Google Street View: Freier Blick auf den eigenen Bauchnabel?

Einen Stadtplan mit Fotos aller Straßen und Häuser - das will Google mit seiner Streetview erreichen. Die einen finden's beängstigend, die anderen faszinierend. Aber wie funktioniert das Ganze eigentlich genau? Hier erfahrt ihr mehr.

Ein Auto mit einer Kamera auf dem Dach fährt vorbei. Ein kritischer kurzer Blick an sich herunter. Ein glatt streichen der explodierten Haarpracht. Doch all diese Maßnahmen sind zwecklos. Es ist zu spät. Google hat ein Foto. Du bist drauf. Egal, ob mit schrecklicher Hose und Wischmopp auf dem Kopf oder nicht.

Google Street View ist ein neuer, dreidimensionaler Stadtplan im Internet und erscheint im Zusammenhang mit Google Maps. Hat man sich also in einer fremden Stadt verlaufen, besitzt weder Stadtplan, noch beherrscht man die Sprache gut genug, um jemanden zu fragen, braucht man nur noch einen Computer und schon kann man virtuell in die Stadt eintauchen. Hierbei handelt es sich sozusagen um eine zusätzliche Dimension der Wahrnehmung. Der Nutzer sieht die Straße als wäre er selbst darauf. Dann einfach durch die Stadt wandern bis zum gewünschten Ort, und schon weiß man, wie man am schnellsten hinkommt. Durch 20 Länder kann man schon virtuell reisen. Und Google will noch mehr.

Nun sollen auch die 20 größten Städte Deutschlands in das Programm aufgenommen werden. Das Bildmaterial wird hierbei mit einer Kamera aufgenommen, die auf dem Dach eines Autos befestigt ist. Die Kamera mit einer fortschrittlichen Bildaufnahmetechnologie macht so von jedem Detail in der Stadt eine Aufnahme. Danach werden einfach all diese Fotos zu einem Panoramabild zusammengeschnitten. Kennzeichen der Autos und Gesichter vorbeigehender Passanten werden, falls sie denn sichtbar sind, unkenntlich gemacht.

Da sich trotzdem viele Menschen ihrer Privatsphäre beraubt fühlen, hat Google Deutschland eine Frist von mittlerweile insgesamt acht Wochen gesetzt. In dieser Zeit müssen sich alle melden, die etwas dagegen haben, dass ihr Haus oder sie selber im Internet für die ganze Welt zu sehen sind. Erst wenn alle Widersprüche eingehalten sind, so Google, wird Street View in Deutschland starten. Reicht man die Meldung nicht rechtzeitig ein, sind zwar Widersprüche noch möglich. Die Bilder werden aber zunächst veröffentlicht. Doch der neue virtuell begehbare Stadtplan ist sehr umstritten und wird zur Zeit auch in den Medien heftig diskutiert. Die Politiker der Opposition kritisierten: „ Die Regierung hat sich von Google überrumpeln lassen!“ Auch die Kameras, die auf einer Höhe von 2,50 Meter auf den Autos befestigt sind, seien viel zu hoch, sagte der Verbandspräsident Rolf Kornemann in der Mitteldeutschen Zeitung. „Die Hecken und Zäune wurden als Sichtschutz umgangen.“

Sollte man sich in nächster Zeit also hüten, in seinem Garten halb nackt die Sonne zu genießen, weil sonst bald die ganze Welt freien Blick auf den eigenen Bauchnabel hat?! Bundesminister Thomas de Maiziere (CDU) äußerte sich bei den Zeitungen der WAZ-Gruppen so: „Wir müssen sehr sorgfältig darauf achten, wann Quantität in Qualität umschlägt und aus etwas Normalem, der Blick auf eine Häuserfassade mit Klingelschildern und Briefkästen, ein weltweit möglicher Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen werden kann.“ Er begrüße das Widerspruchsrecht, das Google einräumt. Anwalt Carsten Ulbricht allerdings sagte dem ZDF, das Unternehmen lichte nur Orte ab, die öffentlich einsehbar sind. Solange die Personen nur als „Beiwerk“ des Fotos fungieren, sei das kein Verstoß gegen das Gesetz. Die Passanten dürfen also nicht Hauptbestandteil eines Bildes sein. Ulbrich sagte außerdem, eine Einwilligung zur Veröffentlichung sei nicht nötig. In Zeitungen seien Bilder von Menschenmengen auf dem Volksfest oder Veranstaltungen sowieso gang und gäbe.

Google Street View wird wohl noch für lange Zeit umstritten bleiben, wahrscheinlich sogar für immer.


Kommentare (3)

21.08.2010 18:37 Uhr |   1005

Google, wie im Himmel so auf Erden...

Vielleicht hätte man das Thema viel früher etwas überlegter angehen sollen.
Da kommt die weltgrößte Datensammlerfirma auf die Idee mal schnell die Welt zu fotografieren.
Warum wohl - gemeinnützig, samariterhaft? Sicher nicht. Goggle will Geld verdienen und das nicht zu knapp.
Wenn nun eine Firma, mit Sitz den USA nach Deutschland kommt um Fotos zu machen die zur Gewinnoptimierung dieser Firma dienen dann sollte mal genauer darüber nachgedacht werden.
Als Haus & Grundbesitzer zahle ich Steuern. Ob beim Kauf, beim Besitz oder beim Verkauf. Vielleicht sollte ich dann auch eine Gebühr verlangen wenn jemand mein Haus fotografiert?
Warum nicht eine Lizenzgebühr an Goggle ausstellen und damit Staatshaushalt aufbessern? Vielleicht kann ich mit der Gebühr meine Grundsteuer ausgleichen.
Dieses ganze politische Gehacke ist doch ein Kindergarten. Volksentscheid her und fertig.
Irgendwie löst sich unssere Selbstbestimmung und Selbstverwaltung immer schneller in Luft auf.
23.08.2010 14:12 Uhr |   unbekannt

?

Die Gegenfrage lautet dann aber auch: Sollte man eine Gebühr verlangen, wenn jemand an der Haustüre vorbeiläuft. Es ist doch klar, dass Google die Bilder zur Gewinnoptimierung benutzt, aber man sollte nicht vergessen, dass der Konzern sein Geld mit Werbung verdient und nicht mit dem Verkaufen von Daten. Ich glaube jedoch nicht, dass Google diesen Serviece zur Verfügungs stellen würde, müssten sie etwas dafür bezahlen. Wir alle nutzen doch Google-Dienste und freuen uns, dass sie umsonst sind. Suchmaschine für 4,99 € im Monat, wie wäre das? Und zum Thema Steuern: Was ist mit einer Zeitung, darf die Straßenzüge fotografieren, und wie viele Fotos müssen zusammengefügt werden, damit man Steuern zahlen muss?
21.08.2010 16:39 Uhr |   unbekannt

Ein Foto und keine Live-Aufnahme

Ich glaube manche denken StreetView würde Live-Aufnahmen von ihnen ins Internet stellen. Das ist nicht der Fall. Google hat einmalig Fotos von den 20 größten Städten Deutschlands gemacht und in nächster zeit sind auch keine weiteren Aufnahmen geplant. Ich kann nicht verstehen warum es Leute stört, dass ihre Häuser, die sowieso jeder sehen kann fotografiert werden? Ich sehe in dem neuen Dienst ausschließlich Vorteile, Google Earth benutzen wir ja auch schon seit Jahren......

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Autor: KATHARINA SCHLEICHER (15) | 24.08.2010

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