICK: Überwindung würde ich sagen. Man weiß, man kann etwas. Wer nur mit Mut springt, lebt wie gesagt gefährlich.
TONI: Ich dachte ja am Anfang „scheiß drauf“ und hatte prompt eine Prellung am Fuß. Dann habe ich eine Webseite über die Philosophie gefunden und habe meine Einstellung geändert.

Könnt ihr die Philosophie erklären?
TONI: Es ist wichtig, die Umgebung und den eigenen Körper zu respektieren. Parkour ist keine Angebersportart. Du musst akzeptieren können, dass dein Kumpel besser ist als du.
PATRICK: Und dir selbst eingestehen, dass du den Sprung jetzt besser lässt.

Welche Voraussetzungen braucht man?
PATRICK: Man braucht Nerven und Freude an der Bewegung. Die Muskeln kommen dann durch den Sport.
TONI: Ich kenne ein paar richtige Loser, die völlig unsportlich waren, aber jetzt sehr gut in Parkour sind.
PATRICK: Man muss auf jeden Fall genau wissen, warum man das macht. Wer die Frage nicht beantworten kann, sollte die Finger von Parkour lassen.

Kannst Du sie denn beantworten?
PATRICK: Es ist einfach ein gutes Gefühl, fast wie eine Droge. Man fühlt sich unendlich frei. Dir stellt sich nichts mehr in den Weg. Du weißt, wer du bist, du weißt, was du kannst. Mich persönlich hat Parkour verändert. Ich gehe zum Beispiel beim Motorradfahren viel weniger Risiken ein.
TONI: Es prägt auch das Selbstbewusstsein. Ich war voll schüchtern, konnte nicht mit den Leuten reden. Das hat sich geändert.

Und wie reagieren Passanten auf euch? Und die Polizei?
TONI: Wir werden schon angepöbelt. Ein Sportlehrer verfolgt uns, er meint, wir würden auf dem Friedhof landen.
PATRICK: Die Polizei muss ja kommen, wenn die Leute sich beschweren. Anfangs war sie auch eher gegen uns, aber wir haben mal eine Show für sie gemacht, seitdem hat sich die Lage entspannt.
TONI: Anfangs waren auch die Passanten viel aggressiver.
PATRICK: Ja, aber man gewöhnt sich dran. Wir nehmen es nicht mehr persönlich. Mittlerweile sehen wir auch professioneller aus, da gibt es weniger Ärger.

Habt Ihr einen Lieblingssprung?
TONI: Ich springe besonders gerne in die Tiefe, vier Meter und so. Am Besten noch mit einem Salto. Unten muss man dann abrollen, dass ist lebenswichtig.
PATRICK: Stimmt. Gegen das abrollen ist ein Salto ein Kinderspiel.

Hast du auch ein ausgefallenes Hobby? Dann schick uns doch ein paar Fotos oder ein Video an acht9@swp.de

Alle Folgen der Sportserie gibt's unter www.swp.de/2010/sportinderstadt 


INFO: Die Black Monkeys bieten demnächst einen Outdoor-Workshop in Stuttgart an. Anmelden kann man sich ab Montag über ihre Homepage http://www.bmulm.de/. Dort findet ihr außerdem Videos mit coolen Sprüngen der Gruppe.


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Autor: YASEMIN GÜRTANYEL | 28.08.2010

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