CONTRA
Fußball ja, aber nicht so!
Fußball und Massen, das eine scheint ohne das andere nicht zu gehen. Oder doch? Auf keinen Fall, meint unsere Mitarbeiterin Helena Rössle, das Gemeinschaftsgefühl gehört dazu. Und genau das kippt all zu oft um in Hass und Gewalt, kontert Moritz Clauß. Seinen Beitrag lest ihr hier.
Fußball an sich ist toll. Ein volles Stadion, singende, euphorische Fans. Doch es bleibt schon in nationalen Spielen meist nicht dabei: Die Euphorie geht in beleidigende Fan-Gesänge über, Trainer und Spieler werden mit Klopapier beworfen, Fans prügeln sich gegenseitig ins Koma. Normalerweise kann man dem Ganzen recht gut ausweichen. Nicht so bei den Weltmeisterschaften, während denen man jeden Tag an jeder Ecke daran erinnert wird, dass man genau jetzt unglaublich begeistert zu sein hat und mit stolz geschwellter Brust die eigene Nation unterstützen muss.
Was, wenn man das gar nicht will? Wenn es einem egal ist, wie Deutschland gegen Holland spielt? Oder sich sogar freut, dass Holland gewinnt, weil die Deutschen um einen herum dann wenigstens für einen halben Tag ruhig sind? Ich bin kein Fußballgegner. Die vergangene Bundesliga habe ich mitgefiebert wie kein Zweiter und bin prompt mit einem Vereinsabstieg belohnt worden. Dann schwinge ich 2011 eben in Liga zwei die Fahne! Aber mit der deutschen Flagge wird man mich nirgends finden.
Dabei finde ich die Idee des internationalen Fußballs toll, die Welt zu Gast bei Freunden. Aber die Realität sieht leider anders aus. Israelische Schiedsrichter werden als „dumme Juden“ beschimpft, weil sie einem deutschen Spieler gelb zeigen. Es wird gesoffen, gegrölt und auf Facebook muss ein Kevin Prince Boateng mitansehen, wie deutsche Fans massenweise in Gruppen wie „82.000.000 gegen Boateng!“ eintreten und ihn als „Neger“ und „Krüppel“ beschimpfen, unterstützt von der Boulevard-Presse. Und dann soll ich rausgehen und gemeinsam mit diesen Leuten stolz auf mein Land und meine Mannschaft sein? Klar sind nicht alle Deutschen so, viele genießen nur das Gemeinschaftsgefühl beim Public Viewing. Aber ich schaue mir lieber zuhause ein paar WM-Spiele mit Freunden an.
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Autor: MORITZ CLAUSS (18) | 08.06.2010
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Moritz Clauß spielt lieber selber Fußball, statt die Spiele inmiiten von Massen anzuschauen.
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