Das Mittwochs-Interview
: „Nordstetten bietet tolle Bedingungen“

Der dreimalige Olympiasieger mit der Schnellfeuerpistole Ralf Schumann erklärt im Interview, warum er nun Mitglied beim SSV Nordstetten ist.
Von
Sascha Eggebrecht
Nordstetten

Der dreifache Olympiasieger Ralf Schumann ist nun Mitglied beim SSV Nordstetten.

Eggebrecht

SÜDWEST PRESSE: Herr Schumann, warum haben Sie sich entschlossen, in Nordstetten Mitglied zu werden und dort Ihr Training anzubieten?

Ralf Schumann: Ich habe als Personaltrainer keinen eigenen Schießstand und muss daher gucken, welchen Stand ich nutzen kann. In Nordstetten ist es ideal, weil ich alle Disziplinen mit meinen Schülern üben und die Anlage den ganzen Tag nutzen kann. Zudem gibt es keine Nachbarschaft, die sich wegen des Schießlärms beschwert.

Gab es wegen einer Lärmbelästigung schon Probleme?

Ja. Ich habe vorher in Pfrondorf bei Tübingen trainiert. Dort habe ich auch noch meine Olympia-Vorbereitung für 2012 gemacht. Da gab es dann schon einige Bewohner, die es zu laut fanden. Daher habe ich mich entschlossen, einen neuen Verein zu suchen. Im vergangenen Jahr war ich zudem auch sehr oft in München und in Suhl zum Trainieren.

Werden auch die Nordstetter Schützen von Ihrem Wissen profitieren?

Ja, das haben wir auf jeden Fall vor. Ich werde mich um die Jugend kümmern und mal ein Trainingslager mit ihnen machen. Wir werden da schon einen guten Weg für alle finden.

Sie hatten mal gesagt, dass Sie schon in der Schule die Vision hatten, Olympiasieger zu werden. Muss ein Athlet solche Visionen haben, um erfolgreich zu sein?

Ja, ein Ziel sollte man schon haben. Sonst hat alles keinen Sinn.

Was erwarten Sie noch von einem Schüler, der bei Ihnen trainiert?

Es muss mir vor allem vertrauen und sollte versuchen, das umzusetzen, was ich ihm vorgebe.

Ist es als Trainer Ihr Ziel auch einen Olympiasieger hervorzubringen?

Wenn es mal dazu kommen sollte, wäre das toll. Aber es ist nicht mein primäres Ziel. Ich will, dass der Sportler Spaß hat und das er sich steigert. Bei mir steht also nicht die Medaille, sondern der Sportler im Vordergrund.

Sie wurden früher in der DDR

zunächst vom Schießsport weggeschickt. Sind Sie im Nachhinein froh, dass es mit dem Gewichtheben nicht geklappt hat?

Ja, sonst wäre ich körperlich auch nicht mehr so gesund, wie ich es nun bin.

Was muss ein guter Schütze alles mitbringen?

Er muss vor allem ein gewisses Maß an Handruhe mitbringen. Seine Augen sollten gesund

sein und er muss trainieren wollen. Zudem braucht er Geduld, weil von jetzt auf gleich geht nichts.

Wen trainieren Sie gerade?

Ich bin Bundestrainer der italienischen Schnellfeuerpistolen-Mannschaft. Zudem trainiere ich ein paar indische Schützen.

Wo trainieren Sie dann mit den

Italienern?

Bis jetzt bin ich in der Vorbereitungsphase immer nach

Italien gefahren. Ich werde gucken, ob es nicht auch in Deutschland möglich ist, zu

trainieren.

Wie wichtig ist das Talent?

Talent ist wichtig, denn ohne Talent geht gar nichts. Entscheidend sind dann aber die Trainingsumfänge. Denn der Schütze muss die ganzen Trainingsbelastungen auch aushalten.

Schießen ist nicht hinstellen und abdrücken. Der Schütze muss fit sein und braucht viel Muskulatur.

Erklären Sie uns doch mal Ihre

Leidenschaft zum Schießsport.

Das Interessante an der Sportart ist vor allem, dass der Schütze nach jedem Schuss wieder neu anfangen muss. Er kann vom vorherigen Schuss nichts für den nächsten Schuss mitnehmen. Jedes Mal muss wieder aufs Neue präzise gezielt und geschossen werden, um die 10 zu treffen. Die Frage stellt sich dann immer: Wie oft schaffe ich die 10?

In der heutigen Zeit ist vieles

anders als zu Ihrer aktiven Zeit.

Hat sich dadurch auch die

Trainingsarbeit geändert?

In der Tat. Es gibt ein anderes Wertungssystem als früher. Zudem hat der Schütze viel weniger Zeit zum Schießen. Das Fundament ist aber gleich geblieben. Aber, wegen der Zeitwegnahme, muss viel effektiver gearbeitet werden. Der Schütze muss dadurch auf jeden Fall viel mehr Ausdauer und Muskulatur haben. Die Frage ist immer, wie schnell kann ich mein Adrenalin zwischen den Schüssen abbauen. Denn durch die statische Belastung geht der Herzschlag extrem in die Höhe. Nach 20 Minuten am Schießstand ist man völlig außer Atem.

In den meisten Sportarten ist

Doping auch ein immer wieder kehrendes Thema. Lohnt sich Dopen

im Schießsport überhaupt?

Nein, es lohnt sich nicht! Diejenigen Medikamente, die eine positive Wirkung für den Schützen haben, stehen alle auf der Dopingliste. Daher können sie

auch nichts benutzen. Das finde ich cool.

Zur Person

Ralf Schumann ist 54 Jahre alt und stammt aus der ehemaligen DDR. Der Schütze mit der Schnellfeuerpistole hat an sieben Olympischen Spielen teilnehmen und dreimal die Goldmedaille geholt. Zudem wurde er viermal Weltmeister und hat 13 Mal den Gesamt-Weltcup gewonnen. Nach über 700 Wettkämpfen hat Ralf Schumann seine Karriere mit dem Weltcupfinale in Bangkok am 26. Oktober 2012 beendet und widmet sich seither dem Trainergeschäft. Er wohnt derzeit in Dußlingen bei Tübingen.