Heute, 7. Stunde: School of Rock
Drei coole Jungs, die einem Haufen kichernder Mädels das Rappen beibringen. So kann die School of Rock, ein Projekt der Popbastion, aussehen, die wieder begonnen hat. Coaches üben mit Schülern einen Song ein, den sie dann im Roxy aufführen dürfen. Man kann sich noch bewerben.
Liebe, Freundschaft, der erste Freund. Das sind die Themen, die die fünf Mädels Justine, Sabine, Sandra, Jeanette und Ülkühan interessieren, soviel ist klar. Weniger klar ist, wie sie daraus einen echten HipHop-Song machen. Dafür wollen die Rapper Elias Jaschke (19), Jan Jendzurek (19), in der Szene bekannt als „The Trigga“, und der DJ Moritz Breulem (16) sorgen. Sie beteiligen sich am Projekt der Popbastion „School of Rock“, das in dieser Woche begonnen hat.
Normalerweise besuchen die rund 20 Coaches, darunter Musiker und Musiklehrer, die angehenden Musiker direkt in ihren Klassenzimmern. Elias hatte sich aber mit Margret Anthon, der Leiterin der Popbastion, in Verbindung gesetzt. „Ich wollte unbedingt etwas mit Jugendlichen machen“, sagt Elias. Anthon habe ihn an Marie Schneider, in Ulm zuständig für Projekte mit Jugendlichen, weitervermittelt, so dass der Kontakt zu der Mädchengruppe im Wiblinger Sozialzentrum zustande gekommen ist. „Wir sind eine Art Seitenprojekt der School of Rock geworden.“
Jetzt sitzen Elias und seine beiden Mitstreiter also inmitten von kichernden Mädels, und versuchen, mit ihnen einen eigenen Song zu schreiben. Geduld ist da eine Tugend, die die Rapper beweisen. Als Belohnung machen ihre fünf Schülerinnen eifrig mit. Bäuchlings liegen sie auf den Matten im Wiblinger Sozialzentrum und schreiben Geschichten rund um Liebe und Freundschaft. Dazu lässt Moritz einen Beat laufen, den die Mädchen sich zuvor ausgesucht haben. In den Texten geht es um Freundinnen, die auf einmal anfangen sich anzuzicken. Oder um die erste Begegnung mit einem Jungen.
Was sagen die Freundinnen, soll ich mit ihm gehen oder nicht, fragt sich Ülkühan. „Er war mein erster Freund, ich war sehr verliebt“, liest Sandra vor. Daraus lässt sich was machen, meinen Elias und Jan, die sich ums Texten kümmern. „Aber es muss flowen“, kritisiert Jan. Schließlich ist die erste Strophe fertig, zuhause soll sie geübt werden.
Denn am Ende des „School of Rock“-Projekts, am 25. Juli, wollen Elias, Jan und Moritz ihre Schützlinge mit den anderen Schülergruppen auf der Bühne im Roxy auftreten lassen – dem krönenden Abschlusskonzert der School of Rock.
Den eingeübten Song auch tatsächlich auf der Bühne spielen zu können, das gebe den Jugendlichen einen ordentlichen Motivationsschub, berichtet Margret Anthon. Bereits zum 5. Mal findet das Projekt statt, mit zunehmendem Erfolg. „Anfangs hatte es für die Schulen eher einen Bespaßungscharakter“, sagt Anthon. „Nach dem Motto: Lassen wir die Schüler ein bisschen auf dem Schlagzeug rumhämmern.“ Rock- und Popmusik habe aber inzwischen einen viel höheren Stellenwert bekommen, das Projekt wird als wertvoller Unterrichtsbestandteil anerkannt.
Wenn man Schüler beispielsweise HipHop-Texte schreiben lässt, trainiere das ihr Gefühl für Rhythmik und Reim, erklärt Anthon. Von Lehrern habe sie gehört, dass Schüler, die kaum eine Viertel-Seite Aufsatz hinbekommen hatten, sich hinterher viel besser ausdrücken konnten. Außerdem: Gefördert werden auch Disziplin, Teamfähigkeit und Hilfsbereitschaft.
Gerade deshalb legt die Popbastion Wert darauf, dass School of Rock kein Wettbewerb ist. Die Schüler spielen gleichberechtigt auf der Bühne im Roxy, Sieger und Verlierer gibt es nicht. So entsteht eine kameradschaftliche Atmosphäre und Austausch unter den Jugendlichen, sagt Anthon.
Die Kontakte halten in vielen Fällen über das Projekt hinaus. Einige Ulmer Band-Beispiele mit Wurzeln im School of Rock: Flying Blackman und Black Bead, eine Band vom Essinger-Gymnasium und Union Hills, deren Mitglieder sich bereits auch als Coaches engagieren – dieses Jahr sind sie übrigens zu hören auf dem Obstwiesen-Fetival.
Info: Für „School of Rock“ kann man sich noch anmelden unter www.popbastionulm.de, sowohl bestehende (Schul-) Bands als auch Schüler, die gemeinsam spielen wollen; die Schulart ist egal.
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Autor: YASEMIN GÜRTANYEL | 18.06.2010
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Moritz Breulem (hinten von links), Elias Jaschke, Jan Jendzurek mit ihren Schülerinnen Sandra (vorne von links), Ülkühan, Sabine, Jeanette und Justine.
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