Ein Camp, das vereinen soll
Jugendliche aus den Donauländern sind zu Gast in Ulm. Erste Kontakte sind aber gar nicht so einfach.
Sonntagmorgen: Verschlafene Gesichter wohin man blickt. Die Nacht muss kurz gewesen sein, verraten die kleinen, roten Äuglein der Jugendlichen. Trotzdem haben sich alle aufgerappelt und sitzen brav auf ihren Stühlen im Edwin-Scharff-Haus. Die Jugendlichen lauschen mehr oder weniger aufmerksam der Diskussion der Experten aus Politik und Kultur. Das Thema ist Europa, wie so oft in diesen Tagen. Denn die 111 Jugendlichen nehmen am Donau-Jugend-Camp teil, das unter dem Motto läuft: Europa sind wir!
In gewisser Weise sind sie das auch. Denn die jungen Leute – sie sind alle zwischen 16 und 22 Jahre alt – kommen aus den verschiedenen europäischen Staaten. Sie sind aus Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, der Slowakei und Deutschland.
Noch bleiben die Jugendlichen innerhalb ihrer Nation
Ziel des Camps ist es, dass sich die Jugendlichen kennenlernen, über Europa diskutieren und sich austauschen. Ganz optimal scheint das am dritten Tag des Camps noch nicht zu klappen. Denn bislang bestehen, so wie die Grenzen zwischen den Ländern, in gewisser Weise noch Grenzen zwischen den Jugendlichen.
Die Rumänen sitzen zusammen auf der einen Seite, die Serben im nächsten Eck, die Bulgaren auf der anderen Seite. In der Pause stehen sechs deutsche Teilnehmerinnen an einem Tischchen und erzählen: „Der Austausch zwischen den einzelnen Ländergruppen fehlt – zumindest bis jetzt“, sagt Christina Fuchs (18) aus Vöhringen. Spielen Sprachschwierigkeiten eine Rolle? Bauen Verständigungsprobleme Hemmungen auf?
Christina war ein Jahr im Austausch in Bulgarien, könnte sich zumindest mit den Bulgaren problemlos verständigen. Daran alleine kann’s nicht liegen. Nein, das sei nicht das Problem, erklären die Mädchen. „Mir hat am Anfang eine allgemeine Vorstellungsrunde gefehlt“, sagt Katharina Sonntag (18) aus Nersingen.
Eine Vorstellung, die gab es zwar, aber da haben die Jugendlichen ihre jeweiligen Heimatländer präsentiert, nicht sich selbst. „Irgendwie ist das schade“, sagt Katharina. Sie hatte sich erhofft, mehr Kontakt zu den anderen zu bekommen. „Vielleicht wird das ja noch durch die Workshops am Nachmittag“, gibt sie sich optimistisch.
Andere sind das ganze offensiver angegangen und haben schon einige der anderen Camp-Teilnehmer kennengelernt. „Vor allem mit den Serben verstehen wir uns gut“, sagt die Kroatin Ana Primorac (20). Die Studentin spricht sehr gut deutsch, sie hat es schon in der Schule gelernt. Ihre Meinung zu Europa ist klar: „Wir teilen das selbe Schicksal und haben eine gemeinsame Kultur.“ Daher hofft sie, dass Kroatien bald Mitglied der Europäischen Union werden kann.
Europa ist ziemlich abstrakt
Am Nachmittag hat sich ein kleines Grüppchen Rumänen zum Kartenspielen im Hof der Spitalhoschule eingefunden – dort übernachten die Gäste aus den Donaustaaten. Sie diskutieren, was sie am Abend noch alles unternehmen wollen. Europa ist für sie weit weg, abstrakt und unbekannt. „Richtige Infos über die EU fehlen uns. Wir hoffen, dass wir hier mehr erfahren werden“, sagt Madalina Dumitru (16).
Obwohl ihr Heimatland Rumänien erst 2007 zusammen mit Bulgarien EU-Mitglied geworden ist, können die rumänischen Jugendlichen mit der Union noch nicht so viel anfangen. Auf die Frage, was Europa für sie persönlich bedeutet, folgt langes Schweigen. „Das ist schwer. . .“, grübelt Madalina. Ihr Kumpel Bogdan Hanea (16) findet eine Antwort: „Europa ist für mich eine Chance, besser deutsch zu lernen.“ Der Schüler würde gerne in Berlin, München oder Wien studieren.
Für die meisten Rumänen ist die Fahrt nach Ulm zum Donau-Jugend-Camp aber auch eine Art Urlaub. Die Chance mal rauszukommen, etwas anderes zu sehen. „Die Menschen in Deutschland sind sehr freundlich. Hier wird nicht so viel geraucht wie in Rumänien und auf den Straßen ist es sehr sauber“, beschreiben Bogdan und sein Freund Rares Petcu (17) ihre Eindrücke.
Erste Kontakte
Und wie sieht es mit dem Kontakt zu anderen Camp-Teilnehmern aus? Recht bescheiden, geben die Rumänen zu. Doch einige hübsche Mädchen hätten sie schon kennengelernt, erklären die Jungs lachend.
Am späten Nachmittag beginnt dann das Workshop-Programm. Hier sollen die Jugendlichen ihre Ideen von Europa in kleinen Theaterstücken oder in musikalischer Form umsetzen. „Das war gut, da mußten wir alle an einem Strang ziehen. Dabei lernt man sich automatisch besser kennen“, sagt Hannah Geiger aus Langenau nach dem Workshop.
Da sind dann vielleicht doch einige Parallelen zu Europa erkennbar. Auch die Staaten haben schließlich ein Weilchen gebraucht, bis sie sich zusammengerauft hatten.
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Autor: JULIANE BAUMGARTEN | 31.08.2010
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Rumänische Jugendliche aus dem Donaucamp
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