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Ein bisschen Woodstock ob Eck: Musik, Matsch und Stimmung auf dem Southside

Seit Monaten war es ausverkauft. Das 11. Southside Festival. 50 000 Fans kamen vergangenes Wochenende nach Neuhausen ob Eck auf den ehemaligen Heeresflugplatz und feierten auf vier Bühnen mit über 80 Bands. Trotz Matsch, Regen und Kälte „you still believe in the power of rock’n’roll music!“, wie Billy Talent-Frontmann Benjamin Kowalewicz das ausdrückte. Impressionen eines unglaublichen Wochenendes.

Am Freitag nach zwei Stunden Fahrt fand ich einen im Schlamm versinkenden Campingplatz. Am Vortag hatte es geregnet und die Festival-Besucher, die schon angekommen waren, hatten die Wiesenwege in Matsch verwandelt. Ein Glück, dass ich in letzter Sekunde noch Gummistiefel eingepackt hatte.

Mein Zelt errichtete ich direkt neben einem Matschweg, eine Pfütze war bedrohlich nahe. Wie ich mein Zelt überhaupt unter all den Behausungen wiederfand? Direkt daneben hatte jemand eine Flagge mit der Aufschrift „Penis“ gehisst. Welch Glück!

Ich wollte eigentlich Jack Johnson und The Donots sehen, doch wegen Schwierigkeiten beim Finden eines Platzes für mein Zelt und meiner Kumpels habe ich das leider verpasst. Mir blieben noch die letzten Lieder von The Strokes. Deren Sänger Julian Casablancas war stockbesoffen, deswegen fehlte ihm einfach die nötige Energie und Konzentration. Massive Attac punkteten dann mit einer beeindruckenden Lichtshow. Durch Zufall fand ich meine Kumpels dann doch noch – beziehungsweise, sie stolperten fast über mein Zelt.

Geschlafen wurde von circa 4 Uhr bis irgendwann spätvormittags. Dann Frühstück: Müsliriegel und Babynahrung. Lecker. Das Frühstück ging nahtlos ins Mittagessen über. Nudeleintopf aus der Dose und Kartoffelbrei zum Anrühren. Wohl dem, der einen Gaskocher dabei hatte. Ich gehörte dazu.

Dann ging’s ab aufs Festivalgelände. Wir (ein Kumpel, eine Freundin und ich) stapften durch den Matsch. Gut zwanzig Minuten dauerte es, bis wir beim Eingang waren. Shout Out Louds, Dendemann, Phoenix und Madsen – dieser Tag wurde gerockt. Zum Abschluss die Beatsteaks, die die Meute tapferer Rock-Fans nochmal so richtig aufpeitschten. Doch kein Festival ohne Kollateralschäden: Beim letzten Lied schlug mir irgendjemand die Brille von der Nase. Ich fand sie zwar wieder, doch sie war ziemlich platt. Für Deichkind waren wir danach schlicht und einfach zu geschafft. Außerdem war meine Laune aufgrund des Brillen-Desasters ziemlich gedämpft.

Am Sonntag sollte ich meine Sachen mittags schon zum Auto bringen. Doch wegen gnadenloser Orientierungslosigkeit habe ich den auf dem Plan nicht eingezeichneten Presseparkplatz nicht gefunden. Ich nutzte die Zeit und klebte meine Brille notdürftig mit Tape, das ich von Sanitätern bekam.

Als schließlich Brille geklebt und Gepäck verstaut waren, ging der Tag dann noch los. Es war halb fünf nachmittags. Sängerin „Skin“ von Skunk Anansie strahlte eine unglaubliche Energie aus und begeisterte mit ihrer Stimme. Trotzdem bin ich fast im Stehen eingeschlafen, so fertig war ich jetzt schon.

Two Door Cinema Club spielten leider in einem Zelt, sodass wir nicht sonderlich weit nach vorne kamen. Dann Pause machen, um uns für den ultimativen Abschluss des Festivals zu rüsten. Billy Talent rockten ab 22 Uhr nochmal so richtig ab. Sänger Benjamin Kowalewicz erklärte, dass es in Kanada (Herkunftsland der Alternative-Rocker) keine gute Fußballmannschaft gebe und sein Fußballherz daher für Deutschland schlage. Dies unterstrich er wenig später, als er sich ein Deutschland-Trikot überzog. Die Menge tobte.

Einige reisten danach ab, manche blieben noch eine Nacht. Egal wann wer abreiste, eine riesige Menge Müll blieb zurück. Unglaublich, wie schnell Hemmungen, gesunder Menschenverstand und Anstand verloren gehen. Da gab es brennende Müllberge, ein als WC missbrauchtes Zelt, im Matsch verschwindende Schlafsäcke und brutalst verschwendete Lebensmittel. Hygiene wurde klein geschrieben.

Wir wurden von den Bands für unsere Tapferkeit gelobt. Aber nicht nur das. Wir wurden von ihnen auch entlohnt. Mit unglaublicher Stimmung. Man musste die körperlichen Schmerzen, die Kälte, alles Unangenehme einfach ausblenden, und die Musik genießen. Auf dem Campinggelände war die Stimmung kaum anders. Kälte, Matsch und Regen? Hielt niemanden davon ab, Tag und Nacht einfach nur zu feiern. Doch nicht nur die Festival-Besucher hatten harte Zeiten zu ertragen. Da war zum Beispiel der Riesenbrezel-Verkäufer. Über 15 Stunden versuchte er, seine nicht gerade leckeren Brezeln loszuwerden. 400 Euro gab’s pauschal. Oder der mobile Zigaretten-Verkäufer, der in Schichten von elf bis zwölf Stunden mit seinem Bauchladen übers Gelände marschieren musste. 120 Euro gab’s täglich – dazu kostenlos Verpflegung und Unterkunft.

Doch Southside lohnt sich. Es ist nicht nur ein musikalisches Großereignis, nein, es ist auch ein kulturelles Erlebnis, das unvergesslich und wiederholenswert ist. leander badura, 16 jahre

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1 Kommentar

23.06.2010 09:15 Uhr

musik festivals sind etwas anderes !!!!!!!!!

mit abscheu muss ich hier deine artikel über das southside lesen.
was du hier über den klee lobst betitelst du selber als "Unglaublich, wie schnell Hemmungen, gesunder Menschenverstand und Anstand verloren gehen."

ist das erstrebenswert??

musik festivals sind zum massenphänomen, zum event für jedermann geworden. fussballstadion, ballermann oder rießige musikfestivals. gibt es einen unterschied??

im takt klatschende meute: schaltet euer hirn ein!!

musik festivals sind etwas anderes als "eine riesige Menge Müll", "brutalst verschwendete Lebensmittel." oder "Je bessere Bands, je mehr Leute, je größer der Zeltplatz, je mehr Bier, desto besser – size matters."

lieber leander, les' dir den artikel von alina durch.
denn alina rockt !!!!

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