Das Mittwochs-Interview: Gleich zwei Chancen auf Gold

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Nicht gesetztSÜDWEST PRESSE: Frau Stein, bei der deutschen Meisterschaft im Juni haben Sie sich verletzt. Was genau ist passiert?
Janine Stein: Im Finalkampf habe ich mir die Schulter ausgekugelt. Zunächst habe ich es gar nicht gemerkt und weitergekämpft, doch nach dem Kampf konnte ich den Arm kaum bewegen. In der Sportklinik in Stuttgart haben wir dann ein MRT machen lassen, in dem festgestellt wurde, dass auch ein Kapselriss vorhanden war. Daher musste ich sogar operiert werden.
Haben Sie noch immer Probleme mit der Schulter?
Nein, ich bin überhaupt nicht mehr eingeschränkt. In den Physio-Einheiten, die ich drei Mal pro Woche absolviert habe, haben wir den Muskelaufbau gut hinbekommen.
Einer Titelverteidigung bei der U21-WM am kommenden Wochenende in Abu Dhabi steht also nichts im Weg?
Die Form passt, und natürlich ist es mein Ziel, ganz vorne dabei zu sein. Aber: Das ist ja das Ziel von jedem Sportler.
Dennoch gehören Sie mit Sicherheit zu den Favoriten.
Das stimmt. Zumal ich im vergangenen Jahr ja gerade erst in die höhere Altersklasse aufgerückt bin und deshalb die jüngste Athletin war. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft treffe ich auf Gegnerinnen, die maximal ein Jahr jünger oder älter sind als ich. Das ist eine perfekte Ausgangslage.
Kennen Sie bereits einige Ihrer möglichen Kontrahentinnen?
Leider kaum. Aber ich weiß zumindest, dass aus Frankreich kein Nationalteam nach Abu Dhabi reist. Das ist schon erstaunlich, zumal ich im letztjährigen Finale auf eine Französin getroffen bin. Ich kenne aber eine Kämpferin aus Dänemark, gegen die ich schon mehrmals antreten musste.
Erfolgreich?
Ja, bisher habe ich gegen sie immer gewonnen (lacht).
Mal abgesehen von der Verletzung: Wie sah Ihre Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft aus?
Wir haben sowohl weiter an meinen Stärken, den schnellen Schlag- und Fußtechniken, als auch den Schwächen gearbeitet. Für den Wurfbereich habe ich Muskelmasse aufgebaut, denn gerade die russischen Kämpferinnen sind oft ziemlich kräftig und durchtrainiert. Gegen diese starken Wurftechniken muss ich mich wehren können.
Sie haben zudem noch im Landesstützpunkt-Training in Sindelfingen Zusatzeinheiten absolviert. Was wurde dort besonders trainiert?
Vor allem spezifisches Wettkampftraining. Bei uns im Ju-Jutsu-Club Mühlbachtal ist es ja so, dass jeder mal gegen jeden antritt. Im Bundeskader aber können wir gezielt gegen Kämpferinnen in gleicher oder ähnlicher Alters- und Gewichtsklasse trainieren.
Am Sonntag ist dann auch die ganze Mannschaft gefragt: Zum ersten Mal wird ein Teamwettkampf bei der WM ausgetragen. Freuen Sie sich darauf?
Auf jeden Fall. Zugegeben, mein Fokus liegt immer noch auf dem Samstag, also auf dem Einzelwettkampf. Das wird der Haupttag für mich sein. Aber weil es diesen Teamwettkampf so noch gar nicht gab, ist es eine sehr spannende Situation.
Wie wird denn im Team gekämpft?
Letztlich kämpft schon jeder Athlet seinen Kampf alleine, die Kämpfe werden am Ende aber für ein Gesamtresultat zusammen gewertet. Im Fighting bin ich sowie zwei Männer am Start, im Bodenkampf ein Einzelkämpfer sowie ein Duo.
Gibt es für Sie also die Chance, mit zwei Medaillen von der WM nach Renfrizhausen zu kommen?
Auf jeden Fall. Im Team hat Deutschland zuletzt Gold bei den World Games geholt. Also besteht auch bei der WM definitiv die Chance darauf.
Zur Person:
Janine Stein (18) aus Renfrizhausen kämpft Ju-Jutsu seit sie acht Jahre alt ist. Ihre größten Erfolge sind die WM-Goldmedaille in der Altersklasse U21 sowie die Deutschen Meistertitel 2014, 2015 und 2016 in der Klasse U18 bis 70 Kilogramm sowie die beiden Bronzemedaillen bei der U18-WM 2015 in Athen und und bei der U18-EM 2016 in Gelsenkirchen. Stein besucht das zweijährige Berufskolleg für Gesundheit und Pflege in Rottweil und strebt dort die Fachhochschulreife an. Im JJC Mühlbachtal ist sie auch ehrenamtlich im Jugendausschuss aktiv.
