Ein Jahr Argentinien: zwischen Großstadt und Pampa

Genau einen Monat ist es her, dass unsere DFB-Elf die Maradonna-Truppe bei der Weltmeisterschaft mit 4:0 nach Hause schickte. Unser Jungredakteur Leander Badura (16) ist auf Schadensbegrenzung aus. Am 20. August reist er für ein Jahr nach Argentinien. Hier ist schon mal ein Vorgeschmack:

Metropolen wie Buenos Aires, tropische Wälder im Nordosten, riesige Weideflächen, die die Pampa bedecken, raues Klima im Süden und mit den Anden das zweithöchste Gebirge der Welt: Argentinien ist ein vielfältiges Land, ein Potpourri, über das sich jeder Geographie-Lehrer freuen würde. Und in diesem vielfältigen Land werde ich ein Jahr leben. Die Schule besuchen, meine Freizeit gestalten, fleißig Spanisch lernen.

Eine persönliche Herausforderung

Ein Jahr weg von der Heimat, der bekannten Umgebung, den Freunden, kurz: dem eigenen Leben. Das mag im ersten Moment für viele furchtbar klingen, doch für mich klingt das nach Abenteuer. In einer ganz neuen Umgebung, mit ganz anderen Menschen, einer ganz anderen Sprache zurechtzukommen, das ist nicht einfach, nein, das ist eine Herausforderung und dieser Herausforderung will und werde ich mich stellen, ganz freiwillig.

Aber von vorne: Die Idee entstand vor zwei Jahren. Ich wollte mein Leben ändern, wollte etwas finden, mit dem ich mich selbst völlig umkrempeln konnte. Die Lösung sollte eine große Herausforderung sein: Sprachen und Kulturen kennen lernen. Meine Mutter war es, die mich auf das Austausch-Programm von Rotary hinwies. Die Organisation, die sich weltweit sozial engagiert und für Völkerverständigung einsetzt, schickt jährlich Jugendliche um den ganzen Globus, als Botschafter ihrer Heimatländer.

Bewerbung beim Rotary-Club erfolgreich

Ich bewarb mich direkt nach den letzten Sommerferien. Jeder Club bekommt jährlich zwei Plätze für Jugendliche, die drei Ulmer Rotary Clubs entsenden also insgesamt sechs junge Menschen in die Welt.Ich hatte Glück, ich wurde in das Programm aufgenommen. Nach langwierigem Bewerbungsverfahren kam vor ein paar Wochen die erste Mail aus Argentinien.

Der Kontakt ist hergestellt, jetzt müssen einige Formalitäten erfüllt werden. Visum, Versicherung, Guarantee Form (das Dokument des Rotary-Clubs, auf dem alles draufsteht, von Adresse über Verpflichtungen der Eltern). Erst wenn Letztere bei mir eingegangen ist, ist die Teilnahme an dem Programm hundertprozentig sicher. Doch Grund zur Sorge besteht nicht, bisher läuft alles glatt. Und dann bin ich plötzlich „Outbound“. So heißen diejenigen, die ihr Land verlassen. Im Gastland lautet die Bezeichnung dann „Inbound“. Die bisherigen Kosten liegen für alles bei etwa 4000 Euro.

Abschiedsschmerz und große Veränderungen warten

Jetzt steigt die Vorfreude. Diese resultiert aus Erwartungen, Angst, Abschiedsschmerz und der Gewissheit, dass es das bisher großartigste Jahr meines Lebens wird. Große Erwartungen an das Land, die Leute, mich selbst. Angst davor, die persönlichen Anforderungen nicht zu erfüllen, die Herausforderung nicht zu bestehen. Abschiedsschmerz, weil ich weiß, dass danach alles anders sein wird.

Natürlich werden sich die Leute in meinem gewohnten Umfeld verändern, aber größerer Veränderung werde ich ausgesetzt sein. Dass sich die Grundzüge meines Charakters verändern, bezweifle ich, aber ich werde fantastische Dinge erlebt haben, die ich mit niemandem teilen kann.Dafür gibt es Rotex. Die Rotary untergeordnete Organisation bietet ehemaligen Outbounds, den „Rebounds“, die Möglichkeit, untereinander Erfahrungen auszutauschen und auch, sich um künftige Outbounds zu kümmern.

Ich freue mich auf Argentinien, keine Frage, und darauf, euch in loser Reihenfolge davon zu berichten.

Lese hier auch:
So werde ich ein Rotary-Outbound


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Autor: LEANDER BADURA (16) | 03.08.2010

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